Fussballjahr 1924
Natürlich haben wir auch heute eine neue Folge meiner Serie Fußball History, heute sind wir im Jahr 1924 und wir reden über Deutschland, die Nationalmannschaft England, Italien Spanien und Frankreich. Wie immer beginnt unsere Reise in Deutschland. An der Deutschen Meisterschaft nahmen in diesem Jahr 7 Teams Teil, sechs davon waren schon früher einmal dabei gewesen. Das waren der VfB Königsberg, Vereinigte Breslauer Sportfreunde, SpVgg Leipzig Lindenau, der HSV, der Duisburger SpV und 1. FC Nürnberg. Der einzige Neuling war der Berliner TuFC Alemannia 90. Diesen Verein gibt es übrigens heute noch, die Vereinsfarben sind Blau-Gelb und heute spielt der Verein in der kreisliga B. Und der Verein durfte sogar mal vor 80000 Zuschauern spielen, das war 1957 als man in Hannover das Endspiel um die deutsche Amateurmeisterschaft gegen den VfL Benrath verlor. Man muss sie allerdings noch dazu sagen, dass damals nicht alle Meister der einzelnen Verbände dabei waren, der Dresdener SV 1910 und der DJK Katernberg waren ebenfalls Meister in ihren Regionen, nahmen aber nicht teil. Beide Vereine spielen heute in der Landesliga. Im Viertelfinale verloren die Berliner zu Hause gegen Nürnberg 1:6. Breslau unterlag ebenfalls zu Hause dem HSV 0:3. Leipzig konnte sich zu Hause gegen Königsberg mit 6:1 durchsetzen. Duisburg hatte ein Freilos. Im Halbfinale setzte sich Nürnberg ausgerechnet in Fürth mit 3:1 gegen Duisburg durch. Der HSV gewann zu Hause 1:0 gegen Leipzig. Das Finale sollte am 9 Juni 1924 vor 40 000 Zuschauern in Berlin stattfinden. Nürnberg und der HSV hatten sich ja schon zwei Jahre zuvor ein Finale geliefert, das so geendet war, dass es gar keinen Meister gab. Doch diesmal sollte es einen geben. Die Franken gingen in der 30 Minute durch Georg Hochgesang in Führung. Zu ihm gibt es einen interessanten Fakt, für alle Fans des VfL Bochum. 1938 wurde er zum ersten Trainer des VfL Bochum und ernannt wurde er diesbezüglich nicht vom Verein selber, sondern vom damaligen Oberbürgermeister Otto Leopold Piclum. Im Nürnberger Stadion ist der Stehplatzblock 7 in der Nordkurve nach Hochgesang benannt. Die Entscheidung besorgte dann in der 87 Minute Wolfgang Strobel. Er sollte zum Ende des zweiten Weltkrieges sterben. Nürnberg holte sich so den Titel. Die deutsche Nationalmannschaft spielte 1924 sieben Spiele. Die ersten drei konnten gewonnen werden, zunächst gab es im Januar einen 4:3 Sieg in Nürnberg gegen Österreich, dann im April ein 1:0 in Amsterdam gegen Holland und im Juni einen 2 : 0 Sieg in Oslo gegen Norwegen. Zu einer Kontroverse kam es dann im August, da traf Deutschland in Berlin auf Schweden und verlor mit 1:4. Das für sich genommen wäre natürlich noch keine Kontroverse, aber Deutschland musste mit sechs Debütanten spielen, da die Spieler von der Spielvereinigung Fürth und des 1. FC Nürnberg sich weigerten ,gemeinsam in einer Mannschaft zu spielen. Im September folgte eine Niederlage in Budapest gegen Ungarn mit 4:1, ehe man in Duisburg im November gegen Italien 0:1 verlor. Im Dezember gab es gegen die Schweiz ein 1:1. Schauen wir nach England. Hier holte sich Huddersfield Town die Meisterschaft. Am Ende war man punktgleich mit Cardiff City. Es war gleich doppelt bitter für das Team aus Wales. Zum einen waren sie bis vor dem letzten Spieltag Tabellenführer und hätten mit einem Sieg in Birmingham aus eigener Kraft Meister werden können, spielten aber nur 0:0 zum anderen verpassten sie den Titel nur aufgrund einer blöden Regel. Huddersfield hatte mit 3:0 gegen Nottingham gewonnen. Huddersfield hatte so ein Torverhältnis von 60:33, Cardiff von 61:34. Nach heutigem Regeln wäre Cardiff Meister gewesen, weil sie mehr Tore geschossen hatten. Damals allerdings lief das anders es wurde die Quote errechnet, das bedeutet man dividiert die Anzahl der geschossenen Toure durch die Anzahl der kassierten Tore. Und so hatte Cardiff das Nachsehen. Torschützenkönig wurde Wolf Chadwick. Er konnte für Everton 28 Tore schießen. Chelsea und Middlesbrough mussten absteigen.
Den Pokal holte sich Newcastle. Das Finale gegen Aston Villa statt lange Zeit 0:0, doch in der 83 minute brachte Neil Harris die Elstern in Führung und zwei Minuten später sorgte Stan Seymour für die Entscheidung.
In Spanien wurde der Titel mal wieder in der Copa del Rey ausgespielt. Diesmal gab es aber gleich zehn Teilnehmer. Das waren Athletic Bilbao, Real Union Irun, Real Madrid, der FC Sevilla, Celta de Vigo, Sporting Gijon, Racing Santander, FC Barcelona, Natacion de Alicante und Stadium de Saragossa. Die letzten beiden Teams kennen wohl nur eingefleischte Fans des spanischen Fußballs, beide existiert nicht sehr lange, Alicante löste sich 1927 auf und die Spieler gingen größtenteils zu Hercules Alicante. Stadium de Saragossa sollte sogar nur bis 1925 existieren. Dann fusionierte man mit dem FC Saragossa zu CD Saragossa aus dem dann später Real Saragossa wurde. Da 10 Teams dabei waren, musste zunächst eine Vorrunde gespielt werden. Dort besiegte Barcelona Saragossa zweimal sehr deutlich mit 8:1 und 9:0. Gijon setzte sich mit 7:0 und 3:2 gegen Santander durch. Die übrigen sechs Teams waren für das Viertelfinale gesetzt. Dort konnte sich Real zweimal gegen Alicante durchsetzen 4:0 und 3:2. Sevilla scheiterte an Irun mit 1:1 und 0:2. Vigo spielte zunächst 1:1 gegen Bilbao, verlor dann aber 1:6. Beim Duell zwischen Barcelona und Gijon konnten beide Teams ihr Heimspiel jeweils mit 2:0 gewinnen, es kam zu einem Entscheidungsspiel, das gewann Barca 3:1. Allerdings verließ Gijon nach dem dritten Tor für Barcelona das spielfeld um gegen die Schiedsrichterleistung zu protestieren. Im Halbfinale traf Bilbao auf Real Madrid. Das erste Spiel gewannen die Basken 3:1, Real siegte im Rückspiel aber mit 3:0. Das Entscheidungsspiel konnte Real 1:0 gewinnen. Im anderen Halbfinale gab es ebenfalls ein Entscheidungsspiel, Irun hatte das erste Spiel gegen Barcelona 1:0 gewonnen, das Rückspiel aber 0:2 verloren. Im Entscheidungsspiel siegte Irun 6:1 Das Finale fand am 4 Mai 1924 in San Sebastian statt. Real Union Irun gegen Real Madrid. Jose Echeveste besorgte in der 58 Minute das entscheidende Tor für Irun. Real Union Irun war spanischer Meister. Schauen wir nach Italien. Hier wurde wieder zunächst ein Meister im Norden und dann ein Meister im Süden gesucht. Der Norden war aufgeteilt auf zwei Gruppen mit jeweils 12 Teams, der erste jeder Gruppe qualifizierte sich für das Endspiel um die norditalienische Meisterschaft, der jeweils letzte musste absteigen. In der ersten Gruppe befanden sich der CFC Genua, Calcio Padova, Inter Mailand, US Livorno, US Alessandria, Juventus Turin FC Modena, AS Casale, SG Sampierdarenese, FBC Brescia, Novara Calcio und Virtus Bologna. Der CFC Genua setzte sich einigermaßen zu überreden durch und absteigen musste Bologna. Virtus Bologna gibt es übrigens heute noch, allerdings nur noch als Verein im Basketball, da ist man aber durchaus erfolgreich man ist 17 Mal italienischer Meister geworden, sogar 2025 konnte man den Titel gewinnen. In der anderen Gruppe spielten der FC Bologna, der FBC Turin, die SG Pro Vercelli, Hellas Verona, AC Legnano, US Cremonese, SC Pisa, SG Andrea Doria, AC Mailand, SPAL Ferrara, AC Spezia und US Novese. Der FC Bologna konnte sich knapp vor dem FBC Turin Platz 1 sichern, Novese musste absteigen. Das Endspiel um die Meisterschaft in norditalien gewann Genua mit 1:0 und 2:0 gegen Bologna. Im Süden gab es fünf unterschiedlich große Regionen. In Latium spielten sechs Teams, der Meister und der Vize qualifizierten sich für die nächste Runde, der letzte musste absteigen. Es war ein dreikampf zwischen Alba Roma, Lazio Rom und Fortitudo Roma. Alba konnte sich am Ende mit einem Punkt Vorsprung durchsetzen, Lazio und Fortitudo mussten ein Entscheidungsspiel austragen, welches Lazio mit 2:0 gewinnen konnte. Tivoli Calcio und US Romana hatten zwar mit der nächsten Runde nichts zu tun, aber auch keine Probleme die Klasse zu halten, das lag daran, dass Juventus Audax Roma alle Spiele verlor. In Marken gab es immer noch nur ein Team und das war der AC Anconitana, der so mit kampflos die nächste Runde erreichte. In Kampanien gab es sechs Teams, hier qualifizierten sich wieder die ersten beiden und der letzte musste absteigen. Der FC Savoia setzte sich ganz locker durch, dann war es knapp zwischen dem FBC Internaples und US Cavese. Hier setzte sich Internaples durch. Ilva Bagnolese und AC Stabia konnten die Klasse halten, während Salernitana Audax steigen sollte aus diesem Verein entstand später der US Salernitana. In Apulien gab es ebenfalls sechs Teams, die beiden besten kamen weiter, der letzte musste absteigen. Audace Taranto und Ideale Bari konnten sich vor Liberty Bari, Entoria Taranto, Pro Italia Taranto und Absteiger US Foggia behaupten. Auf Sizilien gab es nur zwei Teams, der FBC Palermo besiegte US Messinese 3:2. Nun wurden zwei Gruppen mit jeweils vier Teams gebildet, die beiden Sieger sollten dann gegeneinander spielen. In Gruppe A spielen AC Anconitana, Ideale Bari, Lazio Rom und FC Savoia. Letztgenannte konnten sich mit einem Punkt Vorsprung vor Lazio durchsetzen. In Gruppe B waren Alba Rom und Audace Taranto punktgleich, sie gaben dem FBC Internaples und dem FBC Palermo das Nachsehen. Zwischen Alba Rom und Audace gab es ein Entscheidungsspiel, dass die Römer 2:0 gewinnen konnten. Das Finale um die süditalienische Meisterschaft zwischen Rom und Savoia bot gleich mehrere Kontroversen. Das Hinspiel gewann Savoia 2:0, doch die Römer beschwerten sich, dass der Schiedsrichter zu früh abgepfiffen habe und der Verband gab der Beschwerde recht. Das Rückspiel gewann dann Rom 1:0, es sollte dann allerdings noch ein weiteres Spiel in Savioa eben, weil ja das erste Spiel annulliert worden war, der Verband gab den Römern aber keine Garantie für die Übernahme der Reisekosten und so zog sich Rom zurück. Das Finale zwischen Genua und Savioa konnte Genua mit einem 3:1 im Hinspiel und einem 1:1 im Rückspiel gewinnen. Zum Schluss noch der Blick nach Frankreich. Wir schauen wieder auf den Pokal, wie gesagt bis Ende der 20er Jahre ist das in Frankreich eben ein schwieriges Thema mit der Meisterschaft. Wir steigen wieder direkt ins Halbfinale ein. Olympique Marseille konnte sich mit 3:1 gegen den FC Rouen behaupten, der FC Cette traf auf den AC Le Havre. Zweimal ging das Spiel 1:1 nach Verlängerung aus, im dritten Spiel setzte sich dann Cette 2:0 durch. Das Finale fand am 13 April 1924 vor 29.000 Zuschauern in Paris statt. Marseille ging bereits in der dritten Minute durch Edouard Crut in Führung doch nach 15 Minuten konnte Louis Cazal ausgleichen. Marseille ging kurz vor der Pause wieder in Führung, durch Kapitän Jean Boyer. Aber in der 67 Minute unterlief Apollon Torta ein Eigentor zum erneuten Ausgleich. Es ging in die Verlängerung und dort sorgte Edouard Crut für den Sieg von OM. Leider endete sein Leben ziemlich traurig, er hatte schon in der Schule das Problem, dass er als Charakter nicht schwierig galt, nach seiner Karriere hat er dann eine Kneipe eröffnet und sich als LKW-Fahrer versucht, hat's aber nie langfristig geschafft und war am Ende verarmt, kaum jemand aus seiner früheren Zeit als Fußballer war bei seiner Beerdigung anwesend. Für Marseille war es übrigens der erste große Titel in der Vereinsgeschichte, also vielleicht könnte der Verein ja auch seinem Andenken etwas gerechter werden