Fussballjahr 1935

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Hallo leute! Wir befinden uns im Jahr 1935. Und heute haben wir eine kleine Premiere, denn wir schauen nicht nur auf die Meisterschaft in Deutschland, die Nationalmannschaft, sowie die Meisterschaften in England, Spanien, Italien und Frankreich, wir schauen auch zum ersten Mal auf den deutschen Pokal. Beginnen wir doch gleich mal mit der Deutschen Meisterschaft. Erneut waren 16 Teams dabei, 12 waren früher schon mal dabei. Das waren der Stettiner SC, Hertha BSC Berlin Vorwärts Rasensport Gleiwitz, der PSV Chemnitz, der 1. SV Jena, der Eimsbütteler TV, Hannover 96, der FC Schalke 04, der VfL Benrath, VfR Köln, der VfR Mannheim und die Spielvereinigung Fürth. Bei den anderen vier Teams gibt es einen sehr prominenten Vertreter und zwei etwas weniger bekannte Vereine und einen ziemlich unbekannten Verein.

Der sehr prominente Vertreter, der wohl nicht vorgestellt werden muss ist der VfB Stuttgart. Die Schwaben hatten sich auch dadurch einen Vorteil verschafft, dass man den Nazis schon relativ früh sehr hörig war. Also man muss ja dazu sagen, es gab sicherlich irgendwann mal eine Zeit im Nationalsozialismus, wo man nicht mehr anders konnte oder nur noch unter Gefahr anders konnte, der VfB war definitiv schon davor dabei. Und nein liebe VfB Fans das hat jetzt nichts damit zu tun, dass ich euren Verein schlecht reden möchte, das ist alles lange her, die Verantwortlichen von damals sind alle nicht mehr am Leben es hat nichts mit dem heutigen VfB Stuttgart zu tun, aber es muss halt erwähnt werden. Dann haben wir den FC Hanau. Dieser Verein ist der älteste hessische Fußballclub und wurde bereits im März 1893 gegründet. Heutzutage spielt der Verein in der Kreisliga. 1905 sorgte der Verein übrigens für eine kuriose Situation, er stand im Endspiel um die Süddeutsche Meisterschaft gegen den Karlsruher FV, konnte aber nicht antreten, weil nur zwei Spieler angereist waren, aufgrund eines gefälschten Telegramm was von einer angeblichen Verlegung berichtet hatte. Dann haben wir den FC Phönix ludwigshafen, diesen Verein gibt es heute nicht mehr, er hieß später SV Phönix Ludwigshafen. Dieser wurde dann 1964 in einer Fusion aufgelöst und man gründete in der Hoffnung irgendwann in die Bundesliga aufsteigen zu können, den SV Südwest Ludwigshafen. Dieser Verein existiert zwar noch, befindet sich aber lediglich in der Bezirksliga. Der letzte Verein ist ein finde ich sehr unbekannter Verein, von dem habe ich tatsächlich noch nie etwas gehört, es handelt sich um Yorck Boyen Insterburg. Dieser Club aus Ostpreußen wurde 1921 gegründet und wurde zweimal Meister der Gauliga Ostpreußen. Nach Ende des zweiten Weltkrieges wurde Insterburg von der Sowjetunion annektiert.

Der Modus war wie schon im Jahr zuvor so, dass die 16 Teams auf vier Vierergruppen verteilt wurden und nur der Sieger ins Halbfinale durfte. In Gruppe A befanden sich Chemnitz, Hertha BSC, Gleiwitz und Insterburg. Bis zum letzten Spieltag waren Chemnitz und die Berliner Punktgleich. Dann patzen die Berliner in Gleiwitz mit 1:2 und Chemnitz gewann in Insterburg 8:1. In Gruppe B waren Schalke, Hannover, Eimsbüttel und Stettin. Schalke gewann die ersten fünf Spiele und erzielte dabei 26 Tore, so dass die Niederlage am letzten Spieltag in Eimsbüttel völlig egal war. In Gruppe C spielten Benrath, Ludwigshafen, Mannheim und Köln. Benrath setzte sich am letzten Spieltag gegen Mannheim mit 3:2 durch und gewann so die Gruppe vor Ludwigshafen. Und in Gruppe D gab es Stuttgart, Fürth, Hanau und Jena. Am letzten Spieltag kam es hier zu einem Endspiel zwischen dem VfB und Fürth. Die Schwaben setzten sich mit 3:2 durch. Im Halbfinale gewann Stuttgart gegen Benrath 4 zu 2 in Leipzig. Schalke siegte in Düsseldorf 3:2 gegen Chemnitz. So trafen Schalke und der VfB am 23 juni 1935 in Köln aufeinander vor 70 000 Zuschauern. Adolf Urban brachte Schalke bereits nach sechs Minuten in Führung. Er sollte im Mai 1943 im Krieg fallen. Schon 1942 hatte er geahnt, dass er den Krieg wohl nicht überleben würde. Schalke erhöhte durch Ernst Poertgen in Minute 36 auf 2:0. Rudolf Gellesch gelang in der 41 Minute das 3:0. Nach der Pause ging es zunächst mit der Schalker Überlegenheit weiter. Erneut Ernst Poertgen mit dem 4:0. Doch plötzlich wachte der VfB auf. Otto Bökle konnte in Minute 55 und 57 zwei Tore schießen. Nur noch 4:2. Ernst Kalwitzki traf für Schalke in Minute 65 zum 5:2. Erich Koch verkürzte für den VfB noch mal auf 5:3, doch erneut Ernst Poertgen markierte das 6:3. Stuttgart konnte nur noch das Ehrentor durch Willi Rutz zum 6:4 markieren. Schalke war erneut deutscher Meister. Ernst Poertgen wurde mit 11 Toren Torschützenkönig. Schauen wir auf den Pokal. Der Pokal war der Tschammerpokal wurde 1935 zum ersten Mal ausgetragen. Benannt war er nach Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten . Das Turnier war viel größer als der heutige DFB-Pokal, insgesamt nahmen 4100 Mannschaften teil. Von der Gauliga bis zur Kreisliga. Ich würde einfach sagen wir steigen im Achtelfinale ein. Minvera Berlin besiegte Eintracht Braunschweig 4:2. Die Dresdner Sportfreunde gewannen gegen die Sportvereinigung Masovia Lyck 2:1 Chemnitz verlor gegen Nürnberg 1:3. Hannover unterlag Schalke 2:6. Düsseldorf verlor 0:3 gegen Waldhof Mannheim. Hanau besiegte Berolina LSC 5:1. Fürth verlor gegen den Freiburger FC 2:3. Mannheim unterlag Benrath 2:3. Im Viertelfinale verlor Benrath 1:4 gegen Schalke. Waldhof Mannheim besiegte die Dresdner Sportfreunde 1:0 Der Freiburger FC besiegte Hanau 2:1. Und Nürnberg setzte sich mit 4 zu 1 gegen Minvera Berlin durch. Im Halbfinale konnte Schalke in Dortmund Freiburg mit 6:2 schlagen und Nürnberg gewann 1:0 gegen Mannheim. Das erste deutsche pokalfinale fand am 8 dezember 1935 in Düsseldorf vor 60 000 Zuschauern zwischen Nürnberg und Schalke statt. Die Königsblauen hatten also die Chance auf das Double. Max Eiberger brachte jedoch die Franken kurz nach der Pause in Führung. Die Entscheidung fiel dann in Minute 84 durch Georg Friedel. 2:0. So gewann Nürnberg den ersten deutschen Pokal. Erfolgreichster Torschütze war Ernst Kuzorra mit 9 Toren. Die Nationalmannschaft spielte 1935 gleich 17(!) Mal.. es begann Ende Januar mit einem 4:0-Sieg über die Schweiz in Stuttgart. Im Februar wurde dann Holland in Amsterdam mit 3:2 besiegt und im März gab es einen 3:1 Sieg in Paris über Frankreich. Im April konnte man sich dann in Brüssel mit 6:1 gegen Belgien durchsetzen. Ehe im Mai Irland mit 3:1 besiegt wurde in Dortmund. Gegen Spanien gab es dann die erste Niederlage des Jahres. Gegen Spanien verlor man in Köln 1:2. Dann besiegte man die Tschechoslowakei in Dresden 2:1 und trennte sich im Juni in Oslo 1:1 von Norwegen. Ebenfalls im Juni gab es eine 1:3 Niederlage in Stockholm gegen Schweden. Am 18 August spielte Deutschland gleich zweimal, eine etablierte Mannschaft gewandt zu Hause 6:0 in München gegen Finnland und eine Mannschaft mit vielen Debütanten siegte 1:0 in Luxemburg. Eine Woche später gewann man in Erfurt 4:2 gegen Rumänien, das ist bis heute das einzige Länderspiel in Erfurt. Auch am 15 September spielte man zweimal. In Breslau konnte Polen 1:0 besiegt werden, in Stettin gab es ein 5 zu 0 über Estland. Im Oktober konnte man sich gegen Lettland 3:0 in Königsberg durchsetzen, dann folgte ein 4:2 in Leipzig über Bulgarien. Das letzte Spiel des Jahres war dann am 4 Dezember 1935 eine 0:3 Niederlage in London gegen England. In der englischen Liga konnte sich Arsenal mit vier Punkten Vorsprung for Sunderland durchsetzen. Für das Team aus dem Norden London war es der dritte Titel in Serie. Schon am drittletzten Spieltag machte Arsenal durch ein Tor von Ted Drake und einen damit verbundenen Sieg in Middlesbrough den Titel perfekt. Spannend war es im Abstiegskampf. Tottenham gewann zwar am vorletzten Spieltag 5:1 gegen Liverpool, war aber trotzdem nicht mehr zu retten, weil Middlesbrough 3:0 bei Aston Villa gewinnen konnte. Aber Middlesbrough hatte vor dem letzten Spieltag nur einen Zähler vorsprung auf Leicester City. Um sich sicher aus eigener Kraft zu retten brauchte es einen Heimsieg gegen Chelsea, doch trotz 2:0 Führung wurde daraus nichts. Leicester hätte mit einem hohen Sieg in Portsmouth den Klassenerhalt schaffen können, kam aber nicht über ein 1:1 hinaus. Torschützenkönig wurde Ted Drake mit 42 Toren. Den Pokal gewann Sheffield Wednesday. Sie besiegten West Bromwich Albion 4:2. Jack Palethorpe brachte Sheffield in der zweiten Minute in Führung, West Bromwich konnte durch Walley Boyes ausgleichen. Mark Hooper brachte Sheffield in Minute 70 wieder in Front. WBA konnte 5 Minuten später erneut durch Teddy Sandford ausgleichen. Doch innerhalb der letzten 5 Minuten wurde Ellis Rimmer zum Helden von Sheffield Wednesday, als er zwei Tore schießen konnte. So gewann Sheffield Wednesday den FA Cup. Sieht man vom Gewinn des Ligapokals 1991 ab, war es der letzte Titel für Sheffield Wednesday. In Spanien waren ab dieser Saison 12 Teams in der ersten Liga. Im Kampf um die Meisterschaft gab es einen Zweikampf zwischen Betis Sevilla und Madrid FC. Bis zum vorletzten Spieltag hatte Madrid eigentlich die besseren Karten. Doch dann setzte es ausgerechnet im Duell gegen Barcelona eine 5:0 Klatsche. Ventorla konnte vier der fünf Tore für die Katalanen schießen. Betis spielte im Derby gegen den FC Sevilla 2:2. Das reichte um die Tabellenführung zu übernehmen. Am letzten Spieltag gewann Madrid 6:1 gegen Arenas. Sañudo traf viermal. Doch es nützte nichts mehr, denn Betis ließ in Santander mit 5:0 nichts anbrennen. Victor Unamuno machte drei Tore. Für Betis war es die bislang einzige Meisterschaft der Vereinsgeschichte. Keine Spannung gab es dafür im Abstiegskampf. San Sebastian und Arenas standen frühzeitig als Absteiger fest. Isidro Langara von Real Oviedo wurde erneut Torschützenkönig. Diesmal traf er 26 Mal. Für die Stadt Sevilla war es übrigens noch aus einem anderen Grund ein sehr erfolgreiches Jahr denn der FC Sevilla wurde Pokalsieger. Im Finale wurde CE Sabadall 3:0 besiegt. In Italien wurde zum fünften Mal in Folge Juventus Turin Meister zum dritten Mal in Folge vor Inter Mailand. In dieser Saison waren nur 16 Teams teil der Serie A. Das titelrennen zwischen Inter und Juventus war super spannend, Inter hatte es sogar vor dem letzten Spieltag in der eigenen Hand. Ein Sieg bei Lazio hätte die Meisterschaft bedeutet. Doch Inter scheiterte obwohl sie in überzahl waren und in Führung gegangen waren. Silvio Piola wurde zum Albtraum der Nerrazurri. Dreimal traf er für Lazio. Juventus nahm das Geschenk an und gewann durch ein Tor in der 81 Minute von Giovanni Ferrari 1:0 in Florenz. Auch der Abstiegskampf war super spannend. Pro Vercelli stand zwar schon früh als absteigerfest, doch am letzten Spieltag gab es ein Endspiel um den Klassenerhalt. Livorno hatte einen Zähler Vorsprung auf den FC Turin, der das Spiel unbedingt gewinnen musste. Filippo Prato war in Minute 52 erfolgreich für die Turiner und sorgte für den Klassenerhalt von Torino. Livorno musste absteigen. Torschützenkönig wurde Enrique Guaita vom AS Rom. In 29 Spielen traf er genauso oft. Falls ihr euch übrigens wundert warum ich in Italien nie den Pokalsieger nenne, die Coppa Italia wurde erst relativ spät in Italien regelmäßig ausgespielt, wenn ich es jetzt richtig im Kopf habe ohne es noch mal nachzugucken, erst so wirklich ab den 40er Jahren. Zum Schluss wie üblich der Blick nach Frankreich. Um die Meisterschaft gab es einen spannenden Zweikampf zwischen dem FC Sochaux und Racing Straßbourg. Drei Spiele vor Schluss sah es eigentlich nach einer klaren Sache für Sochaux aus. Man hatte fünf Punkte Vorsprung und bitte nicht vergessen, wir reden von einer Zeit mit der zwei Punkte Regel. Mit einem Sieg am 28. Spieltag hätte man schon alles klar machen können, verlor aber 3:7 gegen Antibes. Straßbourg gewann 3:2 gegen Ales. Am vorletzten Spieltag passte Sochaux in Lille erneut. Straßbourg konnte 3:1 bei Red Star Paris gewinnen. Plötzlich war die Meisterschaft wieder richtig spannend. Und am letzten Spieltag konnte Racing Straßbourg 3:1 bei Fivers Lille gewinnen. Doch diesmal ließ Sochaux nichts anbrennen und gewann zu Hause 4:0 gegen Marseille. Der Abstiegskampf war hingegen nicht Spannend. Montpellier und Nimes mussten runter. Torschützenkönig wurde der Schweizer André Abegglen. Er konnte für den FC Sochaux 30 Tore schießen. Furios war seine Bilanz bei den Grasshoppers Zürich, mit 83 Toren in 82 Spielen. Pokalsieger wurde Olympique Marseille mit einem 3:0 über Stade Rennes