Fussballjahr 1954
15.12.2025
Herzlich willkommen zu einer neuen Woche und einer neuen Folge meiner Serie Fußball History. Und ich kann schon mal vorwegnehmen, in dieser Woche haben wir einiges vor, heute kümmern wir uns um die Vereinssaison 1954, morgen dann die WM 1954, Mittwoch 1955, Donnerstag 1956 und am Freitag machen wir dann die Europapokalsaison 1956.
Auch heute schauen wir wieder nach Deutschland, in die DDR, auf die Nationalmannschaft, nach England Spanien, Italien und Frankreich.
Wir beginnen wie immer in Deutschland. Die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft war in diesem Jahr etwas kleiner gehalten, es nahmen nur sechs Vereine teil.
Alle sechs waren auch vorher schon einmal bei einer Endrunde um eine deutsche Meisterschaft, es handelt sich um den VfB Stuttgart, Eintracht Frankfurt, 1. FC Köln, kaiserslautern, Hannover 96 und den Berliner SV 92.
Die sechs Teams wurden auf zwei Gruppen aufgeteilt zu jeweils drei Mannschaften und die jeweiligen Sieger spielten dann den deutschen Meister aus.
In Gruppe a befanden sich Hannover, Stuttgart und Berlin. Der VfB und 96 konnten jeweils ihr Spiel gegen den Berliner SV gewinnen, der VfB etwas deutlicher als 96 und somit musste Hannover am letzten Spieltag gegen Stuttgart gewinnen. Und das schafften sie mit einem 3:1 Sieg auch. So gewann Hannover die Gruppe und war im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft.
Gruppe B hatte Kaiserslautern, Frankfurt und Köln. Nachdem kaiserslautern und Köln jeweils gegen Frankfurt gewonnen hatten, kam es auch hier zu einem Endspiel, dieses konnte Kaiserslautern 4:3 gegen Köln gewinnen.
Das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft fand am 23 Mai 1954 in Hamburg vor 76 000 Zuschauern statt.
Horst Eckel brachte Kaiserslautern in Minute 13 in Führung. Kurz vor der Pause gelang Hans Tkotz der Ausgleich für Hannover. Kurz nach der Pause unterlief dem Lauterer Werner Kohlmeyer ein Eigentor zur Führung der Niedersachsen. Bis zur letzten viertelstunde blieb das Spiel spannend, dann aber konnte Hannover noch drei Tore schießen. Heinz Wewetzer, Helmut Kruhl und Rolf Paetz waren für Hannover erfolgreich. Paetz wurde zusammen mit Otto Baitinger und Georg Stollenwerk mit jeweils drei Toren Torschützenkönig.
Im Pokal trafen am 17 April 1954 in Ludwigshafen vor 60000 Zuschauern Stuttgart und Köln aufeinander. Der VfB holt sich den Titel durch ein Tor von Erwin Waldner mit 1:0 in der Verlängerung.
In der DDR gab es einen Zweikampf um den Titel zwischen Turbine Erfurt und Chemie Leipzig. Am vorletzten Spieltag patzte Erfurt in Dresden und machte die Tür für Chemie Leipzig auf, doch die die Sachsen verloren selber beim Meeraner SV. Somit brauchte Erfurt am letzten Spieltag nur noch ein Unentschieden unsicher Meister zu sein. Und sie konnten ihr letztes Spiel gegen Aue durch Tore von Siegfrid Vollrath und Helmut Nordhaus sogar gewinnen. Allerdings wäre das gar nicht mehr nötig gewesen, denn Chemie patzte auch am letzten Spieltag.
Absteigen mussten drei Teams. Stahl Thale war frühzeitig abgestiegen. Doch um die anderen beiden Abstiegsplätze war es vor dem letzten Spieltag noch spannend. Fünf Teams mussten noch zittern. Der Meeraner SV hatte die besten Karten und wäre bei einem Unentschieden auf jeden Fall gerettet. Und tatsächlich holten sie es sich mit einem 1:1 bei Absteiger Thale. Dessau brauchte einen Sieg um sicher zu sein. Doch sie verloren gegen Zwickau 1:4. Zwickau hatte ebenfalls im Abstiegskampf gesteckt, war durch diesen Sieg jetzt aber gerettet. Dessau konnte nur noch hoffen dass Stendal und die BSG Einheit Ost Leipzig verlieren würden. Stendal spielte jedoch in Lauter 2 zu 2. Die BSG Einheit Ost Leipzig spielte ebenfalls 2 zu 2 Unentschieden bei der SC Einheit Dresden. Damit war Dessau definitiv abgestiegen aber wie war das jetzt zwischen Stendal und der BSG Einheit Ost Leipzig? Leipzig hatte Glück, dass der Torquotient zählte und der war minimal besser als der von Lok Stendal. Torschützenkönige wurden Heinz Satrapa von Wismut Aue und Siegfried Vollrath von Turbine Erfurt mit jeweils 21 Toren. Den Pokal in der DDR konnte der Zweitligist Vorwärts Berlin gewinnen, der Wettbewerb war 1952 gestartet worden, aber aufgrund der Unruhen in der DDR unterbrochen worden. Rudolf Mitzschke und Heinz fröhlich schossen die Tore beim Sieg über Zwickau, für die Werner Baumann traf.
Schauen wir auf die Nationalmannschaft, dieses Thema werden wir heute nur kurz anreißen, denn morgen werden wir uns ja intensiv mit der WM 1954 auseinandersetzen.
Die deutsche Mannschaft startete mit einem 3:1 Sieg über das saarland in das WM Jahr. Dann gab es einem 5 zu 3 Sieg über die Schweiz. Dann wurde die Türkei mit 4:1 besiegt. Es folgte die fast schon legendäre 3:8 Niederlage gegen Ungarn, bevor man die Türkei erneut bei der WM 7:2 besiegen konnte. Im Viertelfinale folgte dann ein 2:0 über Jugoslawien, dann ein 6:1 über Österreich. Im Finale gab es dann das legendäre 3:2 gegen Ungarn. Nach der WM verlor Deutschland übrigens drei Spiele in Folge, 0:2 gegen Belgien 1 zu 3 gegen Frankreich und ebenfalls 1 zu 3 gegen England.
Erst im letzten Spiel des Jahres konnte dann noch mal in Portugal 3:0 gewonnen werden.
Schauen wir nach England.
Im Kampf um den Titel lieferten sich Wolverhampton und West Bromwich einen Kampf. Wolverhampton führte die Tabelle 2 Spieltage vor Schluss mit zwei Punkten Vorsprung an. Am vorletzten Spieltag in Huddersfield. Doch trotzdem war das der Spieltag, an dem sie praktisch Meister wurden, denn West Bromwich verlor sogar 6:1 bei Aston Villa. Letzte mathematische Zweifel räumten die Wolves mit einem Sieg über Tottenham am letzten Spieltag aus.
Im Kampf gegen den Abstieg musste der FC Liverpool frühzeitig die Segel streichen. Vor dem letzten Spieltag waren noch zwei Teams gefährdet, die Reds in die zweite Liga begleiten zu müssen. Sheffield United und Middlesbrough. Sheffield hatte die besseren Karten, denn sie hatten einen Punkt mehr. Doch sie verloren ihr Spiel gegen Manchester United 1:3. Middlesbrough war somit wieder im Geschäft, konnte die Einladung aber nicht annehmen, denn auch sie mussten sich 3:1 geschlagen geben, nämlich beim FC Arsenal London.
Jimmy Glazzard von Huddersfield wurde mit 29 Toren Torschützenkönig.
Im englischen Pokalfinale setzte sich West Bromwich 3:2 gegen Preston North End durch. Ronnie Allen brachte WBA in Führung, Morrison gelang der Ausgleich. Charlie Wayman brachte Preston in Minute 51 sogar in Führung. Doch Ronnie Allen gelang 12 Minuten später der Ausgleich. Frank Griffin machte in Minute 87 das entscheidende Tor für WBA.
In Spanien kämpften Real Madrid und Barcelona um den Titel. Real hatte zwei Spieltage vor Schluss zwei Punkte Vorsprung. Am vorletzten Spieltag besiegten sie Valencia 4:0. Unter anderem durch drei Tore von Alfredo di Stefano. Er war vor der Saison 53/54 aus Südamerika nach Madrid gekommen, das interessante bei ihm ist, dass er wohl auch einen Vertrag bei Barcelona unterschrieben hatte, und es dann zwischen den beiden Rivalen ein ziemliches Tauziehen um ihn gab. Der damalige spanische Diktator Franco versuchte zwischen beiden Vereinen zu vermitteln, am Ende verzichtete Barcelona auf Di Stefano. Ein großer Fehler wie sich in den nächsten Jahren herausstellen sollte. Barcelona verlor in diesem Jahr am vorletzten Spieltag ausgerechnet im Derby gegen Espanyol 1:4 und war damit raus aus dem Kampf um die Meisterschaft. Real war Meister. Übrigens damals zum ersten Mal seit 21 Jahren.
Im Abstiegskampf mussten wieder die letzten zwei direkt runter und die zwei Teams davor in die Relegation. Gijon war von Anfang an überfordert und frühzeitig abgestiegen. Am vorletzten Spieltag war dann auch Oviedo weg vom Fenster. Aber um die Relegation war es richtig spannend, sechs Vereine mussten am letzten Spieltag noch zittern, darunter Atletico Madrid. Durch einen 1:0-sieg über den FC Barcelona konnte sich Atletico aber retten. Osasuna war der nächste Kandidat. Sie spielten eins zu eins in Valencia und mussten zittern. Vigo rettete sich mit einem 4 zu 2 Heimsieg über Bilbao. San Sebastian konnte mit 3:2 gegen Sevilla gewinnen und war ebenfalls in Sicherheit. Real Jean könnte zwar sein letztes Spiel 4:0 gegen Deportivo La Coruna gewinnen, aufgrund der anderen Ergebnisse konnten sie damit die Relegation aber nicht mehr verhindern. Und auch Osasuna musste Relegation spielen. Hatten sich in den letzten Jahren die Erstligisten noch immer retten können in der Relegation, mussten diesmal beide runter. Malaga und Hercules Alicante setzten sich in der Relegation durch. Torschützenkönig wurde mit 27 Toren Alfredo di Stefano.
Und jetzt möchte ich ganz kurz mal eine Sache loswerden die mir wirklich wichtig ist, ich bin ja großer Fan von Real Madrid. Ich persönlich glaube, dass Alfredo di Stefano der wichtigste Spieler der Vereinsgeschichte ist. Es gibt Leute, die Antworten auf diese Frage ernsthaft mit Cristiano Ronaldo. Ich liebe CR7 und natürlich hat er unglaublich viel für den Verein geleistet, vielleicht ist er auch der beste Spieler den Real Madrid jemals in seinen Verein hatte. Aber nicht der wichtigste. Denn wenn es Alfredo di Stefano nicht gegeben hätte, wäre er zwar trotzdem ein großartiger Spieler geworden, aber dann hätte er vielleicht nie für Real gespielt. Real war zu dem Zeitpunkt als Alfredo di Stefano gekommen ist 21 Jahre lang nicht mehr Meister gewesen. Barcelona war die klare Nummer eins und wahrscheinlich war sogar Atletico zu diesem Zeitpunkt größer als Real. Das ist so ein bisschen so ähnlich beim FC Bayern, der FC Bayern hat viele großartige Spieler in seiner Vergangenheit gehabt oder auch jetzt, aber nicht Robert Lewandowski, Franck Ribery, Lothar Matthäus oder Harry Kane haben den FC Bayern groß gemacht sondern Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß und Gerd Müller. Wenn diese Spieler nicht gewesen wären, dann wäre vielleicht heutzutage der TSV 1860 der größere Verein in München.
Im spanischen Pokalfinale setzte sich Valencia mit 3:0 gegen Barcelona durch. 110.000 Menschen sahen in Madrid den Sieg von Valencia durch zwei Tore von Antonio Fuertes und eins von Manuel Badenes.
Schauen wir in die Serie A. Inter Mailand und Juventus Turin kämpften um den Titel, hatte einen Zähler mehr zwei Spieltage vor Ende der Saison. Am vorletzten Spieltag konnte Inter 2:0 gegen Torino gewinnen und Juventus besiegte Palermo 4:1. Am letzten Spieltag besiegte Juventus Neapel 3 zu 2, was bedeutet, Inter musste sein letztes Spiel gewinnen. Und das schafften sie ziemlich souverän mit einem 4:2 über Triestina.
Im Abstiegskampf lief es dieses Jahr etwas anders, nur der letzte musste direkt runter, die drei Teams davor in die Relegation. Vor dem letzten Spieltag waren noch fünf Teams gefährdet, wobei die letzten vier Teams alle Punktgleich waren. Novara hatte als einziger der fünf abstiegskandidaten 26 Punkte und brauchte nur ein Unentschieden und das holten sie sich gegen einen anderen Abstiegskandidaten, nämlich Legnano. Legnano drohte im schlimmsten Fall jetzt sogar der direkte Abstieg, wenn die anderen drei Kandidaten gewinnen würden. Udinese tat das schon mal mit einem 3:0 über Torino. Und auch SPAL siegte 1:0 gegen den CFC Genua. Jetzt kam es auf Palermo an. Und die setzen sich 1 zu 0 in Bologna durch, wodurch Legnano abgestiegen war.
Palermo, SPAL und Udinese mussten in die Relegation, die spielten sie aber nicht gegen irgendwelche Zweitligisten, sondern gegeneinander. Jeder spielte einmal gegen die anderen beiden Teams und der letzte musste runter. Zunächst spielte Udinese 0:0 gegen SPAL. Dann spielte Udinese 1:1 gegen Palermo. SPAL konnte dann am letzten Spieltag gegen Palermo 2:1 gewinnen, wodurch Palermo abgestiegen war.
Torschützenkönig wurde Gunnar Nordahl mit 23 Toren vom AC Mailand, zweiter wurde sein schwedischer Landsmann Hasse Jeppson.
In Frankreich hatten vier Teams zwei Spieltage vor Schluss noch die Chance Meister zu werden. Reims und Bordeaux hatten jeweils 45 Punkte, Lille 43 und Toulouse 41. Am vorletzten Spieltag konnte Toulouse Bordeaux 3:1 besiegen. Lille gewann in Reims 3:0.
Damit spitzte sich die Lage dramatisch zu. Reims war Tabellenführer mit 45 Punkten und einer Tor Differenz von +26. Bordeaux war zweiter mit einer Tor Differenz von+ 25. Lille hatte eine von +24. Toulouse war raus aus dem Rennen, weil Bordeaux und Reims am letzten Spieltag gegeneinander spielten. Dieses Spiel endete 0:0. Das bedeutete, dass Lille mit einem Heimsieg über Nancy Meister werden würde. Und mit einem 3:0 Sieg gelang ihnen das auch.
Im Kampf gegen den Abstieg mussten die letzten zwei direkt runter, der drittletzte in die Relegation. Vor dem letzten Spieltag stand Sete bereits als Absteiger fest. Drei Teams mussten noch den zweiten Absteiger und den Teilnehmer an der Relegation ausmachen. CO Roubaix Tourcoing hatte mit 26 Punkten die besten Karten, Stade Francias hatte 25 Punkte und Le Havre ebenfalls 25. CO Roubaix Tourcoing gewann am letzten Spieltag in Sochaux mit 1:0 und war gerettet.
Stade Francias konnte 4:1 in Monaco gewinnen und das reichte für die Relegation, Le Havre spielte 2:2 gegen Nizza und musste absteigen.
In der Relegation musste Stade Francias Paris ein Derby gegen Racing Paris spielen und zog am Ende nach einer 2 :1 Niederlage und einem 2:2 den kürzeren.
Torschützenkönig wurde Eduard Kargulewicz von Bordeaux mit 27 Toren.
Mit Heinrich Skiba lag auf Platz 8 auch ein deutscher, er traf 14 Mal für Monaco.
Zum Schluss noch das Finale um den französischen Pokal. Hier konnte sich Nizza 2:1 gegen Marseille durchsetzen. Nizza gegen durch Victor Nurenberg in Minute sechs in Führung und 5 Minuten später erhöhte Luis Carniglia auf 2:0. Marseille kam durch Anderson noch auf zwei zu eins heran, mehr aber nicht. Der Titel für Nizza hatte allerdings einen dunklen Schatten. Im Viertelfinale gegen Bordeaux stand es 0:0 und dann verweigerte der Schiedsrichter Bordeaux einen klaren Elfmeter. Während die Spieler von Bordeaux sich heftig beschwerten machte Nizza einfach das 1:0 und Bordeaux verließ den Platz.