VfR Rasensport Bulmke 1908 e.V.
| VfR Rasensport Bulmke 1908 e.V. | |
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| Name | VfR Rasensport Bulmke 1908 e.V. |
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| Vorsitz | |
| Gründung | 1908 |
| Aufgelöst | |
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Chronik
Die Geschichte des späteren Vereins für Rasensport 08 e. V. Gelsenkirchen begann im Jahr 1908. In einer Zeit, in der der Fußball in Teilen der Gesellschaft noch auf Vorbehalte stieß und die infrastrukturellen Voraussetzungen für den organisierten Sport nur schwach entwickelt waren, schlossen sich mehrere sportinteressierte Männer zusammen, um einen eigenen Fußballverein zu gründen. Zu den in der Vereinschronik genannten Gründungsmitgliedern gehörten unter anderem die Brüder Kohlrusch und Becker sowie Fritz Klostermann, Albert Leyk, Bernhard Kampschulte, Karl Strohband und Hemshorn. Der zunächst als „Sportverein Bulmke“ bezeichnete Verein nutzte die Gaststätte Mertens an der Kirchstraße als Vereinslokal und trug seine ersten Spiele auf den Wilms’schen Wiesen an der Bulmker Straße aus. Erster Vorsitzender war Fritz Klostermann. Bereits in der Anfangsphase konnten zwei Mannschaften für den Spielbetrieb aufgestellt werden.
Wie bei zahlreichen frühen Fußballvereinen stellte insbesondere die Beschaffung eines geeigneten Sportplatzes ein erhebliches Problem dar. Die Chronik berichtet von wiederholten Schwierigkeiten bei der Suche nach einer dauerhaft nutzbaren Anlage. Unter dem Vorsitz von Kuntemeier senior gelang es schließlich, einen Sportplatz am Bulmker Park zu erhalten. Damit verbesserten sich die Voraussetzungen für einen geregelteren Spielbetrieb und eine stärkere öffentliche Wahrnehmung des Vereins.
1911 wurde die Vereinsführung durch Otto Büttner verstärkt. Gemeinsam mit Hemshorn und weiteren Funktionären bemühte er sich um die organisatorische und sportliche Konsolidierung. Zur Einweihung des neuen Sportplatzes wurde eine Militärmannschaft aus Wesel eingeladen, was nach Darstellung der Vereinschronik für einen noch jungen Amateurverein ein vergleichsweise aufwendiges Ereignis darstellte. Neben solchen Freundschaftsspielen gewann zunehmend auch der reguläre Meisterschaftsbetrieb an Bedeutung.
Eine unmittelbare Aufnahme in den Westdeutschen Spielverband wurde dem Verein zunächst verweigert. Deshalb schloss er sich zunächst dem Emschertaler Spielverband an. Dort entwickelte sich die erste Mannschaft schnell zu einer sportlich erfolgreichen Formation. Zu ihr gehörten unter anderem Adolf Kohlrusch, Carasch, Krenz, Klostermann, Strohband, Kampschulte, Dziabel, Wirtz, August und Hermann Kohlrusch sowie Wilimski. Sowohl die erste als auch die zweite Mannschaft gewannen nach den Angaben der Chronik ihre jeweiligen Meisterschaften ohne Niederlage.
Der Erste Weltkrieg unterbrach diese frühe Aufwärtsentwicklung. Ein großer Teil der Vereinsmitglieder wurde zum Militärdienst eingezogen, wodurch ein geregelter Spielbetrieb kaum noch möglich war. Die in der Chronik verwendete heroisch-nationalistische Darstellung des Kriegseinsatzes ist als Ausdruck der zeitgebundenen Erinnerungskultur der Quelle zu verstehen und erlaubt keine sachliche Bewertung der individuellen Kriegserfahrungen der Mitglieder. Festzuhalten ist vor allem, dass der Krieg erhebliche personelle Verluste verursachte und die Vereinsarbeit weitgehend zum Erliegen brachte.
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges musste der Verein organisatorisch nahezu neu aufgebaut werden. Albert Leyk initiierte einen Aufruf an ehemalige und neue Mitglieder, woraufhin sich wieder genügend Spieler und Unterstützer für die Fortführung des Vereins fanden. Als neues Vereinslokal diente die Gaststätte Vorrath. Zunächst erfolgte der Anschluss an den Rheinisch-Westfälischen Spielverband. 1920 wurde der Verein schließlich in den Westdeutschen Spielverband aufgenommen. Diese Aufnahme war allerdings mit der Auflage verbunden, für ein Jahr keine Spieler aus benachbarten Vereinen zu übernehmen.
Sportlich verlief der Neubeginn erfolgreich. Bereits im ersten Jahr nach der Aufnahme in den Westdeutschen Spielverband gewann die erste Mannschaft ungeschlagen die Meisterschaft der C-Klasse. Auch die zweite Mannschaft errang einen Meistertitel. Für die Ermittlung des Bezirksmeisters musste die erste Mannschaft am 12. August 1920 auf neutralem Platz in Wanne gegen Westfalia Scherlebeck antreten. Die Begegnung dauerte nach Darstellung der Chronik einschließlich der notwendigen Verlängerungen drei Stunden und 17 Minuten und endete mit einem 4:3-Erfolg des Vereins. Zu dieser Mannschaft gehörten unter anderem Jenski, Bornemann, Kochmann, Hakenberg, Somplatzki, Littek, Kalwitzki, Becker, Leyk, Adler und Jesper.
Auch nach dem Aufstieg in die B-Klasse setzte sich die erfolgreiche Entwicklung fort. In der Saison 1921/22 blieb die erste Mannschaft erneut ungeschlagen und gewann die Meisterschaft. Nach dem anschließenden Aufstieg in die A-Klasse erreichte sie dort den zweiten Tabellenplatz. Zugleich verbreiterte sich die organisatorische Basis des Vereins. 1922 bestanden drei Senioren- und zwei Jugendmannschaften. Den Vereinsvorsitz hatte inzwischen Hans August übernommen, während Höhmann für die Jugendmannschaften verantwortlich war.
Das 15-jährige Vereinsbestehen im Jahr 1923 fiel in eine gesellschaftlich und wirtschaftlich schwierige Phase. Ruhrbesetzung, Inflation und Arbeitslosigkeit beeinflussten auch die Entwicklung der Sportvereine im Ruhrgebiet erheblich. Dennoch organisierte der Verein eine umfangreiche Sportwoche. In diesem Zusammenhang wurde unter anderem Union Oberschöneweide eingeladen, das damals zur erweiterten Spitze des deutschen Fußballs gehörte. Die eigene erste Mannschaft trat während der Sportwoche gegen mehrere regionale Gegner an, darunter SSS 96, Erle 08 und den SC Gelsenkirchen 07.
Parallel dazu entwickelte sich auch die Nachwuchsarbeit erfolgreich. In der Saison 1923/24 gewannen die Jugendmannschaften ihre Gruppe. Die erste Mannschaft spielte zwischen 1923 und 1926 in der A-Klasse und erreichte anschließend den Aufstieg in eine höhere Liga. Die sportliche Entwicklung mündete 1930 schließlich im Aufstieg in die 1. Bezirksliga. Für diese Mannschaft nennt die Chronik unter anderem Fröhlich, Kochmann, Marquardt, Litteck, Leyk, Ernst Adler, Kalwitzki, Dziabel, Bornemann, Emil Adler und Jesper.
Dieser sportliche Höhepunkt konnte jedoch nicht dauerhaft stabilisiert werden. Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise, zunehmende Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Unsicherheit belasteten nach Darstellung der Quelle sowohl die finanzielle Situation des Vereins als auch den inneren Zusammenhalt. Die Leistungen der ersten Mannschaft gingen zurück, Einnahmen und Mitgliederbindung verschlechterten sich, und 1932 führte eine Neuregelung der Spielklasseneinteilung zum Abstieg in die 2. Kreisklasse.
In dieser Phase verließen mehrere ältere oder enttäuschte Mitglieder den Verein. Zugleich blieb ein kleiner Kreis langjähriger Funktionäre und Spieler aktiv und stellte damit die organisatorische Kontinuität sicher. Die Chronik nennt in diesem Zusammenhang insbesondere Bernhard Kampschulte, Gustav Goretzki, August Kroh, Fritz Marquardt, Karl Kochmann und Bruno Luig. Aus der Darstellung geht hervor, dass der Verein spätestens zu Beginn der 1930er-Jahre unter der Bezeichnung „Verein für Rasensport 08“ geführt wurde. Ein konkreter Zeitpunkt der Umbenennung vom ursprünglichen „Sportverein Bulmke“ wird in der vorliegenden Quelle allerdings nicht eindeutig genannt.
Das 25-jährige Vereinsjubiläum wurde 1933 unter dem Vorsitz von Karl Kochmann begangen. Die Jubiläumswoche umfasste unter anderem Spiele gegen SSS 96, eine verstärkte Reservemannschaft des FC Schalke 04, Hüllen 07 und die SpVgg Röhlinghausen. Gleichzeitig blieb die wirtschaftliche Situation infolge der weiterhin hohen Arbeitslosigkeit angespannt.
Die Darstellung dieses Zeitraums in der überlieferten Chronik ist deutlich von nationalsozialistischer Propagandasprache geprägt. Insbesondere die nationalsozialistische Machtübernahme 1933 wird dort als vermeintliche „Befreiung“ dargestellt. Eine solche Bewertung entspricht der politischen Ideologie des NS-Regimes und ist für eine sachliche historische Darstellung nicht zu übernehmen. Vielmehr ist festzuhalten, dass seit 1933 auch der organisierte Sport in Deutschland einer weitreichenden politischen Gleichschaltung unterworfen wurde. Die Quelle selbst liefert allerdings nur begrenzte Informationen darüber, wie sich dieser Prozess konkret auf die inneren Strukturen des Vereins auswirkte.
Sportlich gelang 1935 die Meisterschaft und damit der Aufstieg in die 1. Kreisklasse. Bereits ein Jahr später folgte jedoch der erneute Abstieg in die 2. Kreisklasse. Auf der Generalmitgliederversammlung 1936 traten Wilhelm und Karl Dudek dem Verein bei. Karl Dudek übernahm anschließend die Vereinsführung. In der Quelle wird er ausdrücklich als Mitglied der NSDAP bezeichnet. Über seine konkrete politische Tätigkeit oder die Auswirkungen seiner Parteizugehörigkeit auf das Vereinsleben enthält die Chronik keine weiterführenden Angaben.
Unter der neuen Vereinsführung gelang der ersten Mannschaft in der Saison 1936/37 erneut eine erfolgreiche sportliche Entwicklung. Die Mannschaft blieb in ihrer Gruppe ungeschlagen und gewann die Gruppenmeisterschaft. Zu ihr gehörten Schoppmann, Gabsky, Dziwack, Fuhrländer, Wernikowski, H. Fröhlich, Weituschat, Nowinski, W. Meinert, Waldhöfer und Rhode. Gleichzeitig wurde auch die erste Jugendmannschaft unter Jugendwart Theo Klostermann Gruppenmeister. Mit dem anschließenden Aufstieg in die 1. Kreisklasse erreichte die erste Mannschaft dort einen gesicherten Mittelfeldplatz.
Die abschließenden Passagen der überlieferten Chronik machen besonders deutlich, dass der Text selbst in der Zeit des Nationalsozialismus entstand beziehungsweise stark von dessen Ideologie beeinflusst wurde. Die dort formulierten Erziehungsziele für die Vereinsjugend werden ausdrücklich mit nationalsozialistischen Vorstellungen von „Volksgemeinschaft“, Männlichkeit und politischer Loyalität verbunden und mit einem Bezug auf Adolf Hitler abgeschlossen. Diese Aussagen sind daher nicht als zeitloses Selbstverständnis des Vereins zu interpretieren, sondern als Ausdruck der politischen und sprachlichen Gleichschaltung des gesellschaftlichen Lebens während der NS-Diktatur.
Insgesamt lässt sich die Entwicklung des Vereins für Rasensport 08 in den ersten drei Jahrzehnten seiner Geschichte in mehrere Phasen gliedern. Die Jahre nach der Gründung 1908 waren zunächst durch den Aufbau grundlegender organisatorischer und infrastruktureller Strukturen gekennzeichnet. Wie bei zahlreichen frühen Fußballvereinen standen insbesondere die Suche nach einem Sportplatz, die Finanzierung der notwendigen Ausrüstung und die Aufnahme in einen regulären Spielverband im Mittelpunkt.
Die Zeit unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg brachte erste sportliche Erfolge. Der Beitritt zum Emschertaler Spielverband ermöglichte einen geregelten Meisterschaftsbetrieb, in dem sowohl die erste als auch die zweite Mannschaft erfolgreich waren. Der Erste Weltkrieg unterbrach diese Entwicklung und führte zu erheblichen personellen Verlusten.
Der Wiederaufbau nach 1918 verlief bemerkenswert schnell. Mit der Aufnahme in den Westdeutschen Spielverband 1920 begann eine sportlich besonders erfolgreiche Phase. Mehrere aufeinanderfolgende Meisterschaften führten die erste Mannschaft von der C- über die B- bis in die A-Klasse. Parallel dazu entstanden mehrere Senioren- und Jugendmannschaften, sodass sich der Verein auch organisatorisch verbreiterte.
In den 1920er-Jahren etablierte sich der Verein zunehmend innerhalb des Gelsenkirchener Fußballs. Der Aufstieg in die 1. Bezirksliga im Jahr 1930 stellte den sportlichen Höhepunkt dieser Entwicklung dar. Gleichzeitig wurde jedoch deutlich, wie stark ein Amateurverein von den allgemeinen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen abhängig war. Weltwirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit führten zu finanziellen Problemen, Mitgliederverlusten und einem sportlichen Rückgang.
Die 1930er-Jahre waren schließlich sowohl von sportlichen Schwankungen als auch von den politischen Veränderungen nach der nationalsozialistischen Machtübernahme geprägt. Zwar gelang 1935 und erneut 1936/37 ein sportlicher Wiederaufstieg, doch zeigt die Sprache der Vereinschronik zugleich, dass die nationalsozialistische Ideologie zunehmend in die vereinsinterne Selbstdarstellung eindrang. Gerade deshalb muss die Quelle für diesen Zeitraum kritisch gelesen werden.
Die frühe Geschichte des Vereins für Rasensport 08 ist somit nicht nur eine Abfolge sportlicher Auf- und Abstiege. Sie dokumentiert zugleich die Entwicklung des organisierten Fußballs in einem industriell geprägten Gelsenkirchener Stadtteil, die Bedeutung ehrenamtlicher Vereinsarbeit, die Entstehung einer eigenen Nachwuchsstruktur sowie den Einfluss von Krieg, wirtschaftlichen Krisen und politischer Diktatur auf einen lokalen Sportverein. Besonders die nationalsozialistisch geprägten Passagen der Chronik verdeutlichen dabei, dass Vereinsquellen nicht nur Informationen über sportliche Ereignisse vermitteln, sondern zugleich die politischen und gesellschaftlichen Deutungsmuster ihrer jeweiligen Entstehungszeit widerspiegeln.
Saisonstationen
| Saison | Liga | Platz | gespielt | gewonnen | unentschieden | verloren | Tore | Punkte |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1922/1924 | Emscher Kreisliga | 08 | ?? | ?? | ?? | ?? | ??-?? | ?? |
| 1924//1926 | 2.Bezirksklasse Emscher Kreis, Gruppe Gelsenkirchen | 04 | 22 | 11 | 5 | 6 | 66-40 | 27-17 |
| 1927/1928 | 2.Bezirksklasse Gelsenkirchen | ?? | ?? | ?? | ?? | ?? | ??-?? | ?? |
| 1929/1930 | 2.Bezirksklasse Wattenscheid/Wanne | 06 | 18 | 8 | 2 | 8 | 32-36 | 18-18 |
Persönlichkeiten
Weblinks
Einzelnachweise