Fussballjahr 1903/04
Ich habe eine neue Folge meiner Serie aller Fußballsaisons seit 1903 für euch und heute sind wir in der Saison 1903/1904. Heute reden wir über ein abgesagtes Endspiel und die seltsame Geschichte eines Vereins aus Madrid der fast kampflos spanischer Meister geworden wäre. Beginnen wir wie immer in Deutschland. 1904 fand die zweite Meisterschaft statt. Und nachdem im Vorjahr nur sechs Vereine teilgenommen hatten, waren es dieses Mal immerhin schon acht. Titelverteidiger VfB Leipzig war natürlich wieder dabei. Genauso wie der Karlsruher FV, der im Vorjahr gescheitert war, weil es vom Gegner aus Prag ein gefälschtes Telegramm gab, das angeblich vom DFB war, wo das Spiel der beiden abgesagt worden war. Ebenfalls dabei der Duisburger SpV. Das ist ein Verein Komma den es bis Mitte der 60er Jahre gab, und der durchaus erfolgreich war, insgesamt gewann man zehn Mal die westdeutsche Meisterschaft. Dann gab es den Casseler FC, der später SV Kurhessen Kassel hieß. Nach dem zweiten weltkrieg sollte dieser Verein in die SG Kassel Süd aufgehen, aus der sich dann der heutige KSV Hessen Kassel bildete. Ebenfalls dabei war der ARBV Hannover das stand für akademischer Ruder und ballspielverein. Dann haben wir den SC Germania Hamburg, die am 2 juni 1919 mit dem Hamburger SV von 1888 fusionieren sollte, zum heutigen HSV. Der heutige HSV sieht sich ja als 1887 gegründet, eigentlich ist damals nur die Germania gegründet worden. Wie schon im Vorjahr war die Magdeburger Viktoria dabei und zu guter Letzt der Berliner TuFC Britannia 92. Diesen Verein gibt es übrigens heute noch er heißt heute Berliner SV 1892. In anderen Sportarten ist man auch durchaus erfolgreich, man war zum Beispiel dreimal deutscher Handballmeister. Im viertelfinale gewann die Germania aus Hamburg 11:0 gegen Hannover, Leipzig mühte sich zu einem 1:0 über Magdeburg und Duisburg besiegte Kassel 5 :3. Und dann gewann noch Berlin mit 6:1 gegen Karlsruhe. Diese Niederlage sollte noch Folgen haben, denn Karlsruhe legte beim DFB Protest gegen die Meisterschaft ein, der DFB hatte nämlich die Ausschreibungsgemäße Ansetzung der Endrunde spiele an neutralem Orte nicht eingehalten und die Badener sagten, sie haben nur verloren, weil das Spiel in Berlin stattfand und viele ihrer Spieler keinen Urlaub dafür bekommen hatten. Doch zunächst mal das Halbfinale, Berlin gewann gegen Hamburg mit 3:1 und Leipzig setzte sich nach Verlängerung gegen Duisburg mit 3:2 durch. Das Endspiel sollte also am 22 Mai 1904 VfB Leipzig gegen BTuFC Britannia lauten. Geplant war, dass man in Kassel spielte, doch der DFB veranstaltete an diesem Tag auch seinen Bundestag in Kassel und entschied sich dem Protest der Karlsruher Recht zu geben und die komplette Meisterschaft zu annullieren und das Endspiel abzusagen. Es gab also keinen deutschen Meister 1904. In England verteidigte The Wednesday seinen Titel, sie hatten am Ende drei Punkte Vorsprung auf Aufsteiger Manchester City, der sich aber den FA Cup sicherte. Absteigen musste damals ein großer Club, der FC Liverpool musste runter. Endlich hatte man darauf verzichtet, dass man für eine abwählen kann und die Entscheidung über Auf- und Abstieg rein sportlich getroffen. Wer die Entscheidung in Deutschland 1904 schon kurios fand, der wird die in Spanien noch mehr verwunderlich finden. Erneut sollte die spanische Meisterschaft in der Copa del Rey ausgetragen werden, und fünf Teams sollten teilnehmen. Athletic Bilbao war automatisch als Titelverteidiger für das Finale gesetzt. In der ersten Runde gewann Moncloa 4:0 gegen Iberia. Dann gab es ein Spiel zwischen dem Club Espanol de Madrid und Madrid Moderno. Dieses Spiel endete 5:5. Beide Kapitäne entschieden sich, dass es keine Verlängerung geben sollte. Club Espanol wollte gleich am nächsten Tag ein wiederholungsspiel austragen, Madrid Moderno war der Meinung, dass das laut Statuten gar nicht möglich wäre und trat am nächsten Tag nicht an, der Präsident des Fußballverbandes von Madrid, der rein zufällig auch Präsident von Club Espanol war, erklärte Espanol zum Sieger. So sollte es im Halbfinale zum Duell zwischen Club Espanol und Moncloa kommen. Der Sieger sollte das Recht haben, Athletic Bilbao im Endspiel herauszufordern. Beim Stand von 1 zu 0 gab es eine schwere Verletzung von Hermua, einem Spieler von Espanol. Das Spiel wurde abgebrochen und der Präsident des Madrider Fußballverband, der wie schon erwähnt auch Präsident von Club Espanol war setzte ein wiederholungsspiel für den 30 März an, doch Moncloa war damit nicht einverstanden und so erklärte unser Präsident erneut seinen Verein kampflos zum Sieger. Es sollte noch kurioser werden, denn dieses wiederholungsspiel war für den 30 März angesetzt, für den gleichen Tag war aber auch das eigentliche Endspiel angesetzt. Und das kann man durchaus wieder als eine Finte unseres Präsidenten erkennen, denn ursprünglich sollte das Finale schon am 27 März stattfinden, das würde aber erst am 26 März geändert, und damals gab es ja kein Internet oder so etwas und deshalb konnte den Bau gar nicht so schnell von dieser Verlegung erfahren, und trat so am 30 März nicht an. Und was macht unser Präsident? Na klar er erklärt zum dritten Mal in Folge seinen Verein kampflos zum Sieger und damit zum Meister. Doch diesmal hatte er die Rechnung ohne den Wirt gemacht der spanische Verband griff ein und sprach Athletic Bilbao den Titel zu. Club Espanol sollte übrigens schon 1911 aufgelöst werden. In Italien gab es zunächst ausscheidungsspiele darum, wer Meister CFC Genua herausfordern durfte, Juventus gewann zunächst gegen den FC Torinese. Dieser fusionierte 1900 mit einem anderen Turiner Verein, einige Spieler gingen dann aber 1906 zu Juventus, einige andere gründeten daraufhin aus Protest den FC Turin. Im Halbfinale traf die Juventus auf den AC Mailand nach einem eins zu eins im ersten Spiel gewann Juventus das wiederholungsspiel mit 3:0. So durfte Juve im Finale gegen den CFC Genua am 27 März 1904 in Genua an und das Spiel endete mit dem italienischsten aller Ergebnisse. Es gab ein 1:0 für den CFC. Beschrieben ist, dass Etienne Bugnion , ein Schweizer Verteidiger in der 65 minute mit einem traumtor bei starkem Rückenwind für den Sieg seines Teams sorgte. Zu guter letzt noch der Blick nach Frankreich, RC Roubaix könnte seinen Titel mit einem 4:2-sieg über United Sports club Paris verteidigen