Fussballjahr 1910

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Auch heute habe ich für euch eine neue Folge meiner Serie Fußball History. Ich werde auch versuchen morgen eine zu machen, kann das aber nicht 100% versprechen, am Mittwoch wird definitiv keine kommen. Wir sind im Jahr 1910. An der deutschen Fußballmeisterschaft nehmen 9 Vereine teil. Und die meisten waren schon einmal dabei, so z.B der VfR Breslau, der TuFC Tasmania Rixdorf, der VfB Leipzig, der Duisburger SpV und der Titelverteidiger Phönix Karlsruhe. Auch der Karlsruher FV war schon früher mal dabei. Es gibt aber auch drei Neulinge. Da wäre z.B der BFC Preussen, ein Verein aus Berlin. Dieser Verein hatte schon vorher mal Geschichte geschrieben, denn im märz 1901 war er der erste deutsche Verein, dem ein Sieg in England gelangen, nämlich ein 8:3 bei Surrey Wanderers. 1909 durfte der Club unter Besuch des kronprinzenpaares ein Freundschaftsspiel gegen Newcastle United bestreiten. Aktuell erlebt der Verein übrigens eine kleine Renaissance, man hat es geschafft in die Regionalliga Nordost aufzusteigen. Dann haben wir den FV Holstein Kiel, heute heißt dieser Verein KSV Holstein Kiel. Wobei man sagen muss die KSV so wie man sie heute kennt ist erst durch eine Fusion im Jahre 1917 entstanden. Der Kieler FV tat sich dann mit dem FC Holstein Kiel zusammen. Der letzte neue war der SV Prussia Samland Königsberg und ich gestehe euch ganz ehrlich, von diesem Verein hatte ich noch nie etwas gehört. Er entstand 1904 durch die Fusion zweier Vereine und existierte bis zum Ende des zweiten Weltkrieges. In der NS-Zeit war er durchaus erfolgreich, dreimal wurde man Vizemeister der Gauliga. Weil es 9 Teams gab brauchte es erstmal ein ausscheidungsspiel, das gewann Tasmania Rixdorf gegen Königsberg mit 5:1. Im Viertelfinale setzte sich Kiel gegen Berlin mit 4:1, der Karlsruher FV gewann gegen Duisburg 1:0, Phönix Karlsruhe besiegte Leipzig auswärts mit 2:1 und Tasmania Rixdorf setzte sich gegen Breslau ebenfalls 2:1 durch. Im Halbfinale kam es zum Derby in Karlsruhe zwischen dem FV und Phönix. Der FV setzte sich mit 2:1 durch. Holstein Kiel besiegte in Hamburg Tasmania Rixdorf 6:0. Zum Derby in Karlsruhe gibt es noch eine interessante Anekdote, der älteste deutsche Fußballfilm, der heute noch erhalten ist, zeigt ein paar wenige Spielszenen dieser Partie. Das Finale zwischen dem Karlsruher FV und Kiel fand am 15 mai 1910 vor 5000 Zuschauern in Köln statt. Eine kleine Geschichte dazu der Präsident von Holstein Kiel Karl Möller beschwerte sich darüber, dass die Kieler Fans 1,10 Mark bezahlen mussten. Leider gab es ansonsten nicht viele Informationen zu dem Spiel, Karlsruhe gewann mit 1:0 durch einen Elfmeter von Max Breuning in der 114 Minute. Zu ihm gibt es auch ein eher dunkleres Kapitel, er ist schon 1933 der NSDAP beigetreten. Also zu einer Zeit wo man das vielleicht noch nicht unbedingt musste. Und da gibt es auch noch eine Anekdote zu, in seinem Team war damals auch ein Spieler namens Julius Hirsch. Julius Hirsch war Jude und wurde 1943 nach Auschwitz gebracht. 1945 wurde er dann für tot erklärt. 2005 hat der DFB dann den Julius Hirsch-Preis ins Leben gerufen. Torschützenkönig wurde Willi Zincke von Holstein Kiel. Die deutsche Nationalmannschaft bestritt vier Spiele im Jahr 1910. Zunächst gab es am 3 April den ersten auswärtssieg der Geschichte und natürlich war das mal wieder gegen die Schweiz, genauer gesagt in Basel. Am 24 April setzte es allerdings eine 2:4 Niederlage gegen Holland es sollte bis 2018 die höchste Niederlage gegen den Rivalen sein. Am 16 Mai gab es eine 0: 3-Niederlage von Belgien hier mussten tatsächlich vier Zuschauer für Deutschland aushelfen, weil die deutsche Mannschaft sonst nicht komplett gewesen wäre. Stellt euch das mal vor, ihr geht meinetwegen heute Abend beim Spiel in Nordirland ins Stadion, und plötzlich heißt es so wir brauchen hier noch mal einen Linksverteidiger. Und dann spielte man am 16 Oktober noch mal gegen die Niederlande und verlor mit 1:2. Das war übrigens das einzige Länderspiel in der Geschichte, dass in Kleve ausgetragen wurde. In England gewann Aston Villa mit fünf Punkten Vorsprung die Meisterschaft. Es war bereits die sechste Meisterschaft für den Verein aus Birmingham, bis zur nächsten sollte es allerdings 71 Jahre dauern.Den Pokal holte sich Newcastle United. Torschützenkönig wurde Jack Parkinson. Er spielte für Liverpool und konnte in dieser Saison 30 Tore schießen. In Spanien wurde der Titel wieder als Copa del Rey ausgespielt, diese Saison war es aber ein bisschen anders. Zum ersten Mal hatte sich mit dem FECF ein nationaler Verband gegründet, der auch tatsächlich berechtigt war eine offizielle Meisterschaft auszutragen, das war in den Jahren zuvor nicht so. Der Titelverteidiger Vasconia San Sebastian wollte dass das Turnier dann nicht wie sonst immer in Madrid sondern mal in San Sebastian ausgetragen wird. Der Verband war aber mehrheitlich dagegen und so kam es zum Streit. Außerdem war San Sebastian kein Mitglied des Verbandes und durfte gar nicht an der spanischen Meisterschaft teilnehmen, so gründete San Sebastian gemeinsam mit anderen Vereinen einen eigenen Verband namens UECF und spielte seine eigene Meisterschaft, es gab also zwei getrennte Meisterschaften. Die eine fand in San Sebastian statt, an dieser Namen drei Teams teil, kurioserweise auch einfach ein aus Madrid. Neben San Sebastian und Athletic Bilbao hatte sich auch der Madrid FC eingeschrieben, wie gesagt daraus wurde später mal Real Madrid. Bilbao besiegte zunächst Madrid mit 2:1 und nur einen Tag später San Sebastian mit 1:0. San Sebastian gewann dann zwar das letzte Spiel gegen Madrid mit 2:0, das änderte aber nichts mehr am Titel für Bilbao. Die andere Meisterschaft wurde in Madrid ausgetragen, auch hier waren drei Teilnehmer dabei, Espanol de Madrid, Deportivo LaCourña und der FC Barcelona. Espanol besiegte Deportivo 3:1, Barcelona gewann gegen LaCourña 5:0. So kam es am 26 Mai 1910 zu einem Endspiel, dieses konnte Barcelona mit 3:2 gewinnen und holte so seinen ersten Titel. Dabei lag Barcelona nach 12 Minuten und einem Doppelpack von Vincente Buylla bereits 0:2 hinten. Doch sie drehten das Spiel und das entscheidende Tor von Pepe Rodriguez fiel in der 89. Minute. Torschützenkönig würde Charles Comamala mit fünf Toren, er war so etwas wie der erste ganz große Superstar beim FC Barcelona, in 154 Spielen schoss er 172 Tore In Italien wurde ab dieser Saison etwas anders gespielt, es gab tatsächlich eine Art Liga. 9 Teams nahmen teil, die beiden besten erreichten das Finale. Die Teilnehmer waren Ausonia FC, SG Andrea Doria, US Milanese, AC Mailand, CFC Genua, Juventus Turin, SG Pro Vercelli und Inter Mailand. Die beiden letztgenannten waren den anderen Teams deutlich überlegen. In den beiden direkten Duellen gab es zwei Auswärtssiege, Pro Vercelli gewann bei Inter mit 4 zu 1. Und Inter gewann auswärts 2:1. Man hätte wohl ein großartiges Finale sehen können, wenn nicht die Politik dazwischen gekommen wäre. Zunächst sollten die Spiele am 17 und 24 April gespielt werden. Pro Vercelli hatte da aber eigentlich andere Termine und bat darum, dass man das ganze verschiebt auf den ersten Mai. Inter war damit zwar nicht einverstanden, aber der Verband war zunächst in Ordnung damit. Doch als Pro Vercelli seinen ersten Termin am 17 April gar nicht wahrnahm, sollte nun am 24 April gespielt werden. Pro Vercelli war so sauer, dass sie ihre vierte Mannschaft stellten und so das Finale mit 10 zu 3 verloren. Und wie immer zum Schluss der Blick nach Frankreich. Hier gab es wieder drei verschiedene Meister. Der Champion der USFSA war US Tourcoing nach einem 7:2 über Helvetique Marseille. US Tourcoing war ein Verein der in der Nähe der belgischen Grenze beheimatet war und Mitte der 50er Jahre in einer Fusion aufgegangen ist. Meister der FGSPF wurde Olier Paris Arcueil. Und in der FCAF war CA Vitry der Sieger, sie verloren dann das Endspiel gegen Olier Paris Arcueil mit 0:2.