Fussballjahr 1909

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Hallo Leute und herzlich willkommen zur einer neuen Folge meiner Serie Fußball History. Wir befinden uns im Jahr 1909. Heute lernen wir einen neuen Deutschen Meister kennen, die Nationalmannschaft bestreitet zwei Spiele an einem Tag und wir schauen natürlich auch wieder ins Ausland. Beginnen wir wie immer mit der Deutschen Meisterschaft, im Jahr 1909 gab es acht Teilnehmer. Vier davon waren schon früher mal dabei gewesen das waren der VfB königsberg, der SC Alemannia Cottbus, die Berliner TuFC Viktoria und der Altonaer FC. Neu dabei war der TuFC Tasmania Rixdorf. Aus diesem Verein entstand später der SC Tasmania 1900 Berlin, der eine Saison in der Bundesliga spielte und dabei das schlechteste Bundesliga Team aller Zeiten war. 1973 wurde der Verein aufgelöst, es wurde allerdings ein neuer Verein gegründet, nämlich der SV Tasmania Berlin, der heutzutage in der Oberliga Nordost spielt. Ebenfalls zum ersten Mal dabei war der SC Erfurt 1895. Diesen Verein gab es bis zum Ende des zweiten Weltkrieges und der FC Rot-Weiß Erfurt beruft sich durchaus auf die Tradition des SC Erfurt. Dann gab es den FC München Gladbach. Und nein das ist kein Schreibfehler, früher wurde die Stadt Mönchengladbach einfach so geschrieben. Der FC München Gladbach. Dieser Verein machte abgesehen von der einmaligen Teilnahme an der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft nie mehr großartig von sich reden, einmal scheiterte man an der aufstiegsrunde zur gau-liga, aber spätestens nach dem zweiten weltkrieg Stütze der Verein ab und 1950 fusionierte er zusammen mit dem Rivalen Eintracht München Gladbach zum 1 FC München Gladbach, der mittlerweile der 1. FC Mönchengladbach ist. Dieser Verein spielt in der bezirksliga und steht in Mönchengladbach natürlich klar im Schatten der Borussia. Der letzte neue war der FC Phönix Karlsruhe. Dieser Verein stürzte nach dem zweiten weltkrieg ziemlich ab und 1952 fusionierte er mit dem VfB Mühlburg zum Karlsruher SC. Der KSC sieht sein Gründungsdatum als den 6 juni 1894, was aber eigentlich nur das Gründungsdatum des Karlsruher FC Phönix ist. Den KSC in seiner heutigen Form gibt es erst seit dem 16 Oktober 1952. Im Viertelfinale gewann Karlsruhe in Duisburg 5:0 gegen München Gladbach. Altona setzte sich vier zu zwei in Braunschweig gegen Tasmania Rixdorf durch. Die Berliner TuFC Viktoria gewann 12:1 in Königsberg gegen königsberg. Und Erfurt setzte sich in Leipzig 4:3 nach Verlängerung gegen Alemannia Cottbus durch. Auch im Halbfinale ließen es die Berliner krachen. 7:0 in Berlin gegen Altona. Doch Karlsruhe gewann sogar noch höher in Frankfurt gab es einen 9:1 über Erfurt. Das besondere am Sieg der Berliner war allerdings, dass er so hoch aus will obwohl die Berliner schon nach 21 Minuten einen Platzverweis gegen Otto Dumke hinnehmen mussten. Das Finale stieg am 30 Mai 1909 vor 1500 Zuschauern in Breslau. Die Berliner gingen in der 16. Minute durch Willi Worpitzky in Führung. Doch die Badener drehten noch vor der Pause das Spiel, erst traf Arthur Beier in der 30. Minute, dann Wilhelm Noë 4 Minuten später. Bei Arthur Beier muss man leider wieder sagen, sein Leben endete viel zu früh, er starb bereits im Alter von 36 Jahren 1917 im Krieg. Der langjährige Vorsitzende von Phönix Karlsruhe Karl Wegele schrieb über ihn, im Spiel ein großartiger feldherr und vorzüglicher Soldat in einem, als Mensch von vorbildlichem Charakter, war er zur Führung berufen. Nach der Pause erhöhte Hermann Leibold in der 55 Minute auf 3:1 und 10 Minuten später sorgte Wilhelm Noë mit seinem zweiten Tor für das 4:1. Den Berlinern gelangen nur noch ein wenig Ergebniskosmetik, Helmut Röpnack verkürzte in der 83 Minute auf 4:2. Karlsruhe war Meister. Torschützenkönig war offiziell Willi Worpitzky mit sieben Toren. Ich sage deshalb offiziell weil beim ersten Spiel der Berliner, dass sie 12:1 gegen Königsberg gewonnen hatten, einige Torschützen nicht mehr bekannt sind und es ist zumindestens möglich, dass Helmut Röpnack so insgesamt mehr Tore gehabt haben könnte als sein Teamkollege. Offiziell hat er einen Treffer weniger, also es ist nicht so ganz klar es wird sich aber auch nie wieder klären lassen. Die Nationalmannschaft bestritt im Jahr 1909 drei Spiele. Zunächst gab es erstmal eine üble Abreibung gegen England, in Oxford setzte es ein 0:9. Cyril Dunning und Thomas Porter trafen an jenem 13 März 1909 vor 6000 Zuschauern jeweils dreimal. Bis heute ist es die höchste Niederlage in der Geschichte der deutschen Nationalmannschaft. Am 4 April bestritt Deutschland dann zwei Testspiele an einem Tag, zum einen in Budapest gegen Ungarn, dort gab es ein 3:3, zum anderen ein Spiel gegen die Schweiz dieses konnte mit 1:0 gewonnen werden. Dieses Spiel fand in Karlsruhe statt und war der erste Sieg einer deutschen Nationalmannschaft, Eugen Kipp von den Sportfreunden Stuttgart sorgte für das Tor des Tages. Die Sportfreunde Stuttgart gibt's übrigens heute noch, allerdings spielt der Club nur in der Kreisliga. In England holte sich Newcastle United den Titel. Die Magpies hatten sieben Punkte Vorsprung auf den FC Everton. Den Pokal gewann Manchester United die in der Liga als Meister aber nur auf Platz 13 landeten. Bret Freeman wurde Torschützenkönig er spielte für den FC Everton. Freeman konnte 38 Tore schießen. Ganz eng war es im abstiegskampf, Manchester City musste am Ende wegen zwei Toren absteigen. In Spanien nahmen in diesem Jahr immerhin mal fünf Teams an der Meisterschaft teil, im Vorjahr waren es ja nur zwei. Dabei waren der FC Barcelona, Athletic Bilbao, Espanol de Madrid, Galicia FC und Club Ciclista de San Sebastian. Der letztgenannte ist niemand geringeres als Real Sociedad San Sebastian. San Sebastian hatte sich erst kurz vor dem Turnier angemeldet, und dafür umbenannt, denn eine Anmeldung unter dem Namen San Sebastian FC wäre gescheitert, da dieser Club nicht registriert war. Es gab zunächst mal am 4 April 1909 ein Ausscheidungsspiel, dabei besiegt es San Sebastian den baskischen Rivalen Athletic Bilbao 4:2. George McGuiness konnte drei Tore schießen. Kurios: der Schiedsrichter war Manuel Yarza und damit ein Spieler von Espanol de Madrid. Im Halbfinale setzte sich Espanol de Madrid 3:2 gegen Barcelona durch. Antonio Neyra machte alle drei Tore und San Sebastian besiegte Galicia 2:0. Diesmal traf George McGuiness doppelt. Das Finale fand am 8 April 1909 in Madrid statt. San Sebastian setzte sich mit 3:1 durch, McGuiness brachte sein Team in Führung und Charles Simmons erhöhte dann. Jose Giralt verkürzte für Madrid, ehe Miguel Sena die Entscheidung brachte. Es gibt aber auch einen sehr traurigen Aspekt. Sowohl George McGuiness als auch Charles Simmons sollten kein langes Leben haben. McGuiness starb im ersten Weltkrieg 1916 im Alter von 29 Jahren und Charles Simmons verstarb bereits im Juli 1911 an einer Krankheit, es ist nicht ganz genau bekannt welche Krankheit es war, aber er wurde nur 30 Jahre alt. Einen Aspekt finde ich noch interessant, baskische Vereine in erster Linie Bilbao aber in gewisser Weise auch San Sebastian sind ja sehr stolz auf ihre baskische Herkunft hier ist es interessant dass der Titel von San Sebastian zwei Engländern zu verdanken war. Schauen wir nach Italien. In diesem Jahr nahmen 9 Vereine Teil. Das waren der CFC Genua die SG Andrea Doria der AC Mailand Inter Mailand der US Milanese, Juventus Turin, SG Pro Vercelli, der FC Turin und der AC Venedig. Zunächst gab es Ausscheidungsspiele, der CFC Genua setzte sich nach zwei Unentschieden im Wiederholungsspiel gegen Andrea Doria durch. In der Lombardei wurde nach dem Modus jeder gegen jeden gespielt, der AC Mailand gewann das Derby gegen Inter mit 3:2, unterlag dann aber dem US Milanese 3:1. Milanese setzte sich dann auch noch 2:0 gegen Inter durch und qualifizierte sich. In Piemont musste zunächst Juventus gegen den FC Turin ran, der FC Turin setzte sich aufgrund der Auswärtstore durch. Dadurch durch der FC Turin gegen Pro Vercelli ran, verlor aber beide Spiele. Der AC Venedig war als einziger Teilnehmer seiner Region automatisch dabei. Im Halbfinale verprügelte Milanese Venedig und gewann die Spiele mit 7:1 und 11:2. Pro Vercelli setzte sich knapp mit 3:2 und 1:1 gegen Genua durch. Im Finale gewann Pro Vercelli das Hinspiel 2:0 durch einen Doppelpack von Annibale Visconti. Im Rückspiel gab es ein 2:2 und Pro Vercelli war zum zweiten Mal Meister. Und zu guter Letzt so wie ihr es gewohnt seid noch der Blick nach Frankreich. 1909 gab es drei verschiedene französische Meister und wir haben ja schon mehrfach festgestellt, dass das mit dem französischen Meister immer ein bisschen kompliziert ist, aber 1909 war dann noch mal anders wild. In der USFSA holte sich Stade Helvetique Marseille den Titel, indem man 3:2 gegen CA Paris gewinnen konnte. In gewisser Weise fiel dieser Verein der in den frühen Jahren des 20 Jahrhunderts durchaus erfolgreich war, dem Krieg zum Opfer, denn im ersten Weltkrieg stellten fast alle französischen Clubs den Spielbetrieb ein und dieser Verein wurde einfach nicht wiederbelebt. In der FGSPF holte sich Bons Gars Bordeaux den Titel. In der FCAF gewann Star Club Caudrésien den Titel. Und dann sollte noch ein gemeinsamer Meister ausgespielt werden, wie gesagt sollte. Doch Bordeaux und Caudrésien waren die Fahrten zu weit und Marseille beteiligte sich sowieso nicht daran, und so wurde der Titel einfach JA Saint Ouen, die überhaupt nicht qualifiziert waren gegeben. Einen wirklichen Sinn dahinter gab es nicht aber wie gesagt eigentlich bis Anfang der 30er Jahre war das komplett wild was man da in Frankreich gemacht hat.