Fussballjahr 1953

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Bevor wir alle ins Wochenende gehen und den deutschen Handball Mädels beim gewinnen der Weltmeisterschaft zugucken, habe ich noch eine frische folge meiner Serie Fußball History für euch. Wir sind mittlerweile im Jahr 1953 angekommen. Wir schauen wieder nach Deutschland, in die DDR, auf die Nationalmannschaft, nach England, Italien, Spanien und Frankreich. Wie immer beginnen wir in Deutschland und an der Endrunde zur deutschen Meisterschaft nahmen acht Teams teil. Das waren Eintracht Frankfurt, der VfB Stuttgart, Borussia Dortmund, 1. FC Köln, 1. FC Kaiserslautern, der HSV, Holstein Kiel und der SC Union 06 Berlin. Köln und Union waren neu. Den FC gab es zu der Zeit noch gar nicht so lange, er wurde erst 1948 gegründet. Man muss diesen Verein wohl nicht großartig vorstellen, aber eine Sache würde ich vielleicht gerne mal sagen, selbst wenn man der härteste Gladbach Ultra ist, den es auf der ganzen Welt geben kann, muss man dem FC dankbar sein, denn ohne den FC hätte es nie eine Bundesliga gegeben. Zum SC Union 06 zunächst mal eine Klarstellung, dieser Verein hat nichts mit Union Berlin zu tun. Es ist ein Verein aus dem Stadtteil Moabit im Bezirk Mitte. Existiert auch heute noch und spielt in der Landesliga Berlin. Und er hat eine Fanfreundschaft mit dem 1 FC Union. Als der SC Union 06 im Jahre 2006 ein 100-jähriges Jubiläum feierte, gab es sogar ein Freundschaftsspiel an der Alten Försterei. Die acht Teams wurden wieder auf zwei Gruppen aufgeteilt. In der ersten Gruppe spielten der FCK, Frankfurt, Köln und Kiel. Kaiserslautern setzte sich souverän durch, nur gegen Köln erlaubte man sich ein Unentschieden, die anderen fünf Spiele wurden gewonnen. In Gruppe B befanden sich Dortmund, der VfB Stuttgart, Union, und der HSV. Diese Gruppe war wesentlich enger. Der HSV und Union konnten nicht mithalten aber zwischen Stuttgart und Dortmund war es richtig knapp. Beide konnten ihr Heimspiel gegen den jeweils anderen mit 2:1 gewinnen, beide hatten am Ende 10 Punkte und beide hatten wir am Ende eine Tor Differenz von +10. Und jetzt gibt es etwas zum Ärgern für alle BVB-Fans. Stuttgart hatte ein Torverhältnis von 16:6. Der BVB von 17:7. Nach heutigen regeln würde der BVB aufgrund der mehr geschossenen Tore vor den Schwaben stehen. Aber eben nicht nach damaligen. Damals zählte der bessere Torquotient. Falls es Leute gibt die vielleicht nicht ganz verstehen was der Unterschied ist, beim Torquotient werden die geschossenen Tore durch die kassierten Tore geteilt. Und so hatte der VfB halt den besseren Torquotient Im Finale am 21 juni 1953 in Berlin standen somit der FCK und der VfB. Fritz Walter brachte Lautern in Minute 37 in Führung. Karl Wanger erhöhte auf 2:0. In Minute 72 kam der VfB noch mal heran, Leo Kronenbitter verkürzte. Doch Erwin Scheffler und Willi Wenzel machten alles klar für den FCK zum 4:1 Sieg. Und noch eine Sache zu Fritz Walter, wir wissen ja alle wie groß seine Legende ist, aber es gibt vielleicht doch eine Sache die nicht jeder weiß. 2008 befand sich Kaiserslautern im Abstiegskampf der zweiten Liga und am Ende hat man die Klasse ja gehalten, im letzten Spiel gegen Köln, dass man unbedingt gewinnen musste, stand es lange 0:0. Und dann hat es angefangen zu regnen und der FCK hat das Spiel noch 3:0 gewonnen. Es gibt tatsächlich ein Lied was das beschreibt, es heißt der Regen und wo auch der Name Fritz Walter zwar nicht namentlich genannt wird, aber ist die Formulierung gibt dass da oben einer sitzt, der uns ein Wetter schickt. Ihr findet das Lied der Regen auf youtube hört sich wahnsinnig schön an, zeigt auch noch mal den stellenwert von Fritz Walter. Torschützenkönig wurde Otto Baitinger mit sechs Toren vom VfB Stuttgart. Zum ersten Mal seit Ende des Krieges wurde auch wieder der DFB-Pokal ausgespielt. Im Finale standen sich Rot-Weiß Essen und Alemannia Aachen gegenüber. Dieses Spiel wurde am 1 Mai 1953 in Düsseldorf gespielt. Franz Islacker brachte RWE in Minute 32 in Front. Ein gewisser Helmut Rahn, über den wir dann nächste Woche wenn wir auf die WM 1954 Treffen werden, noch etwas genauer sprechen werden, machte das 2:0. Jupp Derwall konnte für die Alemannia nur noch verkürzen. Somit war Rot-Weiss Essen Pokalsieger. In der DDR war es im Kampf um die Meisterschaft hochdramatisch. Rein rechnerisch hätte nachdem vorletzten Spieltag der Tabellenachte Chemie Leipzig noch Meister werden können. Man muss sich die Tabelle mal vor Augen führen. Dynamo Dresden hatte 36 Punkte, Aue hatte 36 Punkte Stahl Thale hatte 36 Punkte, Dessau 35, Zwickau 35, Einheit Dresden 34, Turbine Erfurt 34 und Chemie Leipzig ebenfalls 34. Am letzten Spieltag setzte sich Dresden 1:0 gegen Erfurt durch. Aue konnte aber auch 1:0 gewinnen in Thale. Somit waren diese beiden Mannschaften punktgleich und hier zählte nicht der bessere Torquotient, sondern es wurde ein Entscheidungsspiel angesetzt. Dynamo konnte in der 6 Minute an diesem 5 Juli 1953 durch Manfred Michael in Führung gehen. 2 Minuten vor der Halbzeit gelang Aue in Form von Willy Tröger aber der Ausgleich. Und eine Minute nach der Pause besorgte Armin Günther sogar die Führung für die BSG Wismut Aue. 3 Minuten vor Schluss konnte Günter Schröter für Dynamo ausgleichen. In der Verlängerung war es dann Karl-Heinz Holze in Minute 112 der Dynamo zum Meister machte. Absteigen mussten vier Mannschaften. Gera und Jena waren früh weg vom Fenster. Oberschöneweide musste sich am vorletzten Spieltag verabschieden. Um den letzten Absteiger war es spannend, drei Teams kamen dafür in Frage und es gab auch noch eine verrückte Geschichte. Der Kandidat mit den schlechtesten Karten auf dem Klassenerhalt war der SV Vorwärts Berlin. Das Verrückte ist, vorwärts Berlin hatte die Saison in Leipzig begonnen. Und während der Saison siedelte dann die DDR die Mannschaft einfach nach Berlin um. Stellt euch mal vor ihr seid Fan von was weiß ich Borussia Dortmund und dann wird euer Verein plötzlich nach Düsseldorf umgesiedelt. Vorwärts brauchte am letzten Spieltag dringend. Um noch eine Chance zu haben und tatsächlich gelang ein Auswärtssieg in Dessau. Das letzte Turbine Halle und Fortuna Babelsberg unter Druck. Halle konnte die Nerven behalten und 1:0 gegen Jena gewinnen. Babelsberg konnte die Klasse ebenfalls halten durch einen 3:1 Erfolg über Chemie Leipzig. Und so musste Vorwärts Berlin doch absteigen. Torschützenkönig wurde Harry Arlt. Der Spieler von Rotation Dresden konnte 26 mal treffen. Gehen wir nach England. Hier gab es im Kampf um die Meisterschaft einen Dreikampf. Arsenal hatte mit 52 Punkten zwei spieltage Verschluss die besten Karten, dann folgte Preston mit 50 und auch Wolverhampton hatte mit 49 zumindestens noch theoretische Chancen. Und die Lage spitzte sich am vorletzten Spieltag zu, denn es kam zum direkten Duell zwischen Preston und Arsenal und dieses konnte Preston mit 2 zu 0 für sich entscheiden. Wolverhampton hätte jetzt ebenfalls noch mal richtig rankommen können, doch sie verloren in Tottenham und waren raus aus der Verlosung. Arsenal hatte trotzdem noch alles in der eigenen Hand, weil sie eine um 8 Tore bessere Tor Differenz hatten. Preston konnte sein letztes Spiel in Derby 1:0 gewinnen. Arsenal sollte erst zwei Tage später gegen Burnley spielen. Und Burnley konnte zwischenzeitlich in Führung gehen doch durch Tore von Alec Forbes, Doug Lishman und Jimmy Logie konnte Arsenal das Spiel am Ende gewinnen. Der Kampf gegen den Abstieg war ebenfalls ziemlich spannend. Vor dem letzten Spieltag war noch nichts entschieden und theoretisch hätten wir es noch sechs Teams erwischen können. Sheffield Wednesday hatte die besten Karten und braucht am letzten Spieltag lediglich einen Unentschieden, doch sie verloren in Wolverhampton. Newcastle konnte sein letztes Spiel bei Aston Villa gewinnen und war damit definitiv gerettet. Manchester City brauchte um sicher zu sein zumindestens ein Unentschieden. Doch sie verloren bei Chelsea und das bedeutete, dass Chelsea gerettet war. Und Manchester City war nun in höchster Gefahr. Derby brauchte am letzten Spieltag unbedingt einen Sieg um überhaupt noch eine Chance zu haben, doch sie verloren gegen Preston mit 0:1. Jetzt kam es auf Stoke an, mit einem Sieg würden sie Manchester City in die zweite Liga schicken. Sie waren zu Gast in Blackpool spielten aber nur 1:1 Torschützenkönig wurde Charlie Wayman. Der Mann von Preston war 24 Mal erfolgreich. Den Pokal sicherte sich überraschend der FC Blackpool. Dabei lagen sie im Finale gegen Bolton bereits scheinbar aussichtslos mit 1:3 hinten. Doch Stan Mortensen, der bereits das erste Tor für Blackpool geschossen hatte, sorgte mit Touren in Minute 68 und 89 für den Ausgleich. Und in der 90 + 2 sorgte Bill Perry für den Titel der Seasiders. Machen wir weiter in Spanien. Zwei spieltage vor Schluss hatten noch vier Teams die Chance auf die Meisterschaft, der FC Barcelona, Real Madrid, der FC Valencia und Espanyol Barcelona . Alle vier konnten am vorletzten Spieltag gewinnen, das bedeutete allerdings, dass Espanyol rechnerisch raus war. Valencia konnte am letzten Spieltag in Saragossa gewinnen und eine kleine Chance wahren. Real patzte in Vigo und war raus. Barcelona brauchte gegen Bilbao zumindestens ein Unentschieden und ganz sicher Meister zu sein, doch sie konnten das Spiel sogar 3:2 gewinnen. Im Abstiegskampf mussten wieder die beiden letzten direkt runter und die beiden davor in die Relegation. Saragossa war bereits zwei spieltage vor Schluss abgestiegen. Malaga verabschiedete sich am vorletzten Spieltag. Im Kampf gegen die Relegation waren fünf Teams gefährdet. San Sebastian brauchte um sicher gerettet zu sein zumindestens ein Unentschieden am letzten Spieltag und sie konnten ihr Spiel sogar gewinnen. Santander würde ebenfalls ein Unentschieden genügen und das holten sie gegen Valladolid. Valladolid war nun ebenfalls gefährdet und Celta Vigo konnte durch einen Sieg über Real Madrid nach Punkten gleich ziehen. Der direkte Vergleich zwischen den beiden war ausgeglichen, aber Valladolid hatte das bessere Torverhältnis. Jedoch durfte Deportivo La Coruna nicht sein letztes Spiel gewinnen, sonst müsste Valladolid doch noch in die Relegation. Doch das passierte nicht, Deportivo verlor 4 zu 1 bei Atletico Madrid. In der Relegation mussten es Deportivo und Celta mit vier Zweitligisten aufnehmen. Und es passierte im Prinzip das gleiche wie im Vorjahr, Deportivo gewann die Relegation, legolandete auf Platz 3, und wäre eigentlich abgestiegen gewesen, doch die Mannschaft auf Platz 2 war die Zweitvertretung des FC Barcelona und die durfte nicht aufsteigen. Schützenkönig wurde Zarra mit 24 Toren. Den spanischen Pokal gewann ebenfalls der FC Barcelona durch einen 2:1 im Finale über Bilbao. Kubala und Manchon trafen für Barca, Perez konnte nur noch verkürzen. Schauen wir nach Italien. Der Kampf um den scudetto war in dieser Saison nicht mal ansatzweise spannend, Inter Mailand war bereits drei spieltage vor Schluss italienischer Meister. Zumindestens ein bisschen spannender war es im Kampf gegen den Abstieg. Pro Patria war zwar bereits zwei spieltage Verschluss abgestiegen, doch um den zweiten Absteiger war es noch eng. Vor dem letzten Spieltag mussten noch fünf Teams zittern. Sampdoria brauchte ein Unentschieden um sicher zu sein. Sie konnten ihr letztes Spiel sogar gewinnen und waren gerettet. Novara brauchte ebenfalls zumindestens ein Remis und holte es sich beim AS Rom mit einem 0:0. Udinese musste auch zumindestens unentschieden spielen um sicher durch zu sein, sie konnten sogar gewinnen. Triestina brauchte einen Sieg am letzten Spieltag um in Sicherheit zu sein. Sollte es nicht klappen, hätte Como die Chance mit einem Erfolg in Florenz vorbeizuziehen. Doch Triestina ließ nichts anbrennen und konnte sein letztes Spiel 3:0 gewinnen. Torschützenkönig wurde Gunnar Nordahl vom AC Mailand mit 26 Toren, die ersten drei der Torschützenliste waren übrigens alles Skandinavier. Und ganz zum Schluss schauen wir wie immer nach Frankreich. Hier fiel die Entscheidung um die Meisterschaft am vorletzten Spieltag, Stade Reims konnte sich durch einen 5 zu 1 Sieg bei Stade Francias Paris zum Meister machen. Es sollte der Beginn einer großen Zeit dieses Vereins werden, darauf werden wir auch nächste Woche noch mal etwas genauer eingehen, dann werden wir nämlich auch mal die erste Folge des Europapokals haben. Hochspannung war dagegen im Abstiegskampf angesagt. Die letzten zwei mussten direkt runter, der dritt letzte in die Relegation. Rein mathematisch, hätte selbst der elfte vor dem letzten Spieltag noch absteigen können. Das war der FC Metz. Ein Unentschieden am letzten Spieltag hätte sicher gereicht, doch sie verloren ihr letztes Spiel. Das bedeutet zittern. Nizza verlor am letzten Spieltag ebenfalls und musste so genauso zittern. Saint Etienne holte sich ein Unentschieden und war damit definitiv gerettet. Auf Platz 14 vor dem letzten Spieltag war Rennes. Um ganz sicher gerettet zu sein mussten sie gewinnen am letzten Spieltag doch es setzte eine 5:1 Niederlage in Reims. Auf Platz 15 vor dem letzten Spieltag lag RCF Paris. Sie verloren gegen den FC Nancy1:2. Vor dem letzten Spieltag auf dem Relegationsplatz befand sich CO Roubaix Tourcoing. Das 1:1 in Saint Etienne sollte tatsächlich dafür reichen, Rennes und Paris zu überholen. Le Havre war vor dem letzten Spieltag auf Platz 17 rettete sich aber mit einem Heimsieg über Nizza. Damit war klar, das Paris abgestiegen war und Rennes in die Relegation musste. Der zweite Absteiger stand aufgrund der anderen Ergebnisse ebenfalls fest, es war der HSC Montpellier. In der Relegation traf Rennes auf Straßburg und verlor mit 4:0 und 3:1. Auch in Frankreich gab es einen skandinavischen Torschützenkönig, Gunnar Andersson von Olympique Marseille. Er traf 35 mal. Bis heute ist er in der Liste der besten Torschützen der französischen Liga mit 179 Toren auf Platz 9. Im Finale um den französischen Pokal traf Lille auf Nancy. Lille konnte durch Jean Vincent in Führung gehen, kurz vor der Halbzeit sorgte aber Bachir Belaid für den Ausgleich. In Minute 81 war es Bernard Lefevre der den Siegtreffer für den OSC markierte.