Fussballjahr 1927

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Bevor es für uns alle ins Wochenende geht, habe ich noch eine frische Folge meiner Serie Fußball History für euch. Heute sind wir im Jahr 1927. Und auch heute schauen wir auf das, was in Deutschland passiert ist, in der Nationalmannschaft und blicken ins Ausland nach England, Spanien, Italien und Frankreich. Heute haben wir: Eine Fürther Legende, die in Heilbronn für Drama sorgt, einen schottischen Verein der von manchen als Sieger der Copa del Rey 1927 angesehen wird und einen Skandal in Italien Starten tun wir wie immer in heimischen Gefilden und damit in Deutschland. Es war die 20 Meisterschaft die ausgetragen wurde und es nahmen erneut 16 Teams Teil. Darunter einige Teams die schon früher mal dabei waren wie der FC Titania Stettin, der VfB Königsberg, Vereinigte Breslauer Sportfreunde, Hertha BSC Berlin, VfB Leipzig, Holstein Kiel, Hamburger SV, Duisburger SpV, 1. FC Nürnberg und SpVgg Fürth. Neu waren der Breslauer FV 06, dieser Verein existierte bis zum Ende des zweiten Weltkrieges danach fiel Breslau bekanntlich an Polen, dann gab es die Berliner FC Kickers 1900, ich muss gestehen dass es wieder so ein Verein, von dem ich davor noch nichts gehört habe. Allerdings gibt es diesen Verein noch heute, er spielt in der Kreisliga B. Vereinsfarben sind grün-weiß-rot und was mir persönlich auffällt, das Logo hat in der Mitte ein rotes K und irgendwie muss ich dabei an den Kicker denken. Ebenfalls zum ersten Mal dabei war der Chemnitzer BC und nein, dabei handelt es sich nicht um eine frühere Form des Chemnitzer FC. Den Chemnitzer BC gibt es auch nicht mehr allerdings gibt es einen nachfolgerverein, der seit 2018 besteht und sich zumindestens auf die Tradition des Chemnitzer BC bezieht, aber kein direkter Rechtsnachfolger ist. Die letzten drei neuen sind große Namen und müssen nicht großartig vorgestellt werden, es handelt sich um den FC Schalke 04, Fortuna Düsseldorf und 1860 München, wobei man hier dazu sagen muss, dass der Verein damals noch als SV 1860 München antrat. Im Achtelfinale gewannen die Löwen gegen Schalke und das ausgerechnet in Dortmund mit 3:1. Der HSV besiegte Düsseldorf in Düsseldorf 4:1. Nürnberg spielte in Fürth gegen den Chemnitzer BC und setzte sich 5:1 durch. Hertha BSC konnte in Königsberg mit 2:1 triumphieren. Leipzig gewann zu Hause 3:0 gegen Breslau. Die Berliner Kickers besiegten Duisburg in Berlin mit 5:4 nach Verlängerung, Holstein Kiel siegte gegen Titania Stettin 9:1. Und Fürth setzte sich in Breslau 3:1 durch. Im Viertelfinale kam es zum Duell zwischen dem HSV und Nürnberg, dieses Duell konnte der FCN 2:1 gewinnen. Hertha besiegte Kiel mit 4 zu 2. Die Löwen setzten sich in München 3:0 gegen Leipzig durch. Fürth besiegte in Nürnberg die Berliner Kickers 9:0. Nürnberg besiegte dann im Halbfinale 1860 mit 4:1, die Hertha gewann in Leipzig 2:1 gegen Fürth. Das ist ein bisschen schade, nichts gegen Hertha BSC aber es hätte schon etwas gehabt wenn wir dieses Finale Nürnberg gegen Fürth bekommen hätten. Endspiel fand dann am 12 Juni 1927 in Berlin statt. Gespielt wurde im sogenannten Stadion deutscher Stadion, vor 50000 Zuschauern, dass es interessant, weil eigentlich war die Kapazität nur für 33.000 Zuschauer ausgelegt. Dieses Stadion hatte auch kein langes Leben, 1913 wurde es eröffnet 1934 schon wieder abgerissen. Interessant zu erwähnen ist, dass auf den Trainerbänken zwei Ausländer saßen. Nürnberg wurde von dem Engländer Fred Spiksley trainiert. Er war bereits zum zweiten Mal in Nürnberg, schon von 1913 bis 1914 trainierte er die Franken, davor war er auch mal kurz bei 1860. Als Trainer kam er viel rum, war unter anderem in Schweden Mexiko Spanien und auch in der Schweiz. Bei den Berlinern saß Alexander Popovich. Er war ein Österreicher der später unter anderem auch Lazio Rom und den FC Bologna trainieren sollte. Nürnberg ging nach sechs Minuten durch Hans Kalb in Führung. Kalb war nicht nur fußballspieler und später Trainer, er war tatsächlich auch Zahnarzt. In den 30er Jahren nahm er ziemlich zu, das hat der damalige Herausgeber des Kickers Walther Bensemann 1930 ziemlich böse kommentiert, mit Kalb ist ein System gefallen, ja ich möchte sagen, die letzte Hoffnung auf Jahre hinaus. Ich fürchte das den sieben fetten sieben magere Jahre folgen werden. In der 65 minute sorgte Heinrich Träg für das 2:0. Es war sein letztes Spiel und er hatte so ein bisschen den Ruf, ein schwieriger Charakter zu sein und dazu passt er auch, dass er 10 Minuten nach diesem Tor vom Platz flog. Am 2:0 Sieg der Franken änderte das aber nichts mehr. Torschützenkönig wurde Andreas Franz von der SpVgg Fürth. Ihn darf man wirklich als Legende bezeichnen, er machte 309 Spiele für sein Team und schoss dabei 333 Tore. Allerdings hatte er einen tragischen Einfluss auf einen anderen Verein. 1933 ging er zum VfR Heilbronn und war dort Sportlehrer und Stürmer. Dafür bekam er 250 reichsmark pro Monat, ein Spieler eines Konkurrenten bekam davon Wind und verpfiff ihn. Der VfR Heilbronn wurde dafür vom DFB ausgeschlossen und alle Spieler als Niederlagen gewertet, das führte zum Abstieg und dann auch zur Auflösung des VfR. Die Nationalmannschaft spielte 1927 nur drei Spiele und tatsächlich ausnahmsweise mal nicht gegen die Schweiz. Zunächst unterlag man Dänemark in Kopenhagen im Oktober mit 1:3. Gegen Norwegen gelangen in Altona nach 0:2 Halbzeit-Rückstand noch ein 6:2 Sieg. Und im November gab es in Köln ein 2:2 gegen Holland. In England holte sich Newcastle den Titel mit fünf Punkten Vorsprung auf Huddersfield. Zum ersten Mal nach drei Jahren gab es mal wieder einen anderen Meister. Absteigen mussten Leeds und West Bromwich. Leeds verlor am letzten Spieltag bei Sheffield Wednesday und der FC Everton rettete sich mit einem Heimsieg über den FC Burnley. Torschützenkönig mit 37 Toren wurde Jimmy Trotter. Er spielte für Sheffield Wednesday und in seiner Zeit dort konnte er 154 Spielen 109 Tore markieren. Den FA Cup gewann Cardiff City. Hughie Ferguson markierte den 1:0 Siegtreffer im Finale für 91.200 Zuschauern gegen Arsenal. Und es sorgte für eine kleine Krise in England, denn es war das erste Mal und sollte dann auch das einzige Mal bis heute bleiben, dass der FA Cup von einem nicht englischen Verein gewonnen wurde. Dass der Torschütze des entscheidenden Tores Schotte war machte es jetzt aus englischer Sicht auch nicht wirklich besser. Und um das englische Unglück perfekt zu machen, wurde Tom Farquharson , der aus Irland stammende Torhüter von Cardiff zum besten Spieler gewählt. Er bekam einen Ball, den er dann aber der Kirche spendete. Des weiteren wird erwähnt dass es eine fantastische Stimmung damals im Stadion gegeben haben soll und noch heute wird dieses Finale als Gesangsfinale bezeichnet. In Spanien wurde die Meisterschaft noch mal im Pokal ausgetragen, es sollte das vorletzte Mal sein, dass der Titel so vergeben würde, ab 1929 gab es dann die Primera Division. Erneut durfte jede Region zwei Teams stellen. Aragonien stellte Iberia SD und Real Saragossa. Asturin Sporting Gijon und Club Fortuna. Bizkaia Arenas Club und Athletic Bilbao. Galicien Deportivo La Coruna und Celta Vigo Extremadura CD Extremeno und FC Patria. Aus Gipzukoa Real Sociedad San Sebastian und Real Union Irun Kantabrien Racing Santander und Gimnastica de Torrelavega. Kastilien und Leon Union Deportiva und CD Espanol. Katalonien FC Barcelona und CD Europa. Murcia Real Murcia und FC Cartagena Centro Real Madrid und Athletic Madrid Süden stellte den FC Sevilla und Betis Sevilla Und die Region Valencia den FC Valencia und CD Castellon. Bevor wir ans sportliche gehen, noch eine kleine Aufklärung. Es gibt Berichte, dass die Copa del Rey 1927 vom schottischen FC Motherwell gewonnen worden wäre, das ist nicht ganz richtig aber auch nicht völlig falsch. Tatsächlich gab es ein inoffizielles Turnier an dem der FC Motherwell, Real Madrid und Swansea City teilgenommen haben, Motherwell hat dieses Turnier gewonnen. Offiziell zählte dieses Turnier aber nicht, auch wenn die Schotten einen Pokal bekamen. Die 26 Teams des offiziellen Turniers wurden auf 6 Dreiergruppen und zwei Vierergruppen verteilt. In Gruppe A spielten Real Madrid der FC Sevilla und CD Extremeno. Extremeno war fürchterlich überfordert und bekam in jedem Spiel mindestens sechs gegentore, am Ende waren es in vier Spielen 33. Real Madrid und Sevilla waren zum Schluss punktgleich und mussten ein Entscheidungsspiel bestreiten, das gewann Real 3 zu 1. In Gruppe B waren CD Europa, CD Castellon und FC Cartagena. Hier wurde es richtig kompliziert, alle Teams konnten zwei Spiele gewinnen und verloren zwei Spiele, so mussten im Prinzip drei entscheidungsspiele her, also alle mussten auf neutralem Ort, genau genommen in Madrid, noch mal gegeneinander spielen. Hier konnte sich dann Europa mit zwei Siegen durchsetzen. In Gruppe C spielten dann vier Teams, nämlich Gijon, La Coruna, Santander und Union Deportiva. Gijon konnte sich relativ deutlich mit fünf Siegen durchsetzen. In Gruppe D waren es dann wieder drei Teams, Real Union Irun, Athletic Bilbao und Real Saragossa. Irun und bebau waren am Ende Punktgleich und mussten ein Entscheidungsspiel bestreiten, welches Irun gewinnen konnte mit 2:1. Gruppe E gewann der FC Barcelona vor dem FC Valencia und Real Murcia. Gruppe F konnte Betis Sevilla vor Athletic Madrid und Patria gewinnen. Gruppe G sicherte sich Arenas vor San Sebastian und Iberia. Bei war ein Entscheidungsspiel nötig, dass Arenas 2:1 gewinnen konnte. In Gruppe H gab es dann wieder 4 Teams. Vigo gewann alle Spiele und erzielte dabei 34 Tore, Torrelavega, Club Fortuna und CD Espanol hatten keine Chance. Im Viertelfinale kam es zu einer kuriosen Situation. Es gab noch immer die Regel, dass wenn beide Teams ein Spiel gewinnen, es dann zu einem Entscheidungsspiel kommen muss. Diesmal mussten alle vier Duelle in ein Entscheidungsspiel. Gijon verlor sein Entscheidungsspiel gegen Irun 1:3. Real Madrid setzte sich im Entscheidungsspiel gegen Europa 8:1 durch, Arsenas besiegte Vigo 3 zu 2 und Barcelona gewann 1:0 gegen Betis Sevilla. Im Halbfinale wurde nur jeweils ein Spiel gespielt und zwar auf neutralen Boden in Saragossa. Irun besiegte Real Madrid 2:0 und Arsenas feierte einen 4:3 Sieg über den FC Barcelona. Das Endspiel zwischen Irun und Arenas fand am 15 Mai 1927 ebenfalls in Saragossa vor 16.000 Zuschauern statt. Lange Stand ist 0:0, Rene Petit hätte die Verlängerung mit einem Elfmeter verhindern können, doch er scheiterte an Jose Maria Jauregui im Arsenas Tor. Das entscheidende Tor gelang dann Jose Echeveste in Minute 117 für Irun. Dieser Sieg sollte aber auch den letzten Titel für den kleinen Club darstellen, mittlerweile findet man ihn nur noch in der dritten Liga.. Gehen wir nach Italien. Und hier wurde es turbulent. Zunächst einmal kann ich sagen, der Modus wurde deutlich vereinfacht. Es gab keinen Nord- und Südmeister mehr, sondern 20 Teams, die auf zwei Zehner liegen aufgeteilt waren, die besten drei jeder Gruppe qualifizierten sich für die Finalrunde. Allerdings war die Verteilung zwischen Teams aus dem Norden und Süden sehr ungleich, 17 der 20 Teams waren aus dem Norden. Absteiger sollte es in diesem Jahr nicht geben, aber dazu komme ich gleich noch. In der ersten Gruppe waren der AC Neapel, Alba Roma, Hellas Verona, FBC Brescia, FC Modena, SG Pro Vercelli, AS Casale, CFC Genua, Inter Mailand und Juventus Turin. Neapel konnte in all seinen spielen gerade einmal ein einziges Unentschieden einsammeln und verlor alle anderen Spiele. Alba sollte am Ende des Jahres zum AS Rom werden bzw ein Teil des AS Rom werden, der AS Rom ist ja ein Zusammenschluss mehrerer römischer Clubs. Durchsetzen konnten sich Genua, Inter und als Sieger der Gruppe Juventus, wobei Inter und Juventus die gleiche Punktzahl hatten. In Gruppe B befanden sich Pro Roma, US Cremonese, SG Andrea Doria, Calcio Padova, SG Sampierdarenese, AS Livorno, US Alessandria, FC Bologna, AC Mailand und der FBC Torino. Andrea Doria und Sampierdarenese sollten danach fusionieren zum AC La Dominante Genua. Diese Fusion wurde 1945 kurzfristig gelöst 1946 fand man aber wieder zusammen und gründete Sampdoria Genua. Bologna Milan und der FBC Turin zogen in die nächste Runde ein. Hier spielten dann der FBC Turin, der FC Bologna, Juventus Turin CFC Genua und die beiden Mailänderclubs Inter und AC. Der FBC Turin konnte sich durchsetzen und war italienischer Meister. Aber nur kurz. Es wurde bekannt, dass die Verantwortlichen des FBC vor dem letzten Spiel gegen Juventus Turin Juve Spieler Luigi Allemandi 50.000 Lira anboten, damit dieser schlecht spielt und Torino gewinnt. Er lehnte das Geld ab und Torino gewann das Spiel trotzdem mit zwei zu eins und damit auch die Meisterschaft, doch im Nachhinein flog die versuchte Bestechung auf und die Funktionäre des FBC wurden teilweise lebenslang gesperrt. Der Meistertitel wurde Torino aberkannt. Einen anderen Meister wollte man aber auch nicht benennen. Was ich ein bisschen bemerkenswert finde ist dass der Spieler Luigi Allemandi zunächst auch für ein Jahr gesperrt wurde obwohl er sich geweigert hatte mitzumachen. Eine Sache wäre vielleicht noch zu erwähnen, mit Antonio Powolny holte sich ein Österreicher in Diensten von Inter Mailand mit 22 Toren die Torjägerkrone. Gucken wir zum Schluss noch nach Frankreich ich habe euch ja schon häufig gesagt dass das am Anfang immer sehr sehr schwer ist mit dem französischen Meister, es wird noch mal ein bisschen komplizierter, bevor es ab Anfang der 30er Jahre dann wirklich besser wird. Also ich kann euch versprechen ab der Saison 32/33 haben wir einen wirklichen französischen Meister. Nun also 1927 war es so, dass es immer noch kein offiziellen Meister gab, aber es gab so etwas wie einen Amateurmeister und das war 1927 CA Paris. Diese nicht offiziellen Meisterschaften wurden dann bis 1929 gespielt, dann gab es 1930 gar keinen Meister, und 1931 und 32 noch mal etwas anderes. Ich möchte euch diese Amateurmeister nicht vorenthalten, ich denke aber, dass es trotzdem das Beste ist wenn wir in erster Linie dann auf den französischen Pokal gucken denn das kam den französischen Meister damals am nächsten. Deshalb schauen wir auf den Coupe de France 1926/1927. Und wir steigen wieder im Halbfinale ein. Im Halbfinale traf Olympique Marseille auf CA Paris. Nach einem 1:1 nach Verlängerung im ersten Spiel gewann Marseille das Entscheidungsspiel mit 6:0 Im anderen Halbfinale setzte sich US Quevilly nach einem 1:1 nach Verlängerung im ersten Spiel und einem 1:0 im Entscheidungsspiel gegen Stade Raphaëlois durch. Das Finale stieg dann am 8 Mai 1927 im Stade de Colombes, etwa 10 km nordwestlich von Paris. 23800 Zuschauer waren im Stadion. Marseille ging in der 34 minute durch Raymond Durand in Führung. 2 Minuten später erhöhte Maurice Gally auf 2:0. In Minuten 89 sorgte Jules Dewaquez für den Endstand von 3:0 für Marseille. Zum zehnjährigen Jubiläum des Coupe de France gab sich zum ersten Mal der Staatspräsident Gaston Doumerque die Ehre, den Pokal zu übergeben, dies wurde seither Tradition. Zum ersten Mal wurden auch balljungen eingesetzt, sie trugen dabei blau-weiß-rot.