Fussballjahr 1938

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Es ist Zeit für eine weitere Folge meiner Serie Fußball History und heute sind wir im Jahr 1938. Wie ihr es ja inzwischen gewohnt seid, werde ich zu 1938 wieder zwei Folgen machen, heute reden wir über die Vereinssaison 1938, morgen über die WM 1938. Wie immer schauen wir auf Deutschland, die Nationalmannschaft, England, Spanien Italien und Frankreich. Heute haben wir Dramatik im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft, Hochspannung in England mit einem Meister in großen Problemen. Und in Frankreich gibt es das Finale des Kissens, weil es möglicherweise ein Wembley-Tor gab Los geht's in Deutschland. Erneut waren 16 Teams bei der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft dabei, 15 waren schon vorher mal dabei. Das waren Yorck Boyen Insterburg, Stettiner SC, Berliner SV, Vorwärts Rasensport Gleiwitz, BC Hartha, SV Dessau der HSV, Hannover 96, Schalke 04, Fortuna Düsseldorf, FCH Hanau, Eintracht Frankfurt, VfR Mannheim, VfB Stuttgart und. 1. FC Nürnberg. Der einzige Neuling war der Meister der Gauliga Mittelrhein. Alemannia Aachen. Die Alemannia muss man wohl nicht großartig vorstellen, ein großer traditionsverein, ich kann sagen, ich lebe relativ nah an Aachen und auch wenn die Alemannia nicht mein Verein ist, gerade zu zweitliga Zeiten hat man schon gespürt was dieser Verein den Menschen bedeutet. Aktuell befindet sich die Alemannia in der dritten Liga und hat sich nach schwachem Saisonstart gefunden. Allerdings gab es eine Kontroverse um diese Teilnahme der Alemannia, denn der SV Beuel bekam während die Deutsche Meisterschaft lief, zwei Punkte aus einem Protest zugesprochen und war so eigentlich Mittelrheinmeister, es war aber zu spät für eine Teilnahme an der Endrunde. Die 16 Teams wurden wieder in vier Vierergruppen aufgeteilt. In Gruppe A waren der HSV, Frankfurt, Stettin und Insterburg. Letztgenannte verloren alle sechs Spiele. Es entwickelte sich ein Zweikampf zwischen dem HSV und der Eintracht. Am letzten Spieltag gewann Frankfurt zwar 3:2 gegen den HSV, die Hamburger kamen aber aufgrund des besseren Torquotient weiter. In Gruppe B waren Schalke, Mannheim, Berlin und Dessau. Mannheim war vor dem letzten Spieltag Tabellenführer spielte aber nur 1:1 in Dessau. Schalke hatte sein letztes Spiel erst zwei Wochen später ebenfalls gegen Dessau und gewann mit 6:1 und zog so vorbei. Gruppe C war eine klare Angelegenheit für Fortuna Düsseldorf. Sie setzten sich souverän vor Hartha, Stuttgart und Gleiwitz durch. In Gruppe D dominierte Hannover 96 und gewann alle sechs Spiele gegen Nürnberg, Aachen und Hanau. Im Halbfinale besiegte Schalke Düsseldorf in Köln mit 1:0. Hannover setzte sich gegen den HSV in Dresden 3:2 nach Verlängerung durch. Das Spiel um Platz 3 zwischen Düsseldorf und dem HSV fand zuerst in Bremen statt und endete 0 zu 0 nach Verlängerung und im Wiederholungsspiel in Berlin siegte Düsseldorf 4:2. Das Finale fand am 26 Juni 1938 im olympiastadion vor 92.289 Zuschauern statt. Zunächst sah alles gut aus für Schalke. Ernst Poertgen brachte die Königsblauen in Minute 29 mit einem Handelfmeter in Führung. Ernst Kalwitzki erhöhte 6 Minuten später auf 2:0. 2 Minuten nach der Halbzeit konnte Richard Meng für die Niedersachsen verkürzen. Als Ernst Poertgen in Minute 67 aber das 3:1 für Schalke machte, schien die Sache klar. Doch ein Eigentor von Rudolf Gellesch in Minute 76 brachte Hannover wieder ins Spiel. Und Erich Meng sorgte in Minute 87 für den Ausgleich. Als wenige Monate der zweite Weltkrieg ausgerufen wurde, wurde er eingezogen und starb 1940. In diesem Spiel fielen keine weiteren Tore, was bedeutete, es musste ein Wiederholungsspiel geben. Dieses fand dann am 3 juli 1938 ebenfalls in Berlin statt, dieses Mal waren sogar 94.812 Zuschauer im Stadion. Und in Sachen Dramatik sollte dieses zweite Spiel dem ersten in nichts nachstehen. Richard Meng brachte Hannover in Minuten 9 in Führung. Schalke war davon aber nur wenig beeindruckt und Ernst Kuzorra gelang in Minute 23 der Ausgleich. Damit ging es in die Halbzeit. Die zweite Halbzeit war dramatisch. Kuzorra brachte Schalke in Minute 69 in Führung. Doch Richard Meng konnte ausgleichen und das nur eine Minute später. Doch wieder nur eine Minute später traf Fritz Szepan für Schalke. 3:2 für die Königsblauen. Aber in der 88 Minute schaffte Hannover durch einen Handelfmeter durch Johannes Jakobs erneut den Ausgleich. Auch er sollte den zweiten Weltkrieg nicht überleben und starb an der Ostfront. Den Siegtreffer für hannover konnte Erich Meng in der Verlängerung in der 117 Minute schießen. Erich und Richard Meng waren übrigens Brüder, die wohl ohne den Krieg eine noch viel größere Karriere gehabt hätten. Überliefert ist übrigens, dass Hans von Tschammer und Osten, der damals für den Sport zuständig war kein großer Freund dieses Sieges von Hannover 96 war. Er war Anhänger der Schalker. Gustav Carstens traf neun Mal für den HSV und wurde damit Torschützenkönig. Schauen wir auf den Pokal. Hier starten wir wieder im Achtelfinale. Der FSV Frankfurt besiegte Fortuna Düsseldorf 3:1 Der VfB Mühlburg schlug den VfB Stuttgart 2:1. Brandenburger SC 0:1 Vorwärts Rasensport Gleiwitz Rot-Weiss Essen besiegte Hertha BSC 3:0. Waldhof Mannheim besiegte Westfalia Herne 6:0 1860 München gewann 3 zu 0 gegen den Dresdner SC Nürnberg schlug den VfR Mannheim 1:0. Und Phoenix Lübeck unterliegt Blau Weiß 90 Berlin 0:1 Im Viertelfinale greift plötzlich die Politik ein. Deutschland hatte Österreich annektiert und die österreichischen Vereine wurden auch sofort in den Pokal integriert. Das bedeutet im Viertelfinale gab es nun zwei getrennte Bereiche, einmal das sogenannte Altreich und einmal die Ostmark. Im Altreich gewann Mannheim 3:2 nach Verlängerung gegen Essen. Der FSV Frankfurt besiegte Mühlburg 3:1. Blau Weiß 90 Berlin verliert 1:2 gegen 1860. Und Gleiwitz 2:4 Nürnberg. In der Ostmark verliert Admira Wien 0:6 gegen die Vienna. Wacker Wien verliert 0:1 gegen Wiener Sportclub. Rapid Wien gewann gegen SV Amateure Fiat Wien 5:1 Und der Grazer SC setzte sich 3:2 gegen Austria Wien durch Nun gab es quasi das gemischte Viertelfinale. Nürnberg konnte sich dabei mit 3:1 gegen die Vienna durchsetzen. 1860 unterlag Frankfurt nach Verlängerung 1:2. Waldhof Mannheim verlor 2 zu 3 gegen Rapid Wien. Und der Wiener Sportclub gewann 6:1 gegen Graz. Im Halbfinale setzte sich Rapid mit 2 zu 0 gegen Nürnberg durch und der FSV Frankfurt besiegte den Wiener Sportclub 3:2. Das Finale fand am 8 januar 1939 im Olympiastadion zwischen dem FSV Frankfurt und Rapid Wien statt. Der FSV konnte durch Franz Dosedzal in Minute 17 in Führung gehen und hielt diese Führung bis Minute 80. Danke lang Rapid durch Georg Schors der Ausgleich. Er sollte in seiner Karriere Meister und Pokalsieger sowohl in Deutschland als auch in Österreich werden. 5 Minuten später konnte Johann Hofstätter die Wiener sogar in Führung bringen. Für die Entscheidung sorgte in Minuten 90 Franz Binder. Rapid Wien war deutscher Pokalsieger. Torschützenkönig wurde ein gewisser Helmut Schön vom Dresdner SC. Die Nationalmannschaft bestritt 1938 9 Spiele. Gegen die Schweiz gab es im Februar in Köln ein 1:1. Dann gab es einen 2:1 Sieg über Luxemburg im März, bei dem vor allem Debütanten spielten. Am selben Tag spielte die A Mannschaft in Nürnberg 1:1 gegen Ungarn. Im April gab es in Frankfurt ein 1:1 gegen Portugal. Dann verlor man im Mai 3:6 gegen England, es war das 150. Länderspiel der deutschen Mannschaft und mit Johann Pesser spielte zum ersten Mal ein Spieler, der eigentlich Österreicher war. Es folgte am 4 Juni ein 1:1 bei der WM nach Verlängerung gegen die Schweiz in Paris fünf Tage später gab es ein Wiederholungsspiel und dieses wurde mit 2:4 verloren. Zum Abschluss des Jahres gab es noch zwei freundschaftsspiele in Chemnitz gegen Polen, dieses wurde 4:1 gewonnen und ebenfalls einen 4 zu 1 Sieg gab es in Bukarest gegen Rumänien. In England war es im Kampf um den Titel in diesem Jahr besonders spannend. Vor dem vorletzten Spieltag hatte Wolverhampton zwei Punkte Vorsprung auf Arsenal. Preston North End lag 4 vier Punkte hinter den Wolves. Preston machte immerhin seine hausaufgaben und gewann 2:0 in Sunderland. Arsenal besiegte Liverpool mit 1 zu 0 durch ein Tor von Eddie Carr. Wolverhampton spielte nur 1:1 gegen Chelsea. Damit war Preston raus aus dem Titelrennen. Arsenal war aber nur noch einen Punkt hinter Wolverhampton. Und sie besiegten am letzten Spieltag Bolton 5:0. Eddie Carr und Cliff Bastin trafen jeweils doppelt. Wolverhampton musste in Sunderland gewinnen um Meister zu werden. Doch sie verloren 1:0. Arsenal war Meister. Auch der Abstiegskampf war dramatisch. Vor dem letzten Spieltag konnten noch acht Teams absteigen. Everton hatte mit 38:44 Punkten und einen guten Torverhältnis allerdings nur theoretische sorgen. Mit einem 1:1 gegen Derby wurden auch diese vertrieben. Huddersfield hatte da schon größere Sorgen. 37;45 Punkte und eine Tor Differenz von -14. Nur mit einem Sieg würde man es aus eigener Kraft schaffen in der Liga zu bleiben. Und der gelang gegen Manchester City durch ein Tor von Bobby Barclay. Manchester City im Vorjahr noch Meister gewesen, musste aufgrund dieser Niederlage jetzt richtig zittern. Vor dem letzten Spieltag waren 5 Teams mit ihnen Punktgleich, hatten aber die schlechtere Tordifferenz. Sollten mindestens vier davon Punkten, müsste Manchester City runter. Beginnen wir mit Stoke City. Sie besiegten Liverpool mit 2:0 und hielten damit die Klasse. Birmingham City gewann 4:1 in Leicester und war damit ebenfalls gerettet. Portsmouth besiegte Leeds 4:0 und schaffte den Klassenerhalt und war nun ebenfalls an. Manchester City vorbei. Wenn West Bromwich oder Grimsby Punkten würden, wäre Manchester City abgestiegen. Ein bisschen Hoffnung gab es, denn West Bromwich verlor 4:1 in Middlesbrough und musste damit runter. Doch Grimsby besiegte Chelsea mit 2:0 und schaffte damit den Klassenerhalt. Manchester City, im Vorjahr noch Meister, musste tatsächlich absteigen. Torschützenkönig wurde Tommy Lawton mit 28 Toren für Everton. In insgesamt 46 Spielen für England konnte er 46 Tore schießen. Den FA Cup konnte Preston North End durch ein 1:0 nach Verlängerung gegen Huddersfield gewinnen. George Mutch war in Minute 119 erfolgreich. In Spanien ruhte der Ball in diesem Jahr aufgrund des spanischen Bürgerkrieges. In Italien war es im Kampf um den Titel richtig spannend. Vor dem letzten Spieltag hat noch fünf Teams eine theoretische Chance Meister zu werden. Bologna der Meister der letzten beiden Jahre hatte die schlechteste Ausgangslage. Und durch eine Niederlage in Livorno verspielte man auch die letzte Chance. Auch der CFC Genua brauchte einiges an Hilfe um noch eine Chance zu haben, doch sie macht nicht einmal ihre eigenen hausaufgaben und spielten nur 1:1 gegen die Roma. Ebenfalls keine guten Karten hatte der AC Mailand, aber sie hatten ihr Schicksal zumindestens etwas mehr in der eigenen Hand weil sie mit Juventus Turin auf einen direkten Konkurrenten trafen. Das Spiel endete 1:1. Der AC Mailand war das definitiv zu wenig, Juventus musste hoffen, dass Inter Mailand verlieren würde. Doch das tat Inter nicht. Sie setzten sich in Bari mit 2 zu 0 durch und wurden durch Tore von Giuseppe Meazza und Annibale Frossi Meister. Deutlich weniger dramatisch lief es im Abstiegskampf, Atalanta Bergamo und Florenz mussten schon frühzeitig die Segel streichen. Torschützenkönig wurde Giuseppe Meazza mit 20 Toren. In Frankreich fiel die Entscheidung über die Meisterschaft am vorletzten Spieltag. Sochaux konnte 2:0 in Lens gewinnen und profitierte davon, dass die beiden Konkurrenten Sete und Marseille sich bei einem 1:1 gegenseitig die Punkte wegnehmen. Gar keine Spannung gab es im Abstiegskampf. Red Star Paris und Valenciennes standen frühzeitig als Absteiger fest. Jean Nicolas vom FC Rouen wurde mit 26 Touren Torschützenkönig. Er spielte seine ganze Karriere nur für Rouen. Der zweite Weltkrieg bedeutete das Ende seiner Karriere. Dabei hatte er auch in der Nationalmannschaft fantastische Leistungen gebracht und in 25 Spielen 21 Tore schießen können. Den Pokal gewann Marseille 2:1 nachverlängerung gegen den FC Metz. Vilmos Kohut brachte Marseille in Minute 49 in Führung. Der Ausgleich fiel in Minute 84 durch Albert Rohrbacher. In der Verlängerung gelang Emanuel Anzar in Minute 118 das entscheidende Tor. Dieses Spiel ist als Finale der Kissen bekannt. Es wird als brillantes des Spiel seit Jahren bezeichnet, aber es stand auch kurz vor dem Abbruch. Die Spieler des FC Metz bedrängten den Schiedsrichter, weil sie glaubten, dass der Ball, der zum 2:1 für Marseille geführt hatte nicht hinter der Linie gewesen war. Zuschauer warfen rote sitzkissen auf das Feld. Übrigens auch von neutralen Zuschauern. Doch der Schiedsrichter blieb bei seiner Entscheidung und so gewann Marseille.