Fussballjahr 1912

Aus wiki-fussball-historiker.diddipoeler.de
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Herzlich willkommen zu einer neuen Folge meiner Serie Fußball History und heute sind wir im Jahr 1912. Wie immer werden wir nach Deutschland, England, Spanien, Italien und Frankreich gucken, aber auch auf die deutsche Nationalmannschaft. Wir reden über einen Mann, der zehn Tore in einem Spiel für die deutsche Nationalmannschaft geschossen hat und wir erfahren, warum die Fans des FC Barcelona einen eigenartigen Spitznamen haben Legen wir los. Wie immer starten wir in Deutschland, an der Deutschen Meisterschaft Namen 1912 acht Vereine teil, darunter viele die zum ersten Mal dabei waren. Die bekannten Gesichter waren der Karlsruher FV, der Berliner TuFC Viktoria, Berliner FC Preussen und Holstein Kiel. Neu waren der Cölner BC 01, der am 12 Juni 1901 gegründet worden war und ab 1907 in Sülz beheimatet war. Die Kölner hatten im Endspiel um die westdeutsche Meisterschaft Borussia Mönchengladbach geschlagen. Nach dem Krieg wurde 1947 Franz Kremer Präsident des Vereins und wollte den Club zunächst nach oben führen, doch ein Jahr später entschied er sich zu einer Fusion mit SpVgg Sülz zum heutigen 1. FC Köln. Kremer kann man übrigens als einen der wichtigsten Männer des deutschen Fußballs bezeichnen, denn er war die treibende Kraft bei der Einführung der Bundesliga. Dann hatten wir die SpVgg 1899 Leipzig. Dieser Verein existiert übrigens noch heute und war bis Ende des zweiten Weltkrieges einer der erfolgreichsten Clubs in Sachsen. Heute spielt der Verein allerdings nur noch in der Kreisliga. Der nächste der Verein ist der ATV Liegnitz. Den ATV kann man tatsächlich auch als einen richtigen Traditionsverein sehen, denn er trug entscheidend dazu bei, das Fußballspiel Ende des 19 Jahrhunderts in Niedersachsen einzuführen. Pfingsten 1894 spielte der Club gegen ATV Scheiting. Der Club existierte bis 1945 zuletzt unter dem Namen NSTG Liegnitz. Heutzutage gehört Liegnitz zu Polen und heißt Legnica. Auch der letzte Verein kam aus dem heutigen Polen und war der BuEV Danzig. Diesen Verein sollte es bis zum Ende des zweiten Weltkrieges geben. Das Turnier begann am 5. Mai. Der Berliner TuFC Viktoria setzte sich in Danzig 7:0 durch. Leipzig gewann in Dresden gegen Liegnitz 3:2. Hier besiegte den Berliner FC Preussen in Hamburg 2:1. Und Karlsruhe schoss Köln in Mönchengladbach 8:1 ab. Beim Sieg von Karlsruhe ist noch einmal zu erwähnen, dass Max Breuning und Julius Hirsch trafen. Breuning sollte schon 1933 in die NSDAP eintreten, Hirsch war Jude und wurde von den Nazis ermordet. Im Halbfinale gewann Kiel in Berlin gegen die Berliner TuFC Viktoria 2:1 nach Verlängerung und Karlsruhe gewann in Frankfurt 3:1 gegen Leipzig. Held der Kieler war David Binder, der beide Tore in der Verlängerung für sein Team schoss. Allerdings endete leider auch sein Leben tragisch, im November 1917 starb er mit 23 Jahren im ersten Weltkrieg, 1915 wurde ihm noch das Eiserne Kreuz verliehen. Für Karlsruhe erzielte alle drei Tore Fritz Förderer. Das Finale fand am 26 Mai 1912 in Hamburg statt. Holstein Kiel traf auf den Karlsruher FV. Ernst Möller konnte das einzige Tor des Spiels in der 52 minute per Elfmeter für Kiel erzielen. Leider sollte auch er im ersten Weltkrieg sein Leben lassen. 2018 hat übrigens ein Fanclub von Holstein Kiel sich nach Ernst Möller benannt. 2023 wurde entschieden, dass die zukünftige zufahrtsstraße zum Holstein Stadion auf den Namen Ernst Möller Straße getauft wird. Die deutsche Nationalmannschaft bestritt 1912 insgesamt acht Spiele. Und man kann es vorwegnehmen, dabei waren einige wilde Spiele. So z.B am 24 März 1912 gegen Holland in Zwolle. Es gab ein vogelwildes 5:5. Julius Hirsch konnte vier Tore schießen. Wieder spielte er übrigens mit Max Breuning zusammen, dem ein Eigentor unterlief. Am 14 April führte Deutschland bereits 4:1 gegen Ungarn, am Ende sollte es aber ein 4:4 geben. Erst 100 Jahre später im Jahr 2012 sollte Deutschland noch mal eine noch höhere Führung verspielen. Im Mai gab es einen 2:1 Sieg über die Schweiz, dann im Juni ein 1:5 gegen Österreich. Dieses Spiel war das erste pflichtspiel der deutschen Geschichte denn es fand während der Olympischen Spiele in Schweden statt. Auch das nächste Spiel war historisch, es fand im Rahmen der Trost Runde der Olympischen Spiele statt und war ein 16: 0 über Russland. Gottfried Fuchs konnte sage und schreibe zehn Tore erzielen. Er musste Deutschland 1937 über die Schweiz zunächst nach Frankreich und später nach Kanada verlassen, weil er jüdischen Glaubens war. Als 1972 das Olympiastadion in München eingeweiht wurde, mit einem Spiel gegen die Sowjetunion machte Sepp Herberger den Vorschlag, dass der Verband Gottfried Fuchs auf Kosten des Verbandes einladen könnte. Also als Ehrengast sozusagen. Der Verband hat das dann abgelehnt. Und jetzt ganz kurz mal etwas dazu, ich bin echt nicht der Typ, der der Meinung ist dass wir unsere Geschichte immer auf die 12 Jahre reduzieren sollten. Aber wir dürfen sie auch nicht vergessen und hier hat der DFB echt die Chance auf eine Art Wiedergutmachung vergeben. Deutschland sollte dann beim nächsten Spiel der Trost Runde mit 1:3 gegen Ungarn verlieren, womit Olympia beendet war. Es folgten noch Niederlagen in Freundschaftsspielen gegen Dänemark (1:3) und die Niederlande (2:3). In England holten sich die Blackburn Rovers den Titel. FA Cup Sieger wurde überraschend Zweitligist FC Barnsley. Für die Tykes sollte es der bis heute einzige große Titel bleiben. Mit David McLean von Sheffield Wednesday, George Holley ( Sunderland) und Harry Hampton ( Aston Villa) gab es gleich drei Torschützenkönige. Vielleicht kann man sagen, dass McLean die größte Legende ist, er machte in seiner Karriere in 669 spielen 395 Tore. In Spanien nahmen nur vier Teams in diesem Jahr teil. Athletic Bilbao und die Infanterie-Akademie von Toledo zogen sich zurück. Im Halbfinale gewann der FC Barcelona gegen Espana de Barcelona 3:0. Um das übrigens klarzustellen der FC Espana ist nicht zu verwechseln mit Espanyol Barcelona. Heutzutage gibt es diesen Verein nicht mehr. Im anderen Halbfinale gewann Gimnastica de Madrid gegen Irun Sporting Club 2:1. Das Finale sollte ursprünglich am 3 April stattfinden, aber das war der Kar Mittwoch, was in Spanien damals eine große Bedeutung hatte. So entschied man sich am 7 April zu spielen. Gespielt wurde in Barcelona im Camp del Carrer Industria. Dieses Stadion sollte es bis 1922 geben und es hat für die Geschichte des FC Barcelona eine gewisse Bedeutung, weil dadurch der Spitzname Cules der Fans entstanden ist. dabei ging es darum wenn das Stadion richtig voll war, saßen die Zuschauer bis ganz oben auf den Tribünen und man konnte von außen ihre Hintern sehen, und Cules heißt nichts anderes als Ärsche. Als Real Madrid Fan sage ich jetzt mal nichts dazu, dass das die Bezeichnung für Fans des FC Barcelona ist... Barca sollte dieses Spiel dann mit 2:0 gewinnen, Alfredo Massana und Jose Rodriguez sorgten für die Tore. In Italien gab es wieder zwei Gruppen, deren Meister dann ein Endspiel bestreiten sollten, die Gruppen waren aber wieder sehr unterschiedlich groß. In der kleinen Gruppe spielt nur vier Teams, das waren der SSC Venedig Vicenza Calcio, Hellas Verona und der FC Bologna. Venedig setzte sich knapp durch, kurios dabei ist, dass sie als einziges Team am Ende ein negatives Torverhältnis haben sollten. In der größeren Gruppe spielten zehn Teams. Piemonte FC, US Milanese, Juventus Turin, SG Andrea Doria, AC Casale, FC Turin, Inter Mailand, CFC Genua, AC Mailand und SG Pro Vercelli. Es war ein Kopf an Kopf Rennen zwischen Milan und Pro Vercelli. Am Ende setzte sich aber letztgenannte mit einem Punkt Vorsprung durch. Die beiden Finalspiele zwischen Pro Vercelli und Venedig waren dagegen ziemlich langweilig, Pro Vercelli siegte 6:0 und 7:0 Zum Schluss noch wie ihr es gewohnt seid der Blick nach Frankreich. Im Jahr 1912 sollte es insgesamt vier verschiedene französische Meister. Champion der USFSA war Stade Raphaëlois nach einem 2:1 nach Verlängerung gegen AS Francaise Paris. Stade Raphaëlois hatte durchaus eine lange Tradition, seit Juni 2009 gibt es den Verein aber nicht mehr, er ging in einer Fusion mit Etoile Frejus Saint Raphäel auf. In der FGSPF setzte sich Etoile des Deux Lacs Paris durch. In der FCAF gewann VGA du Médoc Bordeaux. Dieser Verein existiert heute nicht mehr, er hatte aber in den 1910er Jahren in Frankreich durchaus Bedeutung. Meister der LFA war Red Star AC Paris diesen Verein gibt es heute noch, er spielt in der zweiten Liga. In den 20er Jahren holte man ein paar mal den französischen Pokal, das gelang dann auch 1942 noch mal. Gemeinsamer Meister wurde dann Etoile des Deux Lacs Paris nach einem 3:1 über Red Star