Fussballjahr 1914

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Auch heute schauen wir wieder nach Deutschland, auf die Nationalmannschaft, nach England, Italien, Spanien und Frankreich. Wir sind im Jahr 1914 und das ist das Jahr in dem der erste Weltkrieg ausbrechen sollte. Auf den Fußball hatte es im Jahr 1914 noch nicht so große Auswirkungen, das war dann eher so ab 1915 und diesbezüglich werde ich dann morgen eine Folge machen, wo ich die Jahre des ersten Weltkrieges aus fußballerischer Sicht etwas zusammenfassen werde, ab Mittwoch geht es dann weiter mit der Saison 1919/1920. Aber jetzt erstmal ab ins Jahr 1914. 1914 nahmen 8 Teams an der Deutschen Meisterschaft teil. 6 davon waren schon früher mal dabei. Das waren der SV Prussia Samland Königsberg, der FC Askania Forst, die SpVgg 1899 Leipzig Lindenau, der VfB Leipzig, der Altonaer FC und der Duisburger SpV. Die beiden Neulinge waren die Spielvereinigung Fürth, ganz wichtig ist zu sagen, der Name war damals noch Spielvereinigung Fürth und nicht Spielvereinigung Greuther Fürth oder Greuther Fürth. Dieser Beiname ist erst durch eine Fusion entstanden, als man sich mit dem TSV Vestenbergsgreuth zusammen schloss. Der TSV hatte übrigens Anfang der 90er mal ein großes Highlight, als man den FC Bayern aus dem DFB-Pokal werfen konnte. Der zweite Neuling war der Berliner BC. Dieser Verein entstand aufgrund einer Abspaltung vom BFC Preußen. Hintergrund war dass der BFC Preußen seinen Spielern keine finanzielle Entschädigung bezahlen wollte und deshalb spalteten sich einige Mitglieder ab und gründeten den Berliner BC. 1921 fusionierte man mit dem SV Brandenburg zum BBC Brandenburg und spaltete sich später wieder ab. Was nach 1926 mit dem Verein passiert ist ist nicht so wirklich bekannt, heute existiert der Verein jedenfalls nicht mehr. Im Viertelfinale gewann der VfB Leipzig in Königsberg 4:1. Fürth setzte sich bei der Spielvereinigung Leipzig mit 2:1 durch. Der Berliner BC besiegte Askania Forst 4:0 und Duisburg gewann nach Verlängerung in Essen gegen Altona 4:1. Interessant ist noch zu erwähnen, dass der Kapitän von Berlin Alfred Birlem war. Er sollte nach seiner aktiven Karriere auch noch Schiedsrichter werden. Bei ihm gab es allerdings auch eine Sache die zu erwähnen ist, er ist schon 1933 in die NSDAP eingetreten. Jetzt muss man das ja finde ich immer ein bisschen differenzieren, es gab sicherlich eine Zeit wo es fast nicht mehr möglich war nicht mehr in die NSDAP zu gehen und wo es vielleicht auch nicht immer unbedingt fair ist jemand das vorzuwerfen, aber es gab auch eine Zeit da musste man das vielleicht noch nicht unbedingt. Und 1933 war eher noch so dass man es nicht unbedingt hätte tun müssen. Im Halbfinale konnte sich Fürth gegen Berlin zu Hause mit 4:3 nach Verlängerung durchsetzen. Im anderen Halbfinale gewann Leipzig ebenfalls zu Hause 1:0 gegen Duisburg. Das Spiel im Frankenland war ein Drama. Schon nach 10 Minuten mussten die Berliner den Verlust ihres Verteidigers Paul Wiesner hinnehmen, der eine Beinfraktur erlitt. Dennoch schafften sie es mit 2 zu 0 in Führung zu gehen kassierten aber den Ausgleich. Das Spiel gegen in die Verlängerung und die Franken gingen in Front, doch die Berliner kämpften sich erneut zurück und glichen aus. Am Ende war es Karl Franz in der 146 Minute der den Sieg für Fürth sicherte. Das Finale zwischen Fürth und dem VfB Leipzig fand in Magdeburg statt. Es war der 31 Mai 1914 vor 6000 Zuschauern. Karl Franz sorgte in der 17 Minute für die Führung für sein Team. Doch die Sachsen kamen durch Eduard Pendorf zum Ausgleich. Es ging in die Verlängerung, Frigyes Weicz brachte die Franken erneut in Führung, doch wieder konnte Leipzig ausgleichen diesmal durch Curt Hesse. In der 138 minute bekam dann Hans Schmidt auf Seiten von der Spielvereinigung Fürth die Rote Karte, doch Karl Franz sorgte in der 154 Minute für die Entscheidung und den Meistertitel für Fürth. Doch leider endet diese Geschichte nicht mit einem Happy End. Karl Franz, der vielleicht erste große Fußballheld des Frankenlandes sollte nur noch etwas mehr als drei Monate zu leben haben. Er wurde im ersten Weltkrieg eingezogen und starb am 4 September 1914. Auch der andere Torschütze der Fürther Frigyes Weicz sollte den ersten Weltkrieg nicht überleben, er starb 1915. Auf Seiten der Leipziger starb Torwart Johannes Schneider im ersten Weltkrieg. Die Nationalmannschaft spielte 1914 nur einmal, am 5 April gab es 4:4 in Amsterdam gegen Holland. Dies beendete eine Serie von sieben Niederlagen in Serie. Das nächste deutsche Länderspiel sollte es erst am 27 juni 1920 geben. In England holte sich Blackburn die Meisterschaft mit sieben Punkten Vorsprung auf Aston Villa. Für die Rovers war es die zweite Meisterschaft der Geschichte und bis zur dritten sollten 81 Jahre vergehen. Torschützenkönig wurde George Elliott vom FC Middlesbrough. Er konnte 32 Tore schießen. Der FC Burnley besiegte den FC Liverpool im FA Cup Finale mit 1:0. In Spanien wurde der Titel nach wie vor in der Copa del Rey gespielt. Fünf Teams sollten teilnehmen, das waren Real Vigo ( heute Celta Vigo), der FC España, Sociedad Gimnastica Espanola, Athletic Bilbao und Sevilla Balompie. Letztgenannte verzichteten aber. Sevilla Balompie ist übrigens heute Real Betis Sevilla. Man hatte Hin und Rückspiel eingeführt im Halbfinale. Athletic Bilbao machte kurzen Prozess mit Vigo. 11:0 und 3:3. Beim 11:0 traf Pichichi viermal. Deutlich spannender war es zwischen España und Gimnastica. España hatte das Hinspiel mit 1 zu 0 gewonnen, im Rückspiel gab es ein 1:1. Das reichte España. Das Finale fand am 10 Mai 1914 statt und zwar in Irun. Bilbao siegte mit 2:1 Severino Zuazo wurde mit zwei Toren zum Helden seines Teams. Obwohl er erst 25 war, beendete er mit diesem Spiel seine Karriere. In Italien wurde wieder zuerst ein Süd- und ein Nordmeister gesucht. Zunächst wurden im Norden regionale Ligen gegründet. Das waren insgesamt drei Stück und die beiden besten jeder Liga qualifizierten sich für die Finalrunde um die norditalienische Meisterschaft. In Piemont und Ligurien gab es zehn Teams. Die SG Sampierdarenese. Dieser Verein sollte 1946 mit Andera Doria zu Sampdoria Genua werden. Dann gab es Vigor Torino, Savona, Piemonte FC, SG Andrea Doria, US Alessandria, FC Turin, SG Pro Vercelli, CFC Genua und FBC Casale. Überraschenderweise konnte sich Pro Vercelli, das über Team der letzten Jahre nicht für die Endrunde qualifizieren. Es reichte nur zu Platz drei. Casale und CFC Genua waren jeweils einen Punkt stärker und zogen in die Endrunde ein. In Piemont und Lombardei gab es ebenfalls zehn Teams. AC Milanese, FC Como, FC Juventus Italia, Racing Libertas Milano, Nazionale Lombardia, FC Novara, US Milanese, AC Mailand, Juventus Turin und Inter Mailand. Juve und Inter zogen in die Finalrunde ein. Inter konnte in 18 Spielen unfassbare 91 Tore schießen. Die letzte Region war Lombardei Venetien Emilia Romangna. Hier gab es nur 9 Teams. Der AC Udinese, Volontari Venedig, Petrarca Padua, FC Brescia, Bologna, SSC Venedig, Hellas Verona und Vicenza Calcio. Die beiden letzten setzten sich punktgleich durch. In der Finalrunde konnte sich Casale den Titel vor dem CFC Genua sichern. Hellas Verona verlor alle zehn Spiele. Im Süden lief es etwas anders. Es gab auch hier drei Regionen, zwei davon spielten ebenfalls eine Liga und eine bestand nur aus zwei Mannschaften, wo es einfach hin und Rückspiel gab. In Latium gab es sechs Teams, die in einer Liga spielten, allerdings sollte sich nur der Meister für die nächste Runde qualifizieren. Die Teams waren Pro Roma, Forttitudo Roma, Audance Roma, Juventus Audax Roma, Roman und Lazio Rom. Lazio konnte alle zehn Spiele gewinnen und hatte eine Tordifferenz von 52:5. In der Toskana gab es acht Teams. AC Prato, AS Lucchese Libertas, SC Pisa, Italia Firenze, Libertas Firenze, Virtus Juventusque, CS Firenze und SPES Livorno. Livorno wurde ungeschlagen Meister. In Kampanien spielt nur der FC Naples und Internazionale Napoli. Beide sollten später gemeinsam zum SSC Neapel werden. Hier setzte sich aber Internazionale mit 1:1 und 2:1 durch. In der Finalrunde musste zunächst Lazio gegen Livorno spielen und konnte beide Spiele gewinnen. Im Duell um die süditalienische Meisterschaft besiegte Lazio dann Napoli 8:0 und 1:0. Das Finale wurde in hin- und Rückspiel zwischen Lazio Rom und Casale FBC gespielt. Casale gewann schon das Hinspiel mit 7:1. Auch das Rückspiel konnte mit 2:0 gewonnen werden. Casale wurde zum ersten und einzigen Mal italienischer Meister. Den Verein gibt es heutzutage übrigens noch, allerdings ist er bis in die fünfte Liga abgestürzt. Und wie ihr es gewohnt seid zum Schluss der Blick nach Frankreich. In Frankreich gab es in diesem Jahr vier verschiedene Meister. In der USFSA holte sich Olympique Lillois durch ein 3:0 gegen Olympique Cette den Titel. Olympique Lillois heißt übrigens heute OSC Lille . Olympique Cette ist heute der FC Sete. In der FGSPF gewann Patronage Olier Paris Arcueil den Titel. In der FCAF war VGA du Médoc Bordeaux erfolgreich. In der LFA setzte sich FCE Levallois durch. Olympique Lillois holte sich dann den gesamt französischen Titel aller vier Verbände durch ein 4:1 gegen VGA Médoc Bordeaux.