Fussballjahr 1919/20

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Hallo leute! Herzlich willkommen zu einer neuen Folge meiner Serie Fußball History. Heute beschäftigen wir uns mit der Saison 1919/1920. Unser Blick geht nach Deutschland, auf die Nationalmannschaft, nach England, Spanien, Italien und Frankreich. Beginnen wir in Deutschland, hier wurde 1920 die erste Meisterschaft nach dem ersten Weltkrieg gespielt. Vom Format her hatte sich wenig geändert, aber sechs der sieben Fußball Regionen in Deutschland hatten durch territoriale abtretungen nach dem ersten Weltkrieg Vereine verloren. An der ersten deutschen Meisterschaft nach dem Krieg Namen acht Vereine teil. Nur zwei davon waren zuvor schon mal bei einer Deutschen Meisterschaft dabei gewesen das waren der VfB Leipzig und der amtierende Meister Spielvereinigung Fürth. Die sechs neuen Vereine waren der SV Arminia Hannover, diesen Verein gibt es heute noch, er spielt allerdings nur in der Landesliga. Etwas kurios ist, dass die Vereinsfarben der Arminia Grün-Weiß sind, sie aber die blauen genannt werden. Generell scheint das irgendwie in Hannover so ein merkwürdiges Ding zu sein, denn wenn ich jetzt am 96 denke, die haben grün-schwarz als Verein Farben und nennen sich die roten. Ich glaube, das versteht man nur wenn man aus Hannover kommt. Dann gab es den VfTuR 1889 München Gladbach. Das ist quasi Borussia Mönchengladbach gewesen, es gab damals schon den FC Borussia, der 1919 kurze Zeit mit dem Turnverein Germania fusionierte und daraus entstand VfTuR 1889 München Gladbach. Später wurde daraus dann Borussia Mönchengladbach. Dann haben wir die SC Union Oberschöneweide. Den Verein an sich gibt es heute schon noch, die Fußballabteilung allerdings nicht mehr, die löste sich 1972 auf und aus abspaltungen entstand dann der SC Union 06 Berlin, der wenig erfolgreich und wenig bekannt ist und der 1. FC Union Berlin. Wenn ihr euch die Vereinshymne von Union in der langen Version anhört, dann wird dort zunächst von den Schlosser Jungs aus Oberschöneweide gesprochen. John Oberschöneweide ist übrigens in einer Sportart noch erfolgreich, im Kegeln wurden sowohl die Männer als auch die Frauen dieses Jahr deutscher Meister. Dann haben wir die vereinigten Breslauer Sportfreunde, diesen Verein gab es bis 1933. Dann musste der Verein auf Druck der Nazis mit einem anderen fusionieren und nachdem nach dem zweiten Weltkrieg Breslau an Polen gefallen war, existierte der Verein nicht mehr. Als nächstes haben wir den FC Titania Stettin. Dieser Verein wurde bereits 1930 aufgelöst. Der Verein war Anfang der 20er Jahre erfolgreich, das hat sich dann aber im Laufe der Zeit immer weiter zurückgefahren mit dem Erfolg und man versuchte mit hohem finanziellen Einsatz dagegen zu halten, was letztlich zum Konkurs führte. Den letzten Verein muss ich euch nicht großartig vorstellen, den kennt ihr alle, die Rede ist vom 1. FC Nürnberg. Im Viertelfinale setzte sich Breslau gegen Oberschöneweide mit 3 zu 2 durch. Fürth gewann 7:0 gegen München Gladbach. Titana Stettin gewann nach Verlängerung in Kiel gegen Hannover mit 2:1. Und Nürnberg gewann in Halle gegen Leipzig 2:0. Im Halbfinale gewann Fürth 4:0 gegen Breslau. Nürnberg setzte sich in Berlin 3:0 gegen Stettin durch. So sollte es am Sonntag dem 13 Juni 1920 in Frankfurt vor 35.000 Zuschauern zum Endspiel zwischen Nürnberg und Fürth kommen. Die 35.000 waren damals übrigens Rekord, der Fußball hatte nach der langen Pause einen ziemlichen Boom. Das war schon damals ein echtes Derby. Luitpold Popp brachte Nürnberg nach 12 Minuten in Führung. Peter Szabo sorgte in der 73 Minute für die Entscheidung. So gewann Nürnberg zum ersten Mal die Deutsche Meisterschaft. Mit Viktor Hierländer ( Fürth), Leonhard Seiderer( Fürth) und Heinrich Träg ( Nürnberg) teilten sich drei Spieler die Torschützenkanone mit jeweils vier Toren. Und ja ich weiß die Kanone in dem Sinne gab es damals noch nicht ich meine damit einfach die drei sind zusammen Torschützenkönig geworden. Heinrich Träg war übrigens sowas wie ein enfant terrible. Er galt als der beste Linksaußenspieler im deutschen Fußball in den 20er Jahren, aber er hatte zwei Schwächen, zum einen er war kein guter Kopfballspieler, okay das kann vorkommen, das führte lediglich dazu dass sein Torwart sich mal über ihn lustig macht und sagte, er habe nur einmal in seiner Karriere einen Kopfballtor gemacht und das sei aus Versehen gewesen weil ihm der Ball auf den Kopf gefallen wäre. Doch sein viel größeres Problem war dass er ein ungezügeltes Temperament hatte. 1922 im Endspiel gegen den HSV bekam er einen Platzverweis, wegen einer Tätlichkeit von Schiedsrichter Peco Bauwers. Kurioserweise trafen die beiden drei Jahre später noch mal aufeinander, Nürnberg spielte damals gegen den MTK Budapest und Bauwers legte sein Amt als Schiedsrichter nieder, weil er mit Träg aneinander geraten war, sogar in seinem letzten Spiel flog er wegen Schiedsrichter Beleidigung vom Platz. Die deutsche Nationalmannschaft gab 1920 ihr Comeback. Drei Spiele wurden bestritten, zunächst gab es gegen die Schweiz in Zürich eine 1:4 Pleite. Österreich unterlag man im September mit 2:3 in Wien. Doch gegen Ungarn gab es in Berlin einen 1:0-sieg im Oktober. Das war der erste Sieg nach zuvor 10 sieglosen Spielen. In England ging der Titel zum ersten Mal an West Bromwich Albion. Es sollte der einzige meistertitel der bisherigen vereinsgeschichte bleiben, diesen holte man mehr als souverän mit 9 Punkten Vorsprung auf den FC Burnley. Den Pokal gewann Aston Villa mit 1:0 nach Verlängerung gegen Huddersfield. Billy Kirton sorgte für das entscheidende Tor. Torschützenkönig wurde Fred Morris mit 37 Toren für West Bromwich Albion. In Spanien wurde die Meisterschaft noch immer als als Copa del Rey gespielt, das sollte noch bis 1928 so bleiben, ab 1929 gab es dann die Primera Division. In diesem Jahr nahmen sieben Vereine teil, der FC Sevilla, Sporting Gijon, Athletic Bilbao, Real Vigo Sporting Club, Real Union Irun, FC Barcelona und Madrid FC. Wieder galt die etwas blöde Regel, dass beide Teams im Viertelfinale oder im Halbfinale ein Spiel gewinnen, es dann zu einem Entscheidungsspiel kommt. Madrid unterlag Bilbao mit 1:1 und 1:4. Vigo setzte sich nach 0:0 und 4 zu 1 gegen Gijon durch. Barcelona hatte ein Freilos, weil der FC Sevilla sich freiwillig zurückzog. Irun hatte von Anfang an ein Freilos. Irun und Barcelona trafen dann im Halbfinale aufeinander, das Hinspiel gewann Barcelona 1:0. Das Rückspiel sollte ein unfassbares Drama werden, es endete 4:4. Nach 70 Minuten hatte Barcelona 4:1 geführt. Irun schaffte aber noch den Ausgleich, hätte aber gewinnen müssen um ein Entscheidungsspiel zu erzwingen. Bilbao gewann beide Spiele gegen Vigo, zuerst gab es ein 2:1, dann ein 1:0. Das Finale fand am 2 Mai 1920 in Gijon statt. Barcelona setzte sich mit 2:0 nach Toren von Vincente Martinez und Paulino Alcantara durch. Schauen wir nach Italien. Hier wurde wie in dieser Zeit üblich wieder zunächst ein Meister im Norden und ein Meister im Süden gesucht. Im Norden gab es zunächst acht vorrundengruppen mit jeweils 6 Teams. Die beiden besten jeder Gruppe und in zwei Regionen auch der dritte qualifizierten sich für die nächste Runde. In Ligurien konnten sich der CFC Genua und die SG Andrea Doria durchsetzen gegen Grifone GC Genua, US Sampierdarenese, SPES Genua und Savona. In Piemont konnten die ersten drei weiterkommen, das waren US Pro Vercelli, Juventus Turin und der FC Turin. Das Nachsehen hatten US Biellese, Amatori FC Turin und US Alessandria. Hier gab es allerdings auch noch eine zweite Gruppe, wo sich ebenfalls die ersten drei qualifizierten, das waren Alessandria FC, FC Casale und Novara Calcio. US Torinese, Pastoren FC Turin und US Valenzana mussten sich verabschieden. In der Lombardei könnten sich Inter Mailand und Brescia Calcio durchsetzen, für Juventus Italia, CS Trevigliese, US Cremonese und AC Libertas Mailand war die Reise beendet. Aber auch hier gab es eine zweite und sogar eine dritte Gruppe. In der zweiten setzte sich der AC Mailand zusammen mit Entoria Goliardo FC Mailand durch. Atalanta Bergamo, der FC Chiasso, Pavia und SS Pro Goris SC Ausonia schieden aus. In der dritten Gruppe setzten sich US Milanese und FC Legnano durch. Verabschieden musste man sich von FBC Saronno, Nazionale Lombardia, FC Varese und dem FC Como. In Venetien erreichten der AC Padova und der AC Venedig die nächste Runde, während Petrarca Calcio, AC Vicenza, AS Udinese und Hellas Verona sich verabschieden mussten. Und in der Emilia Romagna schafften der FC Bologna und der FC Modena den Sprung in die nächste Runde, für den AC Mantova, den AC Capri, Nazionale Emilia und GS Bolognese war es zu Ende. Nun wurden die 18 übrig gebliebenen Teams im Norden auf 3 6er Gruppen verteilt, hier kam jetzt aber nur noch der Sieger weiter. In Gruppe A setzte sich ziemlich deutlich der CFC Genua durch, wie schon in der ersten Runde verloren sie dabei kein Spiel und gewannen neun von zehn Spielen. Das Nachsehen hatten Pro Vercelli, Alessandria FC, der AC Mailand, der AC Legnano und der AC Venedig. Gruppe B ging an Juventus Turin vor dem US Milanese, FC Modena, FC Casale, Brescia Calcio und AC Padova. Und in Gruppe c setzte sich Inter Mailand vor dem FC Bologna, dem FC Novara, dem FC Turin der SG Andrea Doria und Entoria Goliardo durch. Inter, Juventus und der CFC Genua spielt nun die Finalrunde, Juventus setzte sich zunächst gegen Genua durch, dann gewann Inter gegen Juventus und so reichte Inter am letzten Spieltag ein 1:1 gegen Genua um norditalienischer Meister zu werden. Im Süden gab es zunächst drei Regionen, wo ebenfalls zunächst eine Gruppe gespielt wurde, die beiden besten jeder Gruppe kamen weiter. In der Toskana konnten sich der SC Pisa und US Livorno für die nächste Runde qualifizieren. Verabschieden musste man sich von PGF Libertas Firenze( dieser Verein sollte später Teil einer Fusion sein, aus der der AC Florenz entstehen sollte), SC Giovanni Gerbi Pisa, Club Sportivo Firenze( auch dieser Verein war Teil einer Fusion aus der der AC Florenz entstand) sowie Prato. In Latium gab es sieben Vereine, weitergekommen sind Fortitudo Roma und Audace Roma. Ausgeschieden sind Lazio, Juventus Audax Roma, US Romana, Pro Roma und der FC Rom. Letztgenannter ging später in einer Fusion in den AS Rom auf. In Kampanien gab es nur fünf Teams, hier setzten sich Internazionale Neapel und FC Puteolana durch. Pro Napoli, FC Naples und Pro Caserta waren ausgeschieden. Nun wurden zwei Dreiergruppen gebildet, die beiden Sieger sollten gegeneinander antreten und den süditalienischen Meister bestimmen. In Gruppe A setzte sich Fortitudo Roma deutlich durch und gewann alle vier Spiele, der SC Pisa und FC Puteolana hatten das Nachsehen. Ebenso deutlich ging es in Gruppe B zu, US Livorno gewann alle vier Spiele und verwies Audace Roma und Internazionale Neapel auf die Plätze. Dann setzte sich Livorno im Endspiel um die süditalienische Meisterschaft gegen Fortitudo Roma 3:2 durch. Im Endspiel zwischen Inter Mailand und Livorno führte Inter mit 3 zu 0, zum Schluss kam Livorno aber noch mal durch zwei späte Tore ran auf 3:2. Zwar gewann Inter die italienische Meisterschaft aber der Abstand zwischen den Teams aus dem Norden und dem Teams aus den Süden war nicht mehr so groß. Zum Schluss noch der Blick nach Frankreich und hier ist es ein bisschen kompliziert. Ich habe euch ja schon mehrfach gesagt dass das mit den französischen meistern bis Anfang der 30er Jahre so eine Sache ist. Der Verlag Edition Hachette hatte einen Vertrag, dass man jährlich den französischen Pokal mit 5000 France unterstützte, es dafür aber bis 1928 keinen anderen landesweiten Wettbewerb geben durfte. Deshalb werden wir das jetzt einfach so machen wir werden in den nächsten Folgen den französischen Pokal in diesen Jahren beleuchten, das ist nicht der offizielle französische Meister, aber wohl das was dem in der damaligen Zeit am nächsten kam. Ich denke es ist okay wenn wir dann direkt mit dem Halbfinale anfangen, 1920 war es so dass der CA Paris sich im Halbfinale gegen VGA du Médoc Bordeaux 2:1 durchsetzte. Le Havre gewann 2:0 gegen den AC Cannes nach Verlängerung. Das Finale zwischen le Havre und Paris fand am 9 mai vor 7000 Zuschauern in Paris statt, Le Havre ging zunächst durch Alfred Thorel in Führung, doch mit einem Doppelpack konnte Henri Bard Paris zum Sieg schießen. Das übrigens diese Idee von mir, das so zu machen mit dem Pokalsieger nicht ganz so schlecht ist, kann man daran erkennen, dass ein Vorgänger der L Équipe tatsächlich am Tag nach dem Pokalfinale davon sprach, dass CA Paris französischer Meister wäre. Das ist zwar wie gesagt faktisch nicht richtig, aber wenn selbst eine französische Zeitung das damals so gesehen hat kann man schon verstehen, dass das einem französischen Meister noch am nächsten kam