Fussballjahr 1954 WM
Herzlich willkommen zu einer ganz besonderen Folge Fußball History. Wir sind im Jahr 1954 und gestern haben wir ja über die Vereine geredet heute reden wir über die WM 1954. Ihr wisst alle was das bedeutet. Die Entscheidung, dass die WM 1954 in der Schweiz stattfinden würde, war bereits im Juli 1946 gefallen. Die Schweiz hatte in Luxemburg als einziger Bewerber den Zuschlag bekommen, allerdings eigentlich für die WM 1953 die sich dann genauso wie die WM 1949 um ein Jahr verzögerte. Beginnen wir mit der Qualifikation. 36 Länder wollten an der WM 1954 teilnehmen. Europa teilte sich eine Qualifikationszone mit Afrika und Vorderasien. Diese Zone bestand aus insgesamt 24 Teams. Deutschland wurde gleich in Gruppe A gelost und traf auf Norwegen und das Saarland. Und die saarländer präsentiert sich gar nicht mal so schlecht, es gab zu Beginn einen Auswärtssieg in Norwegen. Die Bundesrepublik hingegen spielte in Norwegen nur Unentschieden und war bereits ein bisschen unter Druck. Es folgte ein klarer Heimsieg in Stuttgart über das Saarland mit 3:0. Die Saarländer spielten dann nur 0:0 gegen Norwegen und Deutschland gewann gegen die Skandinavier 5 zu 1. Die Saarländer hätten am letzten Spieltag mit Deutschland mit einem Heimsieg noch gleich ziehen können, verloren jedoch 1:3. Somit qualifizierte sich Deutschland für die WM. Gruppe B bestand aus Belgien Schweden und Finnland. Belgien ließ hier nichts anbrennen und gewann drei der vier Spiele, zu dem gab es ein Unentschieden. Gruppe C hatte zwei ungewöhnliche Dinge, zum einen spielten hier nur britische Teams, also England, Schottland, Nordirland und Wales und zum anderen konnten sich hier die besten beiden Teams qualifizieren. England dominierte die Gruppe nach Belieben und gewann alle drei Spiele, Schottland sicherte sich Platz zwei. Gruppe D bestand dann wieder aus drei Teams, hier dominierte Frankreich nach Belieben und gewann alle vier Spiele, Irland und Luxemburg hatten das Nachsehen. Gruppe E hatte nur zwei Teams, nämlich Österreich und Portugal. Österreich gewann das Hinspiel in Wien mit 9:1. Portugal spielte gegen Österreich 0:0 im Rückspiel. In Gruppe F wurde es dramatisch. Es gab nur Spanien und die Türkei. Spanien gewann zu Hause 4:1. Die Türken feierten einen 1:0-sieg im Rückspiel. Eigentlich sollte damit klar sein, dass Spanien zur WM fährt, war es aber nicht, denn da beide ein Spiel gewonnen hatten, musste eine Entscheidung Spiel herhalten. Dieses fand in Rom statt und nach 120 Minuten stand es 2:2. Letztlich entschied das Los zugunsten der Türken. Gruppe G sollte aus Polen und Ungarn bestehen, Betonung liegt auf sollte, denn die Polen verzichteten. Gruppe h hatte die Tschechoslowakei, Rumänien und Bulgarien. Die Tschechoslowakei setzte sich mit drei Siegen und einem Unentschieden durch. Gruppe I war die Gruppe mit Italien und Ägypten. Die Italiener konnten beide Spiele gewinnen Und Gruppe J bestand aus Jugoslawien Griechenland und Israel. Diese Gruppe war sehr arm an Toren, fünf der sechs Spiele endeten mit einem 1:0. So überrascht es auch nicht, dass Jugoslawien sich ohne Gegentor mit vier Siegen qualifizieren konnte. Jeweils 1:0. In Südamerika gab es nur drei Teams, die an der Qualifikation teilnehmen wollten, nämlich Brasilien, Paraguay und Chile. Weltmeister Uruguay war bereits qualifiziert die anderen Teams verzichteten. Die Brasilianer konnten die Gruppe problemlos mit vier Siegen für sich entscheiden. In Nord- und Mittelamerika gab es ebenfalls nur eine Gruppe, hier spielt Mexiko, die USA und Haiti. Die Mexikaner waren den anderen Teams deutlich überlegen und konnten alle Spiele gewinnen, in vier Spielen erzielten sie 19 Tore. Allerdings muss dazu gesagt werden, dass die Amerikaner auf ihre Heimspiele aus wirtschaftlichen Gründen verzichtet. Die letzte Gruppe war eine Gruppe mit zwei Teams aus Ostasien. Hier trafen Japan und Südkorea aufeinander. Beide Spiele wurden in Tokio ausgetragen und trotzdem setzte sich Südkorea mit 5 zu 1 und 2 zu 2 durch. Und jetzt kommen wir zu etwas ziemlich wichtigen. Die 14 qualifizierten Teams plus Gastgeber Schweiz und Weltmeister Uruguay wurden auf vier Vierergruppen verteilt. Soweit nichts ungewöhnliches, aber um das Ausscheiden von stärkeren Teams in der Vorrunde zu verhindern, gab es einen sehr umstrittenen Modus. Jede Gruppe bestand aus zwei gesetzten und zwei ungesetzten Teams. Und die beiden gesetzten Teams mussten nicht gegeneinander spielen und die beiden umgesetzten Teams mussten auch nicht gegeneinander spielen. Also es ist jetzt nicht so wie in der heutigen Zeit jeder gegen jeden, sondern jeder bestreitet erstmal nur zwei Spiele. In Gruppe A befanden sich Jugoslawien Brasilien Frankreich und Mexiko. Jugoslawien und Frankreich bestritten am 16 Juli 1954 um 18 Uhr das Eröffnungsspiel. Milos Milutinovic machte das entscheidende Tor für Jugoslawien. Brasilien verprügelte ohne Probleme Mexiko mit 5:0. Frankreich konnte im letzten Spiel zwar Mexiko 3:2 besiegen, aber weil Brasilien und Jugoslawien 1:1 spielten, mussten die Franzosen genauso wie die Mexikaner die heimreise antreten. Eine interessante Anekdote gibt es noch, obwohl das Spiel Brasilien gegen Jugoslawien ein Gruppenspiel war, ging es in die Verlängerung. Hintergrund war, dass durch das Unentschieden nach der regulären spielzeit beide Teams gleich viele Punkte hatten und man entscheiden musste, wer Gruppensieger werden würde. Die Verlängerung blieb dann ohne weitere Tore und so wurde das ganze per losentscheid geklärt, Jugoslawien hatte Glück. Beide Teams waren aber eine Runde weiter. Gruppe B war die deutsche Gruppe. Und es ging gleich mal gut los, im ersten Spiel gab es einen 4:1 Sieg über die Türkei. Suat brachte die Türken zwar in Führung, aber Hans Schäfer vom 1. FC Köln, Bernhard Klodt von Schalke 04, Otmar Walter von Kaiserslautern und Max Morlock von Nürnberg sorgten für einen klaren Sieg. Ungarn verprügelte ohne Probleme Südkorea 9:0. Dann kam der 20 Juni 1954 in Basel. Ungarn gegen Deutschland. Ungarn war klarer Favorit und schon nach 21 Minuten stand es 3:0 für Ungarn. Alfred Pfaff von Eintracht Frankfurt traf zum zwischenzeitlichen 1:3 aus deutscher Sicht. Es folgten jedoch vier weitere Tore für Ungarn, eher Helmut Rahn auf 7:2 stellte. Nach einem weiteren Tor der Ungarn durch Sandor Kocsis, der insgesamt viermal in diesem Spiel traf und schon davor im Spiel gegen Südkorea drei Tore erzielt hatte sorgte Richard Hermann für den schlusspunkt zum 3:8 aus deutscher Sicht. Die Türken konnten sich mit 7:0 gegen Südkorea durchsetzen. Und jetzt hatte Deutschland ein wenig Glück, denn man war mit den Türken Punktgleich, aber das zählte nicht, es wurde ein Entscheidungsspiel angesetzt. Und hier brillierte die deutsche Mannschaft. Ottmar Walter, Hans Schäfer insgesamt dreimal Max Morlock, Fritz Walter und noch mal Hans Schäfer sorgten für einen 7:2 Sieg und damit für den Einzug ins Viertelfinale. Gruppe C war unspektakulär Österreich und Uruguay setzten sich gegen die Tschechoslowakei und Schottland durch, ohne dabei ein Tor zu kassieren. Österreich wurde per los zum Gruppensieger bestimmt. Gruppe D sah England, die Schweiz Italien und Belgien. England tat sich schwer und spielte gegen Belgien nur 4:4. Ein Sieg über die Schweiz brachte sie aber ins Viertelfinale. Die Schweiz und Italien hatten jeweils ein Spiel gewonnen und eines verloren und mussten ein Entscheidungsspiel austragen, hier waren die Italiener Favorit, doch die Schweiz setzte sich mit 4 zu 1 durch. Im Viertelfinale wurde Geschichte geschrieben, denn es kam zum thoreichsten Spiel der WM Geschichte, Österreich besiegte die Schweiz in einem vogelwilden Spiel 7:5. Aber hatte die Schweiz nach 19 Minuten schon 3:0 geführt. Aber nur 15 Minuten später stand es 5 zu 3 für Österreich. Die Schweizer gaben sich nicht auf und kamen zwischenzeitlich sogar noch auf 6:5 heran, verloren aber in der aber. Besonders bitter war es für Josef Hügi. Denn er hatte drei Tore erzielt und trotzdem verloren. Das ganze ging übrigens als Hitzeschlacht von Lausanne ein, denn es waren 40 Grad. Uruguay traf auf England. Relativ souverän setzte sich der amtierende Weltmeister mit 4:2 durch. Brasilien traf auf Ungarn und konnte das Spiel sogar einigermaßen spannend machen, erst in Minute 88 machte erneut Sandor Kocsis den Deckel drauf, er hatte jetzt bereits 9 Mal getroffen. Deutschland traf auf Jugoslawien. Ein frühes Eigentor von Ivica Horvat und ein später Treffer von Helmut Rahn brachten die DFB-Elf ins Halbfinale. Schon das galt eigentlich als relativ großer Erfolg. Im Halbfinale traf Ungarn auf Weltmeister Uruguay für viele, das vorweggenommene Endspiel. Ungarn führte kurz nach der Pause mit zwei zu null, doch Juan Hohberg brachte die urus zurück. So gab es Verlängerung und hier gab es mal wieder einen Doppelpack von Sandor Kocsis. Deutschland traf auf Österreich und gegen durch Hans Schäfer in Minute 31 in Führung. Max Morlock legte zwei Minuten nach der Pause mit dem 2:0 nach. Ganz kurz meldet sich Österreich durch Erich Probst noch einmal zurück und verkürzte, doch Fritz Walter, Otmar Walter, erneut Fritz Walter und dann erneut Otmar Walter sorgten am Ende für einen 6:1 Sieg. Im Spiel um Platz 3 besiegte Österreich etwas überraschend Uruguay mit 3 zu 1. Und dann gab es das große Finale. Es war der 4 Juli 1954 um 19 Uhr in Bern. Deutschland gegen Ungarn, niemand glaubte so wirklich an Deutschland, immerhin hatte die DFB-Elf in der Gruppenphase 3:8 verloren. In dem Film gibt es auch einen sehr schönen Satz von Sepp Herberger. Wenn am Sonntag die Sonne scheint, wird Ungarn Weltmeister. Wir haben ihnen spielerisch nichts entgegenzusetzen. Aber wenn es regnet, Fritz Walter Wetter dann haben wir vielleicht eine Chance. Hintergrund war, dass die Deutschen damals schon Stollenschuhe hatten. Und es sollte regnen. Dennoch sah zunächst nichts nach einer Sensation aus, nach 8 Minuten stand es bereits 2:0 für Ungarn. Aber dann verkürzte Max Morlock plötzlich auf 1:2. Und in der 18 minute gelang Helmut Rahn sogar der Ausgleich. Das Wunder war plötzlich in greifbare Nähe gerückt. Tatsächlich gab es den auch in dem Film beschriebenen Streit in der Halbzeit in der deutschen Kabine wirklich. Sepp Herberger konnte diesen aber schlichten. Und in Minute 84 geschah das unvorstellbare. Hans Schäfer eroberte den Ball, flankte in den Strafraum der Ungarn, die nur schwach klärten, der Ball fiel vor die Füße von Helmut Rahn und der Rest ist Geschichte. Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen...Rahn schießt.....Toooooooor ! 3:2! 3:2! Die Ungarn hatten dann tatsächlich noch zwei Chancen zum Ausgleich doch Deutschland überstand diese letzten Minuten und war Weltmeister. Und es ist ein Stück weit natürlich auch eine politische Geschichte, Deutschland, das natürlich zu einem Teil schuldig aber auch verführt durch einen wahnsinnigen in den zweiten Weltkrieg geschlittert war, durfte endlich wieder stolz sein. Und an dieser Stelle eine kleine geschichtliche Lektion, meinetwegen könnt ihr es auch einen Seitenhieb nennen, wenn ihr wollt. Vielleicht sollten die Leute, die Dinge sagen wie man sollte Russland für alle Zeiten ausschließen oder sonst irgendetwas in diese Richtung sagen, mal darüber nachdenken, dass Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg, der viel viel schlimmer war als das was Russland da gerade macht nur 9 Jahre später Weltmeister geworden ist. Und eigentlich muss man ja sogar sagen nur sieben Jahre später schon wieder teilnehmen durfte, weil ja schon 1952 die Qualifikation angefangen hat. Stellt euch mal vor, damals hätte die Welt gesagt so Deutschland, ihr dürft jetzt nie wieder teilnehmen. Und dafür hätte es wahrscheinlich mehr Argumente gegeben als im Moment in Bezug auf Russland.. Torschützenkönig wurde natürlich Sandor Kocsis. Er hatte 11 mal getroffen in jedem Spiel mindestens zweimal, nur im Finale da gelang ihm kein Treffer. Er ist so etwas wie ein trauriger held, in 68 Spielen für die ungarische Mannschaft hat er unfassbare 75 Tore geschossen, das ist auf dem Niveau eines Gerd Müller aber er ist nie Weltmeister geworden. Und leider hatte er auch privat kein Glück, 1974 wurde bei ihm Leukämie festgestellt, später hatte er dann auch noch magenkrebs, der linke Fuß musste amputiert werden. Die ganzen Behandlungen fraßen sein Vermögen auf. Sein Leben endete am 22 juli 1979 im Alter von gerade einmal 49 Jahren, auf mysteriöse Art und Weise. Er ist in Barcelona, er hatte später für den FC Barcelona gespielt aus einem Krankenhausfenster gestürzt. Die einen sagen, er ist gefallen, die anderen sagen, er hat sich selbst das Leben genommen. 2012 ist übrigens seine Urne von Barcelona in seine ungarische Heimat gebracht worden und ruht jetzt in der Gruft der St. Stephans Basilika in Budapest. Hier ruhen auch einige seiner Mitspieler, unter anderem der großartige Ferenc Puskas