Fussballjahr 1946

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Wir befinden uns bereits im Jahr 1946. Ich kann sagen, dass in diesem Jahr überall der Ball wieder rollte, aber noch nicht überall im Liga Betrieb Schauen wir einfach mal nach Deutschland England, Spanien, Italien und Frankreich. In Deutschland gab es in diesem Jahr noch keine deutsche Meisterschaft, aber es gab die sogenannten Zonenmeisterschaften. In der amerikanischen Zone war man besonders weit, hier wurde mit Ausnahme von Bremen eine zonenweite Liga, die Oberliga Süd ins Leben gerufen. Mit 16 Vereinen hatte man auch mehr als andere Zonen zu bieten. Es ist leider nicht ganz so einfach, hier an besonders viele Daten zu kommen, was ich euch aber sagen kann ist dass der VfB Stuttgart die Meisterschaft ganz knapp vor Nürnberg mit einem Zähler Vorsprung gewonnen hat. Der VfB konnte dabei 91 Tore erzielen und hatte mit 34 Gegentoren auch die beste Defensive. Der Karlsruher FV wurde letzter und kassierte 112 Gegentore. Weiter geht es in der französischen Zone. Hier wurden die Teams in zwei Staffeln eingeteilt. Es gab die Staffel Nord für den Bereich saarland Rheinland-Pfalz und die Staffel Süd für Südbaden Süd Württemberg Hohenzollern. Zunächst wurde jeweils ein staffelmeister ausgespielt und die beiden Sieger spielten dann den Zonenmeister aus. Im Norden gab es einen Zweikampf zwischen Saarbrücken und Kaiserslautern am Ende hatten die Saarländer das bessere Ende für sich. In dieser Liga spielten damals zehn Teams. Saarbrücken überzeugte damals durch eine sehr starke Defensive und bekamen 18 Spielen nur 16 Gegentore, der FCK hingegen brannte ein Offensiv-Feuerwerk ab und macht den 18 Spielen 93 Tore. Der Süden war noch einmal unterteilt zwischen West und Ost. Im Westen waren neun Vereine aktiv. Hier waren am Ende Fortuna Rastatt und Fortuna Freiburg (es war eigentlich der Freiburger FC) Punktgleich. Es wurde ein Entscheidungsspiel angesetzt, dieses konnte Fortuna Rastatt in offenburg mit 1:0 gewinnen. Fortuna Rastatt heißt heute FC Rastatt 04 und kickt aktuell in der Kreisliga. In der ostgruppe konnte der VfL Konstanz sich durchsetzen. Das verrückte daran war, dass alle anderen Vereine absteigen mussten. Dem ASV Villingen, das ist heute der FC 08 Villingen, fehlte nur ein Zähler zur Meisterschaft, aber statt des Titels musste man absteigen. Rastatt und Konstanz spielten dann den Südmeister aus. Hier konnte sich Rastatt 5:0 durchsetzen. Und nun durfte Rastatt im Finale um die Meisterschaft in der französischen Zone gegen Saarbrücken ran. Der FCS gewann das Hinspiel 5:0 und so war das 4:4 Rückspiel ohne Belangen. In der britischen Zone war es etwas schwieriger. Es gab lediglich regionale Meisterschaften, so wurde z.B Rot-Weiß oberhausen Meister für den Bezirk Niederrhein. Westfalen wurde auf zwei Bezirke aufgeteilt, Schalke und Erkenschwick gewannen ihre Bezirke, ein Endspiel zwischen den beiden gab es aber nicht. In Städten wie Osnabrück, Bremen und Hamburg gab es stadtmeisterschaften vielleicht interessant zu erwähnen, dass in Osnabrück nicht etwa der VfL gewonnen hat sondern der TuS Haste. Die spielen heutzutage in der Kreisliga. Man wollte dann eine norddeutsche Meisterschaft spielen bzw die Vereine wollten das, die Briten haben das aber verboten. Noch schwieriger war es in der sowjetischen Zone, hier wurde erst ab 46/47 ein Liga-Betrieb erlaubt. Und in Berlin war es so, dass man zunächst die 67 Mannschaften in vier Bezirke eingeteilt hat, dann aber gemerkt hat, dass das aufgrund der unterschiedlichen Stärken keine besonders gute Idee ist und im Dezember noch mal von vorne begonnen hat. Da durften dann nur noch die 36 besten Teams teilnehmen und wurden erneut auf vier Bezirke verteilt. Diesmal aber nach Stärke. Die vier Meister spielten dann eine Endrunde um den Titel. Für die Endrunde qualifizieren konnten sich die SG Wilmersdorf (das war zu jeder Zeit der Name des Berliner SV), die SG Mariendorf (eigentlich Blau weiß 90 Berlin), SG Staaken ( heute SC Staaken) und SG Prenzlauer Berg West (heutzutage BFC Alemannia 90). In der Endrunde konnte sich Wilmersdorf relativ deutlich durchsetzen und wurde Meister der Zone Berlin. Morgen werden wir dann hier auch noch mal Zonenmeisterschaften haben, ab Donnerstag haben wir dann wieder normalen Liga Betrieb in Deutschland. In England gab es in dieser Saison noch keinen Liga Betrieb, aber immerhin spielte der FA Cup. Die Zeit des War Cup war vorbei. im Finale standen sich Derby County und Charlton Athletic vor 98 000 Zuschauern am 27 April 1946 im Wembley gegenüber. Und es gibt eine kuriose Geschichte. Bert Turner von Charlton brachte in Minute 85 Derby mit einem Eigentor in Führung. Aber nur eine Minute später machte er sein Missgeschick wieder gut und traf zum Ausgleich. Es ging in die Verlängerung. Peter Doherty und zweimal Jackie Stamps trafen zum Sieg von Derby. Bis in die glorreichen 70er Jahre sollte es der letzte Titel der Rams sein. In Spanien war es im Kampf um die Meisterschaft ultra spannend. Vor dem vorletzten Spieltag hatten sowohl Bilbao, Barca und der FC Sevilla 33 Punkte. Die Basken verloren am vorletzten später gesensationell bei Abstiegskandidat Alcoyano mit 3:2. Und auch Barca leistete sich einen Patzer. In Castellon reicht es nur zu einem 1:1. Sevilla besiegte Oviedo 3:0 und übernahm die Spitze. Bilbao patzte auch am letzten Spieltag gegen Atletico 0:2. Doch auch ein Sieg hätte ihnen nichts gebracht, denn es kam zum Endspiel zwischen Barcelona und Sevilla. Die Katalanen mussten das Spiel gewinnen um am letzten Spieltag doch noch vorbeizuziehen. Doch Araujo brachte Sevilla in Führung. Barcelona schaffte zwar den Ausgleich durch Bravo, aber nicht mehr als das. Und so wurde der FC Sevilla spanischer Meister. Im Abstiegskampf mussten wieder die letzten beiden direkt runter und der drittletzte in die Relegation. Hercules Alicante war nach einer Niederlage in Vigo am vorletzten Spieltag abgestiegen. Davor war es aber richtig spannend. Vigo lag auf Platz 10 und hatte 21 Punkte und war auf dem rettenden Ufer. Alcoyano, das wie wir ja eben erfahren haben, Bilbao geschlagen hatte lag auf Platz 11. Das hätte ebenfalls gereicht. Murcia war vor dem letzten Spieltag auf dem Relegationsplatz. Und Espanyol auf dem direkten Abstiegsplatz. Espanyol musste am letzten Spieltag unbedingt punkten. Und sie holten ein 2:2 in Murcia. Da sie den direkten Vergleich mit Alcoyano gewonnen hatten, könnte das für die Relegation reichen, wenn Alcoyano verliert. Aufgrund der Ergebnisse die wir schon kennen, kann man hier übrigens schon sagen, dass Vigo trotz einer Abreibung bei Real gerettet war. Alcoyano musste nach Valencia und war da völlig chancenlos. 6:1 siegte Valencia und schickte Alcoyano in die Segunda Division. Espanyol musste in die Relegation und konnte sich nach einem 0:0 im ersten Spiel im Wiederholungsspiel mit 3:0 gegen Tarragona durchsetzen. Torschützenkönig wurde mal wieder Zarra. Diesmal war er 24 Mal erfolgreich. Den Pokal holte sich Real Madrid durch ein 3:1 über Valencia. Sabino Barinaga und zweimal Purden trafen für die königlichen, Gorostiza besorgte den Ehrentreffer für Valencia. In Italien gab es in diesem Jahr einen Sonderweg. Man spielte noch mal wie man es früher getan hatte eine geteilte Meisterschaft. Soll heißen eine Meisterschaft im Süden und eine im Norden und die jeweils vier besten Teams spielten dann eine Endrunde. Im Norden war der AC Turin das absolute überteam. Grande Torino hatte die beste Offensive und die beste Defensive. Inter Mailand und Juventus Turin konnten sich ebenfalls für die nächste Runde qualifizieren, um den vierten Platz war ein Endspiel nötig. Denn Brescia und Milan waren punktgleich. Es wurde hier in hin- und Rückspiel gespielt. Im Hinspiel gab es ein 1:1. Das Rückspiel gewann der AC Mailand 2:1. Im Süden setzte sich Neapel vor Bari durch. Beide Teams waren punktgleich, hier wurde aber kein Entscheidungsspiel gemacht. Auch die Roma und Pro Livorno konnten sich für die Endrunde qualifizieren. In dieser waren dann der AC Turin Juventus Turin ,AC Mailand, Inter Mailand, AC Neapel, AS Rom, Pro Livorno und Bari. Hier konnte man wieder sehr stark die Dominanz des Nordens über den Süden sehen alle vier Teams aus dem Norden landeten vor allen vier Teams aus dem Süden. Am Ende setzte sich der aceturin vor Juventus mit einem Zähler Vorsprung durch. Torschützenkönig wurde Eusebio Castigliano 13 Toren vom AC Turin. Schauen wir nach Frankreich. Hier gab es in dieser Saison sogar schon wieder eine ganz normale Liga mit 18 Vereinen. Vor dem letzten Spieltag gab es einen Zweikampf um den Titel. Lille, das damals bereits die erste französische Meisterschaft gewonnen hatte hatte einen Zähler Vorsprung auf St. Etienne. St. Etienne hielt seine Chance am letzten Spieltag mit einem Sieg über Sochaux am Leben. Lille hatte sein letztes Spiel erst 11 Tage später, am 13 Juni 1946 gegen Red Star Paris. Und sie behielten die Nerven und konnten das Spiel 3:1 gewinnen. Eine gewisse Kontroverse gab es im Abstiegskampf. Sochaux musste als Tabellenletzter runter, soweit klar. Aber der zweite Absteiger war nicht der vorletzte aus Metz oder der drittletzte aus Le Havre sondern der viertletzte Lyon. Es ist nicht so ganz klar, warum das so entschieden wurde, die Tendenz geht aber dahin, dass Le Havre und Metz eben durch den Krieg besonders Geschädigte Städte waren und man ihnen deshalb eine Art nicht Abstiegsgarantie geben wollte. Besonders ärgerlich aus Sicht von Lyon ist die Tatsache, dass die französische Liga zur kommenden Saison auf 20 Teams erhöht wurde und man trotzdem keine Berücksichtigung fand. Torschützenkönig wurde mit 28 Toren Rene Bihel von Lille. Und zu guter letzt noch der Blick auf den französischen Pokal. Lille bekam es im Endspiel mit Red Star Paris zu tun. Am 26 Mai 1946 trafen die beiden vor 59.692 Zuschauern aufeinander. Lille konnte durch Tore von Bolek Tempowski und Rene Bihel zur Halbzeit 2:0 führen. Paris verkürzte durch Albert Moulet auf 2:1. Roger Vandooren brachte das 3:1 für Lille. Lucien Leduc verkürzte in Minute 69 noch einmal, doch erneut Vandooren brachte in Minute 85 die Entscheidung für Lille. Die fast 60.000 Zuschauer waren übrigens für ein französisches Pokalfinale zu dieser Zeit ein neuer Rekord