Fussballjahr 1934

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Heute sind wir im Jahr 1934. Und diesbezüglich gleich mal eine Sache vorweg, heute kümmern wir uns um die Vereinssaison 1933/34. Die Fußball WM 1934 wird morgen unser Thema sein. Wie immer schauen wir nach Deutschland, auf die Nationalmannschaft, nach England Spanien, Italien und Frankreich. Heute haben wir einen neuen Modus in Deutschland, eine traurige Geschichte in England, der erste Meister Italiens muss absteigen und ein unfassbar spannendes Titel Finale in Frankreich Legen wir los in Deutschland. Hier muss man zunächst einmal erklären, dass die Nationalsozialisten den Modus geändert hatten. Deutschland wurde in Sachen Fußball in 16 Sportgaue unterteilt und dort gab es in der Regel zehn Mannschaften. Der Meister qualifizierte sich für die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft. Dort gab es dann zunächst vier Vierergruppen und der jeweilige Gruppensieger zog ins Halbfinale ein. Kommen wir zum teilnehmerfeld, 9 Vereine waren schon früher mal dabei gewesen, so z.B Viktoria Stolp, der BFC Viktoria, der Beuthener SuSV, der Dresdner SC, der Hallesche FC Wacker ( das hat nichts mit dem Halleschen FC von heute zu tun), der FC Schalke 04, der VfL Benrath, Borussia Fulda und der 1. FC Nürnberg. Es gab aber gleich sieben Neulinge. Beginnen wir mit Preußen Danzig, dieser Verein wurde 1909 gegründet und konnte 1934 die Gauliga Ostpreußen gewinnen. Nachdem Danzig nach dem zweiten Weltkrieg an Polen fiel, war die Existenz des Vereins zu Ende. Dann haben wir den Eimsbütteler TV. Der Verein aus Hamburg existiert heute noch und spielt aktuell in der Oberliga. Er sorgte in der jüngeren Vergangenheit nur noch einmal für negative Schlagzeilen, im Juni 2011 trat die gesamte Mannschaft des Vereins, der damals in der landesliga spielte mit Trainer aus dem Verein aus und Tage später auch die zweite Mannschaft. Hintergrund war dass es Streit zwischen dem Verein und den Spielern gab, wie die Einnahmen aus dem DFB-Pokal verteilt werden sollten. Der nächste Name muss nicht großartig vorgestellt werden, es handelt sich um den SV Werder Bremen. Über Werder muss man glaube ich nicht viel sagen, es ist ganz klar die Nummer eins in Bremen und einer der größten Clubs in Deutschland. Dann haben wir den Mülheimer SV, dieser Verein existiert heute nicht mehr, er wurde am 28 Juli 1949 aufgelöst. Damals fusionierte man mit dem VfR Köln zum SC Rapid Köln, daraus ging dann später irgendwann Viktoria Köln hervor. Als nächstes kommt wieder ein ziemlich prominenter Name, nämlich die Kickers Offenbach. Der OFC war immerhin sieben Jahre Teil der Bundesliga und konnte 1970 den DFB-Pokal gewinnen. Allerdings befindet sich der Verein mittlerweile schon seit 14 Jahren in der Regionalliga. Dann haben wir den SV Waldhof Mannheim, auch Mannheim muss nicht großartig vorgestellt werden, der Verein stand in der frühen Zeit lange im Schatten des VfR Mannheim, hat den tivalen dann aber immer weiter überholt und abgehängt. Insgesamt sieben Jahre gehörte man zur Bundesliga. Seit einigen Jahren spielt der Waldhof nun in der dritten Liga. Der letzte Neuling ist ein eher kleiner Club es handelt sich um Union Böckingen, der Verein an sich existiert heute noch, aber die Fußballabteilung hat sich 2012 in den FC Union Heilbronn abgespalten. Wie schon erwähnt wurden die Teams zunächst in vier Gruppen zu jeweils vier Teams eingeteilt. Nur der Sieger der jeweiligen Gruppe erreichte die nächste Runde. In Gruppe A spielten der BFC Viktoria, der Beuthener SuSV, Viktoria Stolp und Preußen Danzig. Die Viktoria konnte alle sechs Spiele gewinnen und setzte sich souverän vor Beuthen durch. Gruppe B war da schon umkämpfter, hier gab es Schalke 04, den VfL Benrath, Werder Bremen und Eimsbütteler TV. Während die beiden Nordclubs frühzeitig keine Chance mehr hatten, kam es am letzten Spieltag zu einem Endspiel zwischen Benrath und Schalke. Gespielt wurde in Duisburg, schalke konnte sich mit zwei zu null durchsetzen und verdrängte so Benrath von Platz 1. Gruppe C bildeten Waldhof Mannheim, Mülheim, Offenbach und Böckingen. Vor dem letzten Spieltag lag offenbach zwei Punkte hinter Mannheim und hatte noch eine klitzekleine Chance ins Halbfinale einzuziehen, doch man verlor selber mit 1:3 gegen Mühlheim und das ausgerechnet in Frankfurt. Aber auch ein seekette nichts geändert, denn Mannheim gewann 6:0 gegen Böckingen. Gruppe D war ein Zweikampf zwischen Nürnberg und Dresden, Fulda und Halle spielten keine Rolle. Vor dem letzten Spieltag führte Dresden mit zwei Punkten Vorsprung und musste zu Hause gegen Nürnberg ran, verlor das Spiel aber mit 0:1. Nürnberg erreichte so dass Halbfinale. Allerdings war das aus Sicht der Sachsen richtig bitter, denn man war immer noch punktgleich mit den Franken und hatte sogar das bessere Torverhältnis doch damals zählte der bessere Torquotient. Und da lagen die Franken vorne. Im Halbfinale gewann Nürnberg in Leipzig 2:1 gegen den BFC Viktoria. Schalke setzte sich in Düsseldorf 5:2 gegen Mannheim durch. Das Finale in Berlin fand am 24 Juni 1934 statt. 45.000 Zuschauer waren anwesend. Nürnberg konnte in der 54 minute durch Georg Friedl in Führung gehen. Lange Zeit deutete alles auf einen Meistertitel für die Franken hin, doch in der 88 minute gelang Fritz Szepan der Ausgleich für Schalke. Er war eine echte Schalkerlegende in 324 spielen zwischen 1925 und 1949 konnte er 234 Tore schießen. Von 1949 bis 1954 sollte er Schalke dann auch trainieren, erst danach wurde er seinem Verein mal kurz untreu und trainierte für zwei Jahre Rot-Weiss Essen. Es roch nach Verlängerung, doch dazu kam es nicht, weil eine weitere Vereinslegende für Schalke erfolgreich war, diesmal war es Ernst Kuzorra. Er konnte in der 90 Minute Schalke zur ersten Meisterschaft führen. Auch er ist natürlich eine absolute Legende auf Schalke. In 474 Spielen konnte er 442 Tore schießen, interessanterweise war er kurzzeitig auch Trainer von Borussia Dortmund. Schalke war zum ersten Mal deutscher Meister. Kommen wir zur deutschen Nationalmannschaft, hier kurz ein Hinweis, die deutsche Nationalmannschaft hat 1934 an der Weltmeisterschaft teilgenommen. Hier in diesem Bereich werden wir jetzt nur kurz auf die Spiele eingehen, morgen wenn wir über die WM 1934 reden sprechen wir intensiv darüber. Die deutsche Mannschaft spielte 1934 acht Spiele. Es begann mit einem 3:1-erfolg über Ungarn in Frankfurt. Dabei wurde übrigens Geschichte geschrieben, Hans Stubb traf mit einem Freistoß aus 60 bis 70 m Entfernung zum zwischenzeitlichen 2:1. Es ist bis heute das Tor aus den größten Distanz für die deutsche Nationalmannschaft. Am 11 märz gab es dann einen 9:1 Sieg in Luxemburg, es war zum einen das 100 Spiel einer deutschen Nationalmannschaft und zum anderen ein Spiel der WM-Qualifikation. Genau genommen das erste Spiel der deutschen Mannschaft im Rahmen einer WM-Qualifikation in der Geschichte. Es sollte auch das einzige Spiel bei dieser WM-Qualifikation bleiben. Denn Deutschland war in einer Gruppe mit Luxemburg und Frankreich und die ersten beiden qualifizierten sich und darf Deutschland und Frankreich jeweils erwartungsgemäß gegen Luxemburg gewonnen hatten, brauchte es kein Spiel zwischen Deutschland und Frankreich mehr. Bei der WM bestritt Deutschland dann insgesamt vier Spiele. Zunächst wurde im Achtelfinale Belgien mit 5:2 besiegt. Dann gab es im Viertelfinale einen 2:1 Sieg über Schweden. Es folgte jedoch im Halbfinale das Aus gegen die Tschechoslowakei mit 1:3. Zum Schluss konnte dann Österreich im Spiel um Platz 3 mit 3 zu 2 besiegt werden. Ernst Lehner Kraft dabei schon nach 25 Sekunden, es war das schnellste Tor einer deutschen Nationalmannschaft bei einer WM. Die deutsche Mannschaft beendete das Jahr mit zwei Siegen über Polen in Warschau und Dänemark in Kopenhagen mit jeweils 5:2. In England holte sich der FC Arsenal am vorletzten Spieltag den Titel mit einem 2:2 bei Chelsea. Alex James und Cliff Bastin trafen für das Team aus dem Norden Londons. Für Arsenal war es auch deshalb ein besonderer Titel, weil ihr Trainer Herbert Chapman im Januar völlig überraschend an einer Lungenentzündung starb. Er hatte Arsenal seit 1925 aufgebaut und konnte nun den größten Erfolg nicht mehr miterleben. Und auch im Abstiegskampf war schon vor dem letzten Spieltag alles entschieden, Birmingham City rettete sich am vorletzten Spieltag mit einem furiosen 7:3 Sieg bei Leicester. Newcastle musste nach einer Niederlage in Stoke zusammen mit Sheffield United absteigen. Torschützenkönig wurde Jack Bowers mit 34 Toren von Derby County. Genau wie Arsenal die Meisterschaft verteidigen konnte, konnte er seinen Titel als Torschützenkönig verteidigen. Der FA Cup wurde von Manchester City gewonnen, sie besiegten im Finale den FC Portsmouth 2:1. Portsmouth war durch Septimus Rutherford in Führung gegangen, doch ein Doppelpack von Fred Tilson brachte Manchester City den Sieg. In Spanien gab es um den Titel in diesem Jahr einen Zweikampf zwischen Bilbao und Madrid. Schon am vorletzten Spieltag hätte Bilbao Meister werden können, doch ausgerechnet der FC Barcelona, der ansonsten eine katastrophale Saison spielte, besiegte die Basken und leistete Hilfe für den verhassten Rivalen aus Madrid. Madrid, das auch in dieser Saison unter dem Namen Madrid FC antreten musste, besiegte Oviedo 5:1 und drück dir bis auf einen Zähler an Bilbao ran. Madrid musste zu Espanyol Barcelona und Bilbao empfing Santander. Madrid ging zwar zweimal in Führung, doch Barcelona kam jedes Mal zurück und Edelmiro besorgte in der 89 Minute das 2:2 und damit die Meisterschaft für Bilbao. Aber die besten waren nicht auf schützenhilfe angewiesen, sie konnten selber Santander mit 3:1 besiegen. Madrid konnte sich mit dem Sieg in der Copa del Rey trösten. Glück hatte Arenas. Sie wurden abgeschlagen letzter, durften aber in der Liga bleiben, weil der spanische Verband beschlossen hatte die Liga auf 12 Teams zu erhöhen und es so in dieser Saison keinen Absteiger gab. Torschützenkönig wurde Isidro Langara. Er spielte für Aufsteiger Oviedo und konnte 27 Tore schießen. Er wurde in den nächsten beiden Jahren ebenfalls Torschützenkönig und konnte insgesamt in 61 spielen für sein Team 81 Tore schießen. Später war er auch in Argentinien bei San Lorenzo erfolgreich und schoss in 121 Spielen 110 Tore. Mit seinen Zahlen wäre er in der heutigen Zeit wahrscheinlich locker 180 Millionen wert . In der Serie A holte sich erneut Juventus souverän den Titel. Schon an Spieltag 32 macht die Juventus mit einem 2:0 Sieg bei Lazio alles klar. Absteigen mussten in diesem Jahr drei Teams. Casale war von Anfang an chancenlos und früh abgestiegen. Der CFC Genua musste sich nach dem 32 Spieltag und einer Niederlage in Palermo verabschieden. Für den ersten italienischen Meister der Geschichte hieß es damit zum ersten Mal zweite Liga. Um den dritten Absteiger gab es noch etwas Spannung am letzten Spiel. Padova hatte 2 Punkte Rückstand auf Triestina. Und sie spielten zu Hause gegen Absteiger Genua, kamen aber nicht über ein 0:0 raus. Damit war auch Padova abgestiegen. Torschützenkönig wurde erneut Felice Borel. Der Spieler von Juventus konnte 32 Tore schießen. In Frankreich gab es in dieser Saison nur noch 14 Vereine. Eine Aufteilung wie im Vorjahr in zwei Gruppen gab es diesmal nicht mehr. Im Abstiegskampf gab es keine Spannung. CA Paris und der OGC Nizza standen schon früh als Absteiger fest. Pure Dramatik buttergegen der Kampf um die Meisterschaft. Am letzten Spieltag hatten noch vier Teams die Chance auf den Titel. Die Pole Position hatte Olympique Marseille. Marseille war bei 33:17 Punkten und hatte alles in der eigenen Hand. Lille lauerte mit 32:18 Punkten, ebenso der FC Sete. Eine ganz kleine Chance hatte auch noch der SC Fives Lille mit 31:19. Und Fives tat, was es tun konnte und gewann am letzten Spieltag mit 1:0 gegen Roubaix. Der FC Sete setzte sich mit 4 zu 2 gegen Antibes durch und damit war schon mal klar, dass Fives nicht Meister werden würde. Die Chance, dass es der FC Sete werden würde war aber verschwinden gering, denn die anderen beiden Titelkandidaten, Olympique Lille und Olympique Marseille hatten leichte Auswärtsaufgaben gegen die Absteiger. Doch Lille patzte in Nizza 2:3. Damit war klar, dass es keine Titelverteidigung geben würde. Doch da war ja immer noch Marseille und die spielten gegen CA Paris. Ein Team, dass in dieser Saison hoffnungslos überfordert gewesen war, und bereits 89 Gegentore in 25 Spielen kassiert hatte, da konnte doch nichts mehr schief gehen. Tat es aber. Marseille verlor fast schon sensationell mit 3 zu 1. Und so war völlig überraschend der FC Sete französischer Meister. Noch ein Wort zu CA Paris. Dieses Spiel war das letzte das war eines in der ersten französischen Liga und man verabschiedete sich mit einem Knall. Torschützenkönig wurde Istvan Lukcas vom neuen Meister , er selbst kam aus Ungarn und konnte 28 Tore schießen.