Fussballjahr 1942

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Herzlich willkommen zu einer neuen Folge meiner Serie Fußball History und heute sind wir schon im Jahr 1942. Noch immer befinden wir uns mitten im zweiten Weltkrieg und deshalb ist auch heute noch einiges anders. Wie immer schauen wir auf Deutschland, die Nationalmannschaft, England, Spanien, Italien und Frankreich. Heute haben wir übrigens die letzten deutschen Länderspiele bis 1950. Beginnen wir mit dem Blick auf die Deutsche Meisterschaft. Der Modus hatte sich geändert, inzwischen nahmen 25 Teams an der Endrunde zur deutschen Meisterschaft teil. Das lag daran, dass Treibstoff damals ziemlich knapp war, man deshalb die Gruppenspiele abgeschafft hatte, um die Anzahl der Spiele zu reduzieren. Auswärtsspiele über 50 km Entfernung waren eigentlich verboten, die Meisterschaftsspiele waren davon aber ausgenommen. Jedoch reduzierte man mit der Rückkehr zum KO-System die Anzahl dieser Spiele. Schauen wir auf das Teilnehmerfeld. Schon früher einmal dabei waren der VfB Königsberg, Blau-Weiß 90 Berlin, SV Dessau 05, Eimsbütteler TV, SV Werder Bremen, FC Schalke 04, VfL Köln, Borussia Fulda, Kickers Offenbach, SV Waldhof Mannheim, Stuttgarter Kickers und 1 FC Schweinfurt 05. Gleich 13 Teams waren neu. Da war zunächst Luftwaffen SV Pütnitz, diesen Verein sollte es nur bis 1944 geben und sie sollten sich zweimal für die Endrunde der Deutschen Meisterschaft qualifizieren. Dann haben wir Germania königshütte diesen Verein gab es seit 1910 und bis 1945. In den kommenden Jahren wird er immer wieder an der Endrunde der Deutschen Meisterschaft teilnehmen. Als nächstes kommt die Breslauer SpVgg. Sie sollten bis 1945 bestehen, und die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft 1942 sollte die einzige Teilnahme bleiben. Weiter geht es mit Planitzer SC. Diesen Verein gab es bis zum 31 Dezember 1945. Dieser Club hat aber deutlich mehr Tradition als man vielleicht im ersten Moment denkt, denn später entstand aus diesem Verein zunächst die SG Planitz und dann die ZSG Horch/BSG Motor/BSG Sachsenring Zwickau, als ZSG Horch wurde man 1950 erster Meister der DDR. Als nächstes kommen die Sportfreunde Hamborn. Hamborn ist ein Stadtbezirk im Norden von Duisburg. Diesen Verein gibt es auch heute noch, 1961 erreichte man das Halbfinale im DFB-Pokal. Aktuell ist man in der Landesliga. Weiter geht es mit dem FV Stadt Düdelingen. Dieser Verein heißt heute F91 Düdelingen und spielt in Luxemburg. Dort wurde man bereits 16 Mal Meister. Und auch international sorgte man für kleine Erfolge, noch heute zittert man in Salzburg vor diesem Verein, denn er hat die Roten Bullen mal aus der Qualifikation für die Champions League geschmissen. Als nächstes haben wir einen wirklich großen Namen, wir reden vom 1. FC Kaiserslautern. Der FCK muss wohl nicht großartig vorgestellt werden, aber eine Sache ist ganz interessant, wenn man sich die Entwicklung des Logos anguckt, entdeckt man, dass dieser Verein zunächst ein blau-weißes Logo hatte. Dann haben wir die SG SS Straßburg. Dieser Verein wurde direkt von der SS geführt und existierte nur von 1940 bis 44. Weiter geht es mit dem Luftwaffen SV Olmütz. Diesen Club gab es ebenfalls von 1940 bis 1944. Als nächstes haben wir HUS Marienwerder. Auch diesen Verein gab es nur bis zum Ende des Krieges. Gleiches gilt für die Sportgemeinschaft Ordnungspolizei Litzmannstadt. Dieses Team war im polnischen Lodz beheimatet. Das ist auch beim Luftwaffen SV Krakau so gewesen auch hier war 1944 Schluss. Der letzte neue Verein ist der First Vienna FC. Und diesen Verein gibt es auch heute noch. Und er ist der älteste österreichische Verein, schon 1894 gegründet, also deutlich älter als Austria und Rapid. Aktuell befindet sich der Verein in der zweiten Liga und ist durchaus ambitioniert irgendwann mal wieder in die erste Liga zu kommen. Zunächst wurde eine Qualifikationsrunde gespielt, an dieser mussten 18 Teams teilnehmen, während die anderen sieben ein Freilos für das Achtelfinale hatten. Hamborn traf auf Werder Bremen und zunächst gab es in Duisburg ein 1:1 nach Verlängerung, im Rückspiel in Bremen gewann dann Werder mit 5:1. Dessau konnte sich in Fulda mit 2:0 durchsetzen. Kaiserslautern besiegte Mannheim 7:1. Marienwerder unterlag königsberg 1: 7. Düdelingen verlor gegen Schalke 0:2. Planitzer SC setzte sich 5:2 gegen Krakau durch. Olmütz verlor 0:1 gegen die First Vienna. Blau Weiß 90 besiegte Pütnitz 3:1. Straßburg konnte die Stuttgarter Kickers 2:0 besiegen. Im Achtelfinale besiegte Offenbach in Frankfurt Köln mit 3:1. Straßburg setzte sich 2:1 gegen Schweinfurt durch. Planitz konnte Breslau 2:1 nach Verlängerung besiegen. Königsberg besiegte Litzmannstadt 8:1. Die Vienna setzte sich 1:0 gegen Königshütte durch. Schalke besiegte Kaiserslautern 9:3. Und Werder Bremen schlug Eimsbüttel 4 zu 2. Im Viertelfinale gewann die Vienna 3:2 gegen Planitz. Offenbach besiegte Bremen 4:3. Schalke besiegte Straßburg 6;0 und Blau-Weiß 90 konnte gegen Königsberg 2:1 gewinnen. Blau-Weiß 90 verlor im Halbfinale gegen die Vienna 2:3. Und Schalke besiegte Offenbach 6:0. Blau-Weiß 90 gewann dann das Spiel um Platz 3 mit 4 zu 0 gegen Offenbach. Das Finale fand am 4 juli 1942 von 90000 Zuschauern in Berlin statt. Schalke traf auf die Vienna. Ernst Kalwitzki traf in Minute 14 zur Führung für Schalke und Fritz Szepan machte in Minute 42 das 2:0. Dabei blieb es. Szepan wurde mit acht Toren auch Torschützenkönig. Im Pokal steigen wir wieder im Achtelfinale an. Luftwaffen Stettin besiegt Pütnitz 4:1 Lipine konnte ebenfalls 4:1 gegen Adler Deblin gewinnen. Werder Bremen besiegte Offenbach 6:1. Schalke besiegte Westende Hamborn 4:1 1860 feierte einen 15:1 Erfolg über Straßburg. VfB Stuttgart verlor gegen Düdelingen 0:2. Der HSV verlor gegen Dessau 3:4. Blau-Weiß 90 konnte Falkenrau 4 zu 1 bezwingen. Im Viertelfinale verlor Dessau 0:4 gegen Schalke. Düdelingen unterlag 1860 München 0:7. Lipine konnte Blau-Weiß 90 4 zu 1 schlagen. Ebenfalls 4 zu 1 gewann Bremen gegen Stettin. Im Halbfinale gewann 1860 6:0 gegen Lipine und Schalke 2:0 gegen Werder. Im Finale am 15 November 1942 vor 80000 Zuschauern in Berlin hatte Schalke die Chance, das Double klar zu machen. Doch 1860 hatte etwas dagegen. Ernst Willimowski brachte die Löwen in der 80 Minute in Führung. Und Engelbert Schmidhuber bescherte dem Team aus Giesing das 2:0. 1860 war deutscher Pokalsieger. Ernst Willimowski wurde mit 14 Toren auch noch erfolgreichster Torschütze des Turniers. Die deutsche Nationalmannschaft spielte 1942 zehnmal. Los ging es im Januar mit einem 2:0 Auswärtssieg in Kroatien. Dann folgte eine 1:2 Niederlage in Wien gegen die Schweiz. Im April gab es dann ein 1:1 in Berlin gegen Spanien. Dann konnte man sich in Ungarn 5 zu 3 durchsetzen. Es folgte ein 3 zu 0 Sieg in Sofia über Bulgarien. Sowie ein 7 zu 0 Sieg in Beuthen gegen Rumänien. Im September unterlag man in Berlin Schweden 2:3. Im Oktober gab es einen 5:3 Auswärtssieg in Bern über die Schweiz. Es folgte ein 5 zu 1 Sieg über Kroatien in Stuttgart und am 22 November ein 5:2 über die Slowakei in Bratislava. Erst auf den Tag genau acht Jahre später, am 22 November 1950 sollte Deutschland das nächste Mal ein Spiel der Nationalmannschaft erleben. In England gab es wieder den War Cup. Im Finale trafen Sunderland und Wolverhampton aufeinander. Das Hinspiel fand vor 34.776 Zuschauern in Sunderland statt. Wolverhampton konnte durch Dennis Westcott in Minute 11 in Führung gehen. Raich Carter und Albert Stubbins drehten die Partie zugunsten von Sunderland, doch erneut Westcott bescherte das 2:2 Unentschieden. Das Rückspiel fand am 30 Mai 1942 vor 43.038 Zuschauern in Wolverhampton statt. Westcott war erneut erfolgreich und brachte sein Team in Führung, Frank Broome erhöhte auf 2:0. Raich Carter brachte Sunderland noch einmal ran, doch Jack Rowley sorgte mit zwei Toren für den Sieg von Wolverhampton. In Spanien gab es in dieser Saison 14 Teams. Schon am drittletzten Spieltag fiel die Entscheidung um den Titel. Der FC Valencia konnte sein Spiel gegen Espanyol Barcelona mit zwei zu eins gewinnen und profitierte von den Niederlagen der beiden Madrider Clubs Real Madrid (das mittlerweile auch so heißen durfte) und Atletico Aviacion. Atletico hieß jetzt endlich Atletico, bis man aber den Namen athletico Madrid trug sollten noch ein paar Jahre vergehen. Im Abstiegskampf war es besonders spannend, denn in diesem Jahr mussten zwei Teams direkt absteigen und zwei andere in die Relegation. San Sebastian war nach dem drittletzten Spieltag nicht mehr zu retten. Der FC Barcelona musste ernsthaft um den Klassenerhalt zittern, denn er hatte vor dem vorletzten Spieltag nur einen Zähler Vorsprung auf den direkten Abstiegsplatz. Und dass man mindestens in die Relegation musste, war schon nicht mehr vermeidbar. Am vorletzten Spieltag spielte Barcelona in Oviedo und kam nur zu einem 1:1. Verfolger Hercules Alicante holte ein 2:2 gegen den FC Granada. Damit gab es zwei Entscheidungen am letzten Spieltag. Zum einen ging es darum, wer sich direkt retten konnte. Oviedo und Granada waren punktgleich. Allerdings hatte Granada den direkten Vergleich auf seiner Seite, weil sie das Hinspiel mit 8:0 gewonnen hatten. Und mit einem 4:0-sieg über Espanyol sicherte sich Granada den direkten Klassenerhalt. Oviedo verlor in LaCourna 0:1. Die andere Entscheidung war, wer muss direkt absteigen und es konnte zu diesem Zeitpunkt noch den FC Barcelona treffen. Man hatte nur einen Punkt mehr als Hercules Alicante. Und den direkten Vergleich hatten die Katalanen auch noch verloren. Das bedeutet, nur mit einem Sieg würde man aus eigener Kraft die Relegation schaffen. Hercules spielte 2 zu 2 nach 0 zu 2 Rückstand in Bilbao und das bedeutete, dass Barcelona zumindestens ein Unentschieden brauchte. Die Katalanen spielten zu Hause gegen Castellon. Zur Pause stand es 0:0. Der Abstieg war tatsächlich in greifbarer Nähe, doch zwischen Minute 53 und 60 drehte Barcelona auf und schoss durch Bravo, Garcia Lopez und Martin drei Tore. So gewann man am Ende mit 3:1. Aber noch war die Kuh nicht vom Eis. Es gab ja noch die Relegation . Oviedo besiegte Sabadell 3:1 und sicherte sich damit den Klassenerhalt. Und Barca? War tatsächlich zwischenzeitlich abgestiegen, als im Minute 23 Emilio Huguet Murcia in Führung brachte. Mariano Martin konnte aber nur fünf Minuten später ausgleichen. Trotzdem war es lange richtig eng, erst in Minute 61 gegen Barcelona in Führung und wirklich durchatmen konnte man erst in Minute 72.. Mariano Martin machte dabei drei Tore machen, wobei ich da gestehen muss ich habe verschiedene Quellen dazu gefunden, es gibt auch eine Quelle die sagt er hätte sogar die ersten vier Tore gemacht. Auf jeden Fall gewann Barcelona am Ende 5:1. Mundo von Valencia wurde mit 27 Toren Torschützenkönig. Barcelona konnte übrigens in einem wilden Spiel mit 4:3 auch noch den spanischen Pokal gewinnen. Und wieder hieß der Held der Katalanen Mariano Martin. Er machte zwei Tore, dabei das entscheidende in der Verlängerung. Mit 97 Toren in 112 spielen konnte er als mögliche Legende bezeichnet werden. Und ich weiß dass es jetzt eine Kontroverse Aussage, aber vielleicht ist er für die Entwicklung des Vereines sogar wichtiger, als ein Lionel Messi. Natürlich wäre Messi auch ohne ihn ein großartiger Spieler geworden, gar keine Frage, aber wenn Barcelona damals abgestiegen wäre, hätte sich möglicherweise die Entwicklung des Vereins ganz anders gestaltet und dann wäre Messi vielleicht bei einem anderen Verein gelandet. Ist natürlich Spekulation. Schauen wir die Serie A. Hier war das Rennen um den Titel ziemlich spannend, vor dem vorletzten Spieltag durften sich mit dem AS Rom, Torino und Venedig noch drei Teams berechtigte Hoffnungen auf den Scudetto machen. Alle drei Titelanwärter konnten am vorletzten Spieltag ihre Partien jeweils mit 2:0 gewinnen. Die Chance für Venedig war aber sehr klein, weil sie kein besonders gutes Torverhältnis hatten und durch eine 0: 2-Niederlage am letzten Spieltag gegen Lazio war der Traum endgültig geplatzt. Die Entscheidung musste zwischen der Roma, die zu Hause gegen Modena spielte und Torino, das nach Florenz musste fallen. Die Römer hatten einen Zähler Vorsprung und konnten aus eigener Kraft Meister werfen. Renato Cappellini und Ermes Borsetti schossen schon vor der Pause zwei Tore für die Roma und so siegte die as mit 2:0. Rückblickend wäre aber auch eine Niederlage okay gewesen, denn Torino verlor in Florenz. Im Kampf gegen den Abstieg war es dramatisch. Modena musste am vorletzten Spieltag die Segel streichen. Aber um den anderen Abstiegsplatz gab es noch sechs Kandidaten, darunter Inter Mailand. Der erste Kandidat war Florenz, aber da haben wir ja schon erfahren, dass sie am letzten Spieltag gewonnen haben, deshalb kann man Florenz streichen. Inter brauchte zumindestens ein Unentschieden um sicher zu sein und das holten sie mit einem 1:1 in Bergamo. Atalanta war damit auch noch nicht so ganz aus dem Schneider. Liguria sicherte sich den Klassenerhalt mit einem 1:0 Auswärtssieg in Triestina . Neapel hätte sich mit einem Sieg auf jeden Fall gerettet, verlor aber in Genua 3:0. Damit war Bergamo gerettet, Neapel hatte aber noch eine Hoffnung, nämlich das Livorno in Mailand patzen würde. Doch das passierte nicht, Livorno gewann 2:0 und schickte Neapel in die Serie B. Torschützenkönig wurde erneut Aldo Boffi vom AC Mailand. Er konnte 22 Tore in 26 Spielen machen. Allerdings war er auch so ziemlich der einzige lichtblick seines Teams, ansonsten spielte Milan eine trostlose Saison und landete auf Platz 10. Zu guter letzt noch der Blick nach Frankreich. Erneut gab es einen Meister im Norden und einen Meister im Süden. Im Norden setzte sich Stade Reims etwas überraschend vor dem FC Rouen durch. Faustpfand war die gute Defensive mit nur 14 gegentoren in 16 Spielen. Auch im Süden gab es neuen Teams, hier setzte sich etwas deutlicher der FC Sete durch. Ihre Defensive war sogar noch besser, in 16 Spielen gab es nur 11 Gegentore. Und ganz zuletzt noch der Blick auf den französischen Pokal im Finale standen sich am 17 mai 1942 Red Star Paris und FC Sete gegenüber. Durch Tore von Roger Vandeevelde und Alfred Aston gewann Paris 2:0. Es gab aber auch eine sehr traurige Randgeschichte. Marcel Tomazover, ein Stammspieler von Sete, hatte Angst, an diesem endspital zu nehmen, weil ihm das als Juden zu gefährlich war. Und leider war seine Sorge nicht ganz so unbegründet denn zwei Monate später, nahm die französische Polizei zahlreiche Juden fest, die wenig später von den Deutschen exekutiert worden.