Fussballjahr 1955/56: Unterschied zwischen den Versionen

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Bevor wir in das letzte Bundesliga-Wochenende des Jahres starten, habe ich noch eine frische Folge Fußball History für euch.
 
Heute geht es um die erste Europapokal Saison der Geschichte. Eine Sache vorweg, ich werde mich bei dieser Serie auf die drei Hauptwettbewerbe konzentrieren, also Champions League UEFA Cup, Europapokal der Pokalsieger bzw zum Schluss Conference League.
Starten wir also mit der Saison 1955/56 und in dieser Saison gab es zum ersten Mal den Europapokal der Landesmeister. Die Idee einen solchen Wettbewerb ins Leben zu rufen gab es schon länger, man hatte schon häufiger darüber nachgedacht, Vorbild war der sogenannte Mitropa Pokal der von 1927 bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges ausgespielt worden war. Die Idee hinter dem neuen Europapokal war, herauszufinden welche Länder die spielstärksten vereinsmannschaften hatten. Anlass war nicht zuletzt die britische Presse. Die Engländer neigten damals durchaus dazu, ihre nationalen Meister als Weltmeister zu erklären. Gabriel Hanot, ehemaliger französischer nationalspieler und 1954 Journalist der französischen sportzeitung L'Equipe hatte 1954 einen Entwurf dazu vorgestellt, wie ein solcher Wettbewerb aussehen konnte und nannte es eine Europameisterschaft der Vereine. Und schon eine Saison später ging es los. Interessanterweise durfte der englische Meister, der FC Chelsea nicht an der ersten Austragung teilnehmen, weil die englische Liga ihnen die Teilnahme verboten hatte.
Es war damals übrigens nicht unbedingt verpflichtend, dass der nationale Meister spielte, das war erst ab 1958 so.
An der ersten Saison nahmen 16 Teams teil.
Die Teilnehmer waren der RSC Anderlecht, Aarhus GF, AC Mailand, Partizan Belgrad, PSV Eindhoven, Sporting Lissabon, Hibernian Edinburgh, Djugardens IF, Servette Genf, Real Madrid, Rapid Wien, Gwardia Warschau, Voros Lobogo Budapest, Stade Reims und aus deutscher Sicht Rot-Weiss Essen und 1. FC Saarbrücken.
Partizan Belgrad war in der jugoslawischen Liga damals nur auf Platz 5 gelandet, die PSV Eindhoven, war nur zweiter geworden, Edinburgh ebenfalls lediglich auf Platz 5 gelandet, Genf war sogar nur auf Platz sechs, Rapid auf Platz 3 in Österreich, Warschau auf Platz 4 in Polen, Saarbrücken war Dritter der Fußball-Oberliga und Budapest war zweiter in Ungarn geworden. Also ich erzähle euch das, weil ja immer häufig gemeckert wird, damals war alles besser, damals haben nur die Meister gespielt, blablabla zumindestens in dieser ersten Saison war das nicht so
Die 16 Teams spielten von Anfang an im k.o-modus mit hin und Rückspiel.
Das erste Spiel des neuen Wettbewerbs fand in Lissabon zwischen Sporting und Partizan Belgrad statt. Es war der 4 september 1955. Joao Martins wurde in Minute 14 die Ehre zuteil, das erste Tor in der Geschichte des Europapokal der Landesmeister zu schießen. Insgesamt hatte er eine ziemlich erfolgreiche Karriere, in 204 spielen konnte er 131 mal treffen. Und er spielte immer nur für die Grün-Weißen aus Lissabon. Obwohl ihm noch ein zweites Tor gelang, endete das Spiel 3:3.
Im Rückspiel sollte sich dann Partizan 5:2 durchsetzen und ins Viertelfinale einziehen.
Voros Lobogo Budapest, das ist heute der MTK Budapest, konnte Anderlecht im Hinspiel 6:3 und im Rückspiel 4:1 besiegen
Real Madrid setzte sich zunächst in Genf 2:0 und dann zu Hause 5:0 durch.
Am 14 september fand das erste deutsche Spiel im Europapokal der Landesmeister statt, Rot-Weiss Essen traf auf Hibernian Edinburgh. Der deutsche Fußball war damals einfach noch nicht so weit und vor gerade einmal 5000 Zuschauern verlor RWE 0:4. Im Rückspiel gab es immerhin ein 1:1. Fritz Abromeit traf für das Team aus dem Ruhrpott. Djugardens und Warschau trennten sich im Hinspiel 0:0. Das Rückspiel gewannen die Schweden mit 4:1.
Aarhus unterlag Reims 0:2. Im Rückspiel gab es ein 2:2.
Rapid Wien zauberte beim Hinspiel gegen Eindhoven mit einem 6:1 Sieg. Alfred Körner konnte drei Tore schießen. Das Rückspiel verloren die Hütteldorfer zwar mit 1 zu 0, kamen aber natürlich trotzdem weiter.
Der AC Mailand traf auf Saarbrücken und war hier klarer Favorit. Pit Krieger traf in Minute fünf aber für Saarbrücken und das war damals das erste deutsche Tor im Europapokal der Landesmeister. Und es sollte noch besser werden für den FCS, zwar drehte Milan das Spiel zunächst auf 3:1 für die Italiener, doch Saarbrücken gelang eine nicht für möglich gehaltene Aufholjagd, die tatsächlich mit einem 3:4 Auswärtssieg endete. Waldemar Philippi, Karl Schirra und Herbert Martin sorgten für die Überraschung. Im Rückspiel stand es lange 1:1. Doch als in Minute 75 Theodor Puff ein Eigentor unterlief, brach der FCS zusammen und Milan siegte 4:1. Somit waren beide deutsche Teams im Achtelfinale ausgeschieden.
Schauen wir auf das Viertelfinale. Djugardens traf auf Hibernian. Das Team aus Schottland konnte das Hinspiel 3:1 und das Rückspiel 1:0 gewinnen. Reims besiegte Budapest im Hinspiel 4 zu 2. Im Rückspiel in Ungarn führten die Franzosen bereits mit 4:1, Budapest startete noch eine Aufholjagd und kam tatsächlich noch zum 4:4, was aber nicht reichte.
Real Madrid verprügelte im Hinspiel Belgrad mit 4:0. Das Rückspiel wäre aber um ein Haar zu einer riesen Sensation geworden, denn die Serben kamen zu einem 3:0 Sieg. Fast hätten Sie eines der größten Comebacks in der Geschichte des Europapokals geschafft.
Zwischen Rapid und Milan gab es im Hinspiel ein 1:1. Im Rückspiel allerdings machten die rossuneri kurzen Prozess und verprügelten Rapid mit 7:2.
Im Halbfinale setzte sich Reims mit zwei Siegen gegen Hibernian durch. Real gewann das Hinspiel gegen Milan 4:2. Das Rückspiel in Mailand brachte einen späten 2:1 Sieg für die Italiener. Das Tor zum 2:1 in Minute 89 kam aus italienischer Sicht einfach zu spät für eine Aufholjagd.
Und somit standen sich im ersten Finale des Europapokals der Landesmeister Real Madrid und Stade Reims gegenüber, und gespielt wurde in Frankreich im Pariser prinzenpark am 13 Juni 1956. 38.239 Zuschauer waren im Stadion, man merkt an den zuschauerzahlen, das Interesse war damals eher so überschaubar. Michel Leblond und Jean Templin sorgten für eine frühe 2:0 Führung der Franzosen. Nach 10 Minuten sah es gar nicht gut aus für Real. Doch Alfredo di Stefano konnte schon in Minute 14 verkürzen. Hector Rial gelang nach einer halben Stunde sogar der Ausgleich. In Minute 62 Flug der Zeiger aber wieder in Richtung der Franzosen aus Michel Hidalgo brachte sein Team mit 3:2 in Führung. Doch wieder konnte Real antworten.Marquitos besorgte in Minute 67 den Ausgleich. Und in Minuten 79 besorgte Hector Rial den Siegtreffer für die Königlichen. Er und Alfredo die Stefano bildet damals ein grandioses Duo.
Real Madrid gewann so den ersten europapokal der Landesmeister, Torschützenkönig wurde aber nicht einer der königlichen, sondern ein Spieler von Partizan Belgrad. Die Rede ist von Milos Milutinovic. Er war acht Mal erfolgreich..
Was man sich im Nachhinein vielleicht mal überlegen kann, ist wie anders sich möglicherweise die Geschichte von Real Madrid und die Geschichte von Reims hätte, wenn dieses Spiel was ja durchaus möglich war, sich in die andere Richtung entwickelt hätte. Heute ist Real die absolute Nummer eins im Weltfußball und die Franzosen sind in der zweiten Liga.

Version vom 13. Januar 2026, 16:08 Uhr